21.12.07, 19:46:53
Juergen Kraft
Hallo,
heute schreibt ein Ebaykäufer an meine Frau, er habe eine Zahlung per Paypal an meine Frau gemacht und wo denn die Ware bliebe.
Der Käufer hat sicher nicht bedacht, dass Paypal eine Ebayfirma ist. Deshalb funktioniert vermutlich nichts wie erwartet. Meine Frau hat nämlich gar kein Konto bei Paypal. Paypal akzeptiert scheinbar trotzdem jede Zahlung. Hauptsache Paypal kann erst einmal mit dem Geld arbeiten.
Paypal erbringt für Bewohner der Eurozone mittels Lastschrift und Überweisungen, Dienstleistungen die
Internetbanken völlig kostenlos machen. Paypal nimmt dafür jedoch, je nach Höhe des Betrages zwischen knapp 4% und mehr (durch eine Grundgebühr pro Transaktion könnte eine Gutschrift sogar ein Minus bedeuten, dass verhindert Paypal jedoch und kassiert einfach die gesamte Zahlung für sich ein). Diese sogenannten "Gebühren" stehen in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung. Zusätzlich ist oder war zumindest Paypal keine Bank, sondern wirkt auf mich, wie eine Sekte. Paypal kann zum Beispiel nach belieben Guthaben "einfrieren" um "aus Sicherheitsgründen" vom Verkäufer dessen Einkaufsbelege anzufordern oder ähnliche Scherze, die man von Geheimdiensten vermuten würde. Auch was den sogenannten "Käuferschutz" betrifft, sichert Paypal diesen nicht versicherungsmathematisch ab, sondern bucht beim Verkäufer einfach die Zahlung zurück. Natürlich steht das in hunderten von Seiten Kleingedrucktem, die Paypalmitglieder "akzeptiert" haben. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, die Paypal-Geschäftsbedingungen kann niemand verstehen und sind bereits wegen Ihres Umfangs als nichtig zu betrachten.
Wer einen Verkäufer maximal ärgern will, der gibt nicht eine negative Bewertung, sondern zahlt mit Paypal und löst dann das Käuferschutzprogramm aus. Auch wenn es nach drei Monaten nichts gebracht hätte, der Verkäufer hat jede Menge Arbeit und Ärger.
Ebay will, nach meiner Meinung, vor allem auch ausspionieren, was an Ebay vorbei im Internet noch so gehandelt wird. Das war sicher einer der Gründe, weshalb Paypal gekauft wurde.
Die Behauptungen von Ebay/Paypal, die Zahlungen wären sicherer, sind ein Witz. Was soll unsicher sein, wenn man eine Überweisung macht? Selbst wenn man die Kontonummer dann sehen würde, wo wäre das Problem?
Überweisungen sind tatsächlich sicher und man kann davon ausgehen, dass die Daten des Zahlungsempfängers wirklich geprüft wurden.
Bei Paypal kann man in einer Stunde ein paar tausend Konten anlegen, bei denen nichts echt wäre. Kreditkartendaten kann man für wenig Geld im Internet kaufen. Soviel zur "Sicherheitstheorie".
Zum Thema schnellerer Versand. Auch das kann nach hinten losgehen. Informiert Paypal darüber, dass eine Zahlung nicht ankommen kann, weil der Verkäufer kein Konto bei Paypal hat?
Meine Frau bekam auch keine Mitteilung. Kein Email, nichts. Der Käufer glaubt, er hätte bezahlt und der Verkäufer weiß von nichts. Das ist Paypal. Paypal wartet wohl ein viertel Jahr, ob ein Empfänger ohne Konto nicht vielleicht ein Konto aufmacht. Solange kann Paypal ja schon einmal mit den Zinsen arbeiten.
Es gäbe für Paypal durchaus den Weg, faire Gebühren zu erheben. Zum Beispiel bei Transaktionen im Euroraum per Lastschrift, Paypalverrechnung und Überweisungen 25 Cents als Pauschale. Bei Kosten pro Transaktion im Promillebereich von Centbeträgen, wäre das immer noch ein schöner Gewinn.
Bei Kreditkartenzahlungen die üblichen 3% - 3½% + 25 Cents und bei Währungsumrechnung einen banküblichen Prozentsatz von der Summe. Paypal hat aber kein Interesse an Leistung und Gegenleistung, sondern an maximalem Gewinn.
Noch eine Schlussbetrachtung: an manchen Tagen bringen Briefmarken, unabhängig vom Wert, nur 1,- Euro oder auch 1,50. So verstärkt, als die "neue Suchfunktion" bei Briefmarken getestet wurde. Unabhängig davon, dass man den gesamten Einkaufspreis verliert, würde sich der "Gewinn" bei 1,50 Verkaufspreis so aufteilen:
85 Cents Galeriebild
30 Cents Einstellgebühr
8 Cents Verkaufsprovision
35 Cents Paypalpauschale
3 Cents Paypal Gebühren nach Prozent
161 Cents für Paypal/Ebay und
- 11 Cents für den Verkäufer
Glaubt Jemand, dass Beispiel wäre konstruiert?
200169169393 oder
200169167485. Es würde also auch nichts helfen, die Marken bei Raubüberfällen erbeutet zu haben. Hier hätte man einen Euro machen können:
200169155404
22.12.07, 00:05:11
mur
Hallo Herr Kraft
Ihrer Argumentation gegen PayPal/eBay stimme ich voll zu. Ich bin sogar der Meinung, daß die Geschäftsbedingungen für Verkäufer wie für Käufer sich mittelfristig noch weiter verschlechtern werden.
Aus der Sicht eines bei eBay überwiegend als Käufer tätigen Nutzers gesehen, gibt es zu PayPal jedoch unter bestimmten Bedingungen kaum eine Alternative. Ich meine hier Geschäfte mit Partnern z.B. in den USA, Asien, GB oder den "Ostblockländern".
Daß alle Zahlungsvorgänge im Euro-Bereich per normaler und üblicherweise nahezu kostenfreier Banküberweisung erledigt werden, setze ich dabei als selbstverständlich voraus.
Übrigens beteilige ich mich normalerweise, d.h. wenn der Verk. seine PayPal-Gebühren nicht über die Versandkosten reingeholt hat, freiwillig an den PayPal-Gebühren. Das ist immer noch kostengünstiger und vor allem bequemer, als andere Zahlungsmöglichkeiten auszukundschaften und wahrzunehmen.
Da muß man die Tatsachen zähneknirschend zur Kenntnis nehmen und sich unter Absingen schmutziger Lieder - die aber sowieso niemand hört - arrangieren. :rolleyes:
Mit Sammlergruß mur
22.12.07, 13:50:00
Schnulli
Hallo Herr Kraft,
ich sehe das Wirken von Ebay un Paypal auch sehr kritisch.
So habe ich zwei Fälle zu schildern:
a) Kauf über ebay aus Kanada: Der Kaufpreis für 2 Marken wurde einvernehmlich nach Auktionsende geändert und 10 EUR Minderung vereinbart. Nach Kanada war es kostenmäßig nur über Paypal möglich, die Zahlung abzuwickeln. Die 10 EUR Minderung wurden vom Verkäufer aus Kanada mit den Marken per Geld-Schein und Einschreiben zurückgeschickt. Wenn der Betrag höher gewesen wäre, hätte ich bei dem Risiko Bauchschmerzen bekommen. Es ist mir unverständlich, warum den Nachlaß bei der Paypal-Zahlung nicht gleich hätte abezogen werden können.
b) Ein Käufer aus Polen von meinen Marken hat den geringen EUR -Betrag in Münzen in einem Brief geschickt. Papyal hätte ich nicht akzeptiert und eine Überweisung aus Polen hätte ein Kostenbelastung ausgelöst, die nach Angaben des Käufers nahezu jedes Briefmarkengeschäft sinnlos erscheinen läßt.
Es habe ein Paypal-Konto für Käufe. Das habe ich jetzt 2 x genutzt. Ärger mit Paypal hatte ich bisher nicht.
22.12.07, 17:31:36
Juergen Kraft
Hallo,
ohne Frage ist Paypal für Käufer nützlich. Tatsächlich ist ja auch bei Kreditkartenzahlung und Währungswechsel eine angemessene Gebühr, meinetwegen auch 5% der Summe akzeptabel.
Was in keiner Weise akzeptabel ist und sicher noch in Zukunft Gerichte beschäftigen wird, sind die Gebühren für Verkäufer bei Geldverkehr innerhalb der Eurozone. Hier zahlt der Verkäufer im Schnitt ja auch fast 4%. Dem stehen keine messbaren Kosten gegenüber. Selbst wenn umsatzstarke Verkäufer "nur 2%" an Paypal abliefern müssen. Das ist eine völlig maßlose Gebührenschinderei. In meinen Augen
sittenwidriger Wucher.
Der Verkäufer hat nicht nur die hohen Gebühren zu tragen, sondern muss sich auch regelmäßig von Paypal verkaspern lassen. Der unberechtigt gestellte Käuferschutzantrag ist noch das harmloseste. Beispiel, der Verkäufer schickt als Wertbrief oder auch nur Einschreiben. Die Sendung geht verloren oder kommt spät an? Der Verkäufer bekommt erst einmal den Kaufpreis gesperrt.
Paypal "friert" regelmäßig Beträge ein, um die Rechtmäßigkeit der Zahlung zu prüfen. Das steht zwar auch in den AGB, ich halte die Maßnahme trotzdem gegen europäisches Recht verstoßend.
Paypal fordert sinnlose Nachweise, die alle schon einmal erbracht wurden, wenn gewisse Umsatzgrenzen überschritten werden. Bis die Papiere dann da sind, wird das Guthaben "eingefroren". Ich sehe das schlicht als "zeitweise Veruntreuung". Zinsen erstattet Paypal keine. Das könnte gegen geltendes Recht verstoßen. Es ist nur deshalb wohl keine Straftat, weil der Kunde laut AGB zugestimmt hat und weil man das Geld durch Kontokündigung doch sofort losbekommt.
Ich kenne jemanden der in Spanien lebt und deutscher Staatsangehöriger ist. Weil es keinen Wohnsitz in Deutschland gibt, ist das Paypalkonto korrekt in Spanien gemeldet. Zur Anmeldung, bzw. nach Überschreiten einer kleinen Umsatzgrenze, waren Paypal nicht nur Kreditkartendaten und Bankverbindung bekannt (die brauchte man schon zur Anmeldung) und mittels Transaktionen verifiziert, sondern auch eine Kopie der Stromrechnung, der Festnetztelefonrechnung, des Reisepasses und andere Papiere zugefaxt worden. Dazu war das Paypalmitglied durch Paypal genötigt wurden, um wieder über ein kleines Guthaben verfügen zu können. Der größte Teil dieser Papiere war Paypal dabei nun zum zweiten Mal zugefaxt wurden.
Als dann, durch den Verkauf einer teuren Uhr, eine weitere Grenze überschritten wurde, sollte die spanische Personalausweisnummer mitgeteilt werden. Da es keine gibt, wurde nach wochenlangen Schriftwechseln dazu, dass Konto gekündigt, um an das Restguthaben zu kommen. Die Unmöglichkeit der Nutzung unter nicht vorgesehenen Bedingungen will ich gar nicht kritisieren. Für mich stellt sich nur die Frage, weshalb durch immer wieder erneutes Zusenden identischer Papiere die Sicherheit erhöht werden soll.
Was ich mich auch Frage, wie können deutsche Internetbanken sicher funktionieren ohne die Kunden in der Art von Paypal zu terrorisieren? Funktionieren comdirect, DiBa oder Andere Internetbanken nicht sicher?
Ebay/Paypal behaupten ja, an das Gute im Menschen zu glauben. Das halte ist für einen infamen Werbegag. Was ich sehe, die Kunden werden generell für potentielle Schwerverbrecher gehalten. Wie Betrügereien bei Ebay ablaufen oder auch bei Paypal abgelaufen sind, ist doch hinreichend bekannt. Diese abzuwehren wäre mit anderen Maßnahmen einfacher und sicherer zu erreichen.