PVC-Folien schädlich für altdeutsche Briefe? (Bleisulfidschäden)

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06.01.08, 17:52:30

Peter Feuser

geändert von: Peter Feuser - 06.01.08, 17:53:34

Hallo,

damit das Thema "Bleisulfidschäden an Briefmarken" an noch mehr Stellen gefunden werden kann folgen hier Beiträge von mir, die schon anderer Stelle veröffentlicht wurden.

28. 12. 2007
Hier einmal einmal ein Auszug aus dem Text des Sammlers Erwin Friese (aus den Preußen-Studien 65, S. 27, 1996):

"Seit etwa 1976 sammle ich preußische Marken, Briefe und Ganzsachen. Diese bewahrte ich zunächst in einem Einsteckalbum auf. Als dann mehr Material zusammenkam, begann ich, die Stücke auf Blancoblättern der Firma Lindner aufzuziehen und in Lindner Ringbindern abzulegen. Darin lagert das meiste Material nun schon seit über 18 Jahren, stets zu meiner vollen Zufriedenheit. Ein einziger Nachteil war, dass die Blätter durch das Umblättern unansehnliche untere Ecken bekamen.

Vor ca. einem Jahr beschriftete ich die Albumblätter ausstellungsmäßig und schob sie in Klarsichthüllen der Fa. Lindner, um den oben vermerkten Nachteil zu umgehen. Ich dachte mir nichts Schlimmes dabei, preist Lindner doch seine Folien als weichmacherfrei und unbedenklich an.

Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass bei einem kürzlich ersteigerten Brief die zwei Mi.Nr. 13 schwarze Flecken bekamen. Ich beobachtete die Sache über ein paar Monate genauer und stellte dabei zu meinem Schrecken fest, dass fast alle Mi. Nr. 1, 13 und 15 ähnliche Erscheinungen zeigten, mal mehr, mal weniger.

Als ich dann noch feststellte, dass bei ganz vielen Marken aus Mi.Nr. 6 bis 12 der Schutzunterdruck sich schwarz fäbte, wollte ich aus Frust schon das Sammeln an den Nagel hängen. Bei einem Gespräch mit Dr. Müssig erfuhr ich, dass in den Lindner-Folien kleine Mengen Schwefels sei..."

Die Antwort der Fa. Lindner ist anfangs des Artikels in der Januar-PHILATELIE zu ersehen. Nicht abgedruckt wurde dort der folgende Satz: "Wir müssten ja hunderttausende Reklamationen haben, wenn man diesen Leserbrief liest, denn dann hätten ja alle Sammler diese Probleme."

Ähnliche Reklamationen erhielten die hauptbetroffenen Albenhersteller bereits Ende der Siebziger Jahre von Sammlern, Händlern und Prüfern, ohne diese mit der gebotenen Sorgfalt und Verantwortung wahrzunehmen.

Die Lindner-Transparentalben der ersten Generation (ca. 1972-1975), deren Folien sich wellten und deshalb unschön wirkten, enthielten keinen schwefelhaltigen Stabilisator (der die Folien längerfristig haltbar und eben machte und als Vergilbungsschutz diente), und verursachten deshalb auch keine Bleisulfidschäden; eine in zwei solcher Transparentalben der ersten Generation untergebrachte Preußen-Spezialsammlung, die vor einigen Jahren in Hannover versteigert wurde, wies keinerlei Bleisulfidschäden bei einigen hundert Marken auf. Man mag sich nicht auszudenken, wenn der betreffende Sammler nur wenige Jahre später ein "neues" Transparentalbum eines x-beliebigen Herstellers erworben hätte, da der größte Teil der Preußenmarken dazu neigt, sich unter PVC-Folien zu verfärben.

In der neuen BRIEFMARKENREVUE gibt der Präsident des Händlerverbandes APHV, Arnim Hölzer, erneut den Marken die Schuld für die Misere, unter Hinweis auf die Tatsache, dass es Verfärbungen bestimmter klassischer Marken schon immer gegeben habe:

"Das Fazit lautet: Eine ursächliche Schädigung von klassischen Briefmarken durch Folieneinwirkung kann nach derzeitigem Wissensstand selbst nach Vorliegen von Experten-Gutachten nicht nachgewiesen werden."

Und die Albenhersteller Leuchtturm/KABE, Lindner und SAFE schreiben (vgl. PHILATELIE 12/2007):

"Dass neuerdings vermehrt bei diesen alten Marken Verfärbungen ("Oxydationen") auftreten sollen, dafür gibt es eine ganz einfache schlüssige Erklärung: Diese alten sog. klassischen Marken werden fast durchweg von älteren Sammlern gesammelt, oder dienten vielen als Geldanlage. Diese Sammler werden won Jahr zu Jahr weniger. Daher kommt nun diese Ware, die oft jahre- oder jahrzehntelang in Tresoren, Schränken usw. schlummerte, neuerdings vermehrt auf den Markt, meist zu Auktionen, da das Gros des Briefmarken-Einzelhandels an einem Ankauf meist nicht interessiert ist."
06.01.08, 17:57:01

Peter Feuser

28. 12. 2007
Hallo,

ich zitiere hierzu einmal (zitieren darf ich wohl) aus einem Brief von H.G. Lindner vom 20.5.2003 an einen Sammler, der u.a. Bleisulfidschäden an einem Taixsbrief im Wert von 10.000 € reklamierte:

"Ein Auktionator aus Stuttgart (Feuser) versucht nun schon seit einiger Zeit aus einem MARKENPROBLEM ein FOLIENPROBLEM zu konstruieren. (...)

Wir sind in den vergangenen 55 Jahren jeder Reklamation nachgegangen, haben entsprechende Gutachten erstellen lassen und es wurde uns jedesmal bestätigt, dass unsere Folien zum Aufbewahren von Briefmarken, egal aus welcher Epoche, geeignet sind.

Von unseren Vordruckalben aus der klassischen Zeit, wie z.B. Altdeutschland, Bayern oder Baden-Württemberg, wurden in den vergangenen 20 Jahren über 17.000 Alben verkauft und es liegt uns nicht eine einzige Reklamation vor.

Unser Omnia-System ist millionenfach, über die ganze Welt verteilt, gekauft worden und in diesem System, wie Sie selbst beweisen, werden nicht nur moderne Marken gesammelt, sondern auch klassische und ich kann Ihnen versichern, es liegt nicht eine einzige Reklamation vor."

...
die obigen Zahlen betreffen natürlich nur die Vordruckalben der Fa. Lindner. Hinzu kommen die Alben mit Transparent-Blancoblättern und eine sehr große Anzahl Alben mit Kartonblättern und Blattschutzhüllen.

Das ist nur eine Firma. Es gibt ja weitere, die ebenfalls Transparentalben, Blattschutzfolien und Einsteck- und Briefalben, die ganz aus PVC-Kunststoff bestehen, Briefhüllen usw. vertreiben.

Auf Messen wie etwa in Sindelfingen kann man feststellen, dass etwa 80 % der deutschen Händler ihre Marken und Briefe in PVC-Vorlagealben bzw. in PVC-Briefhüllen usw. untergebracht haben. Man sieht tausende Marken und Briefe mit Bleisulfidschäden. Beim Betrachten mancher Ausstellungssammlungen bis zum Großgold, die unter PVC-Blattschutzhüllen untergebracht sind, kommen einem wirklich die Tränen. Werden solche Sammlungen dokumentiert, wie z.B. "Edition d'Or", kann man sich selbst von den Vor- und Nachteilen dieser Unterbringungsart überzeugen.

... Ich habe bereits deutliche Kritik am Verhalten des BDPh-Vorstandes geübt. Durch dessen Untätigkeit sind viele Schäden möglicherweise erst entstanden. Sammler, die neu ausstellten, haben erst aufgrund der Vorschrift in der BDPh-Ausstellerordnung ("Die auszustellenden Blätter müssen in transparenten Schutzhüllen eingeliefert werden.") ihre Sammlung unter PVC-Blattschutzhüllen verbracht. Meine bereits 2002 an den Vorstand erfolgte Aufforderung, die Vorschrift zu ändern und von der Unterbringung der Albumblätter unter PVC-Blattschutzhüllen abzuraten, wurde ignoriert.

Am 4.11.2002 machte ich an den BDPh-Präsidenten wegen der Folienproblematik eine ausführlich begründete und dokumentierte Eingabe. Im Grundtenor lautete mein beigelegter persönlicher Brief: Es brennt lichterloh im eigenen Haus, wir müssen sofort etwas tun!! Eine Antwort erhielt ich nicht.

Bei einem geraume Zeit später erfolgten Anruf bei Herrn Hartig war er dummerweise mit Gartenarbeiten beschäftigt und konnte mir deshalb nicht zuhören.

Gehört habe ich stattdessen von zwei süddeutschen Albenherstellern, die mich mit einer einstweiligen Verfügung vor das Landgericht Stuttgart zerrten. Herr Dr. Penning (BPP) ersuchte den BDPh um eine symbolische Unterstützung des Prozesskostenrisikos für meine anschließende negative Feststellungsklage, mit der eine Klärung der Folienproblematik versucht werden sollte. Der Vorstand lehnte höflich ab. Seitdem ist kein Mitglied des BDPh-Vorstandes wieder auf mich zugekommen.

... das Verfahren vor dem Landgericht ist ja schon mit einem Vergleich beendet worden. Im Moment habe ich noch zu essen. Der Auktionatoren- und Prüferverband haben auch etwas zu meinen erheblichen Verfahrenskosten dazugegeben. Nochmals vielen Dank diesen beiden Verbänden.

Nach meinen Informationen beziehen die Albenhersteller und folienverarbeitenden Betriebe das Rohmaterial (in Rollen) von den bekannten Chemiefirmen und schneiden es zu.

Die Zusätze zum Hart-PVC sind natürlich durch Analysen bekannt. Neben dem m.E. äußerst gefährlichen schwefelhaltigen Zinn-Stabilisator (ca. 0,5 bis 0,7 %) enthalten die handelsüblichen Folien auch Weichmacher (obwohl sie lt. Angaben der Albenhersteller usw. weichmacherfrei sind). Die früher bei Weich-PVC üblichen chem. Weichmacher (Phthalate) wurden weitgehend ersetzt durch "natürliche" Ölsäure-Ester und ähnliche Weichmacher (ca. 1,5 bis 2 %). Die giftigen Phthalate sind aber nach von den Albenherstellern selbst veranlassten Gutachten immer noch in kleinen Teilen vorhanden. Diese hatten um 1970 ganz erhebliche Briefmarkenschäden verursacht. Nach Angaben von Bayer kann Hart-PVC sogar bis zu 12 % Weichmacher enthalten. Ohne Weichmacher könnte man das spröde PVC nicht zu Folien usw. verarbeiten, allenfalls zu Abflussrohren.

Es ist mir nicht bekannt, dass die jetzt verwendeten Weichmacher Markenschäden verursachen. Die Garantien der Hersteller von philatelistischen Bedarfsartikeln, ihre Folien seien absolut weichmacher- und säurefrei (also 0 % Weichmacher) sind aber völlig wertlos und machen die betreffenden Firmen vollends unglaubwürdig, auch weil sie das Vorhandensein der gefährlichen schwefelhaltigen Stabilisatoren verschweigen. Die Folien enthalten in der Regel auch noch einen blauen Farbstoff zum Schutz vor Vergilben, möglicherweise kann auch dieser austreten. Hinzu können sich auch noch Rückstände der giftigen Gleitmittel, die für die Produktion der PVC-Folien notwendig sind, am Kunststoff festsetzen und später mit anderen Materialien eine chem. Verbindung eingehen.

Nigel: Bei normaler Lagerung spielen die Umwelteinflüsse keine Rolle mehr im Hinblick auf Markenveränderungen. Verfärbungen der Vergangenheit hatten immer Auslöser, in der Regel unsachgemäße Lagerungen (zuviel Feuchtigkeit, zu viel Wärme) oder beispielsweise Kriegsereignisse und Überschwemmungen. Heute bewahrt niemand mehr seine Sammlung auf einem Kachelofen auf, oder direkt neben einer Sauna. Alleine schon wegen der Gummiproblematik ist jeder auf sein Eigentum bedacht und sorgt für anständige Aufbewahrung. Ausnahmen gibt es natürlich (vor allem bei Nichtphilatelisten). Nach meinen Beobachtungen finden sich z.B. in Transparent-Vordruckalben für klassische Marken praktisch immer irgendwelche Marken mit Bleisulfidschäden. In Sammlungen, die vor 1975 "herkömmlich" angelegt worden sind, sind bleisulfidgeschädigte Marken eher eine Ausnahme oder kommen garnicht vor (auch nicht in den heute angebotenen Vordruckalben mit Klemmtaschen, ohne Blattschutzhüllen).

Von Altdeutschland sind alleine rund 130 Marken betroffen. Viele dieser Marken verändern sich m.E. praktisch nur unter PVC-Folien, d.h., ansonsten kommen diese Marken so gut wie immer farblich einwandfrei vor. Auch wenn sehr seltene rote vorphilatelistische Stempel (z.B. K.W. ARMEECORPS von Württemberg oder die teuren Bremer Transitstempel, vgl. "Edition d'Or") auf einmal braunschwarz sind, ist das für die Besitzer nicht nur äußerst ärgerlich, sondern die Briefe verlieren sehr an Wert.
06.01.08, 18:00:01

Peter Feuser

28. 12. 2007

Die Zivilcourage der PHILATELIE, meinen Artikel ungekürzt abzudrucken, ist natürlich in erster Linie dem Redakteur Wolfgang Maassen zu verdanken, der ja überhaupt den ganzen in der Regel hochwertigen Inhalt dieser Zeitschrift prägt (über die Titelbilder kann man allerdings wirklich geteilter Meinung sein). Mein Artikel war allerdings schon vorher in Form eines Faltblattes (mit besseren Fotos) veröffentlicht worden und lag meinem letzten Auktionskatalog bei. Auch in Sindelfingen wurde dieser Flyer von verschiedenen Arbeitsgemeinschaften verteilt. Wer dieses Faltblatt im Verein, bei Sammlerfreunden oder in Arbeitsgemeinschaften verteilen will, kann diesen bei mir gegen Erstattung der Versandkosten bestellen (bis 10 Exemplare 2 €, bis 50 Exemplare 4 € in Briefmarken).

Ich denke auch einmal, dass trotz (oder wegen?) der Kritik am BDPh dort ein Umdenken stattfindet.

Leider kann man das beim APHV nicht in Ansetzen erkennen. Der APHV vertritt seit dem Jahr 2000 einseitig die Interessen einiger weniger Alben- und Zubehörhersteller und veröffentlicht deren indiskutable und vielfach widerlegte Schutzbehauptungen immer noch 1:1 (zuletzt mit Kommentar vom Präsidenten Arnim Hölzer in der neuen BRIEFMARKENREVUE). Er vetritt nicht die Interessen des Einzelhandels, dem bei berechtigten Regressen geschädigter Sammler erhebliche Gefahren drohen, und er vertritt auch nicht die Interessen der Auktionatoren und der Prüfer im APHV.

Neben mir sind verschiedene weitere Kollegen wegen der Haltung des APHV-Vorstandes in der Foliensache aus dem APHV ausgetreten, zuletzt sogar die Firmen HAWID und PRINZ aus dem Herstellerlager (vgl. APHV-Nachrichten 12/07). Die Produkte der Firma HAWID sind von der ganzen Bleisulfidproblematik nicht betroffen. Die Firma PRINZ, das ist äußerst bemerkenswert, hat sich bereits Mitte der Neunziger Jahre (im Gegensatz zu anderen Herstellern) nachfragenden Sammlern gegenüber korrekt verhalten und für klassische Marken alternative Unterbringungsmöglichkeiten zu den PVC-Folien empfohlen.

... Die Firma PRINZ schreibt in einem Brief vom 16.4.1996 an einen nachfragenden Sammler:

"Wenn solche sensiblen Marken untergebracht werden sollen, empfiehlt es sich, dann auch nur Materialien zu verwenden, die dafür 100%ig geeignet sind, und das ist unzweifelhaft nur Polystyrol."

oder

"Wenn Briefhüllen benötigt werden, die absolut dokumentenfest sein sollen, empfehlen wir grundsätzlich nur Hüllen, die aus 100 % Polystyrol hergestellt sind."

Andere Hersteller haben nachfragenden Sammlern noch vor ganz kurzer Zeit die Unbedenklichkeit ihrer Hart-PVC-Folien mittels fragwürdiger Gutachten "garantiert" und sie gegen besseres Wissen und trotz des eindeutigen Gefährdungspotentials dazu gebracht, keinen Wechsel der Aufbewahrungsart vorzunehmen (siehe auch Leserbrief in PHILATELIE 1/2008).

Unbedenklich dürften auch Folien aus Polyethylen und Polypropylen sein (diese sind im Gegensatz zu PVC-Folien weichmacherfrei).

Hallo, Herr Kraft: Das ist ja gerade der Trugschluss, dem viele unterliegen: Marken in HAWID erleiden nach meinen Beobachtungen die gleichen Bleisulfidschäden wie Marken ohne HAWID, wenn sie unter Hart-PVC-Folien untergebracht sind. HAWID schützt definitiv nicht vor möglichen Bleisulfidschäden, das HAWID-Polystyrol ist aber selbst völlig ungefährlich für die darin untergebrachten Marken und Belege (vgl. auch hier Leserbrief in PHILATELIE 1/2008).

Viele denken irrigerweise, sie könnten ihre Marken unbesorgt in den bedenklichen Folien oder Blattschutzhüllen etc. lassen, da sie sich ja unter den Klemmtaschen befinden, ein großer Fehler! Eine Erklärung für dieses Phänomen müsste von einem Chemiker kommen, es hängt aber offenbar mit dem entstandenen Binnen- bzw. Mikroklima zusammen.

... Landen wir also bei den guten alten Pergaminstreifen?

Das muss nicht unbedingt sein, obwohl eine Papierumgebung in jedem Fall die beste Lösung für die Unterbringung von Papier ist. Ein Sammler alter Stiche oder ein Antiquar käme nicht auf die Idee, seine Sachen unter Kunststoffen unterzubringen, er benutzt Passepartouts oder Glas. Gewisse Kunststoffe haben sich allerdings bisher als unbedenklich für die Markenunterbringung erwiesen (Polystyrol, Polypropylen usw.). Solange keine Schäden bekannt werden, kann man sie doch ruhig benutzen.

Man fragt sich, warum die PVC-Kunststoffe seit etwa 1970 so einen Siegeszug bei den Briefmarken- und auch bei den Ansichtskarten- und Münzensammlern gemacht haben, obwohl alle Gruppen negative Erfahrungen mit diesen Hüllen gemacht haben. Findet man zum Beispiel in einem Keller 100 Hindenburg-Silbermünzen, sind diese in einem guten Zustand. Sieht man eine moderne Sammlung Bund-Olympiademünzen in einem PVC-Album, ist der größte Teil der Münzen grün und braun. Bei den Ansichtskarten ist es ähnlich: Die typischen Lithokarten sind mit einer Art Deckweiß überzogen (vgl. Abbildung des Bremen-Bogens in der letzten PHILATELIE). Fast alle Ansichtskartenhändler und -Sammler bringen ihre Karten in PVC-Folien unter. In zahllosen Fällen werden anschließend die Ränder der Ansichtskarten schwarz, oft auch nicht (weil vielleicht das Blei im Deckweiß schon oderntlich "ummantelt" ist, um ein Austreten zu verhindern).

Kann es sein, dass das den Betroffenen nicht "auffällt" oder nicht auffallen will? Die Vorstellung, dass man seine Sammlung oder seinen Händlerstock alternativ unterbringen müsste, ist offenbar so lästig, dass man die möglichen Schäden lieber in Kauf nimmt.

Es hätte längst einen regelrechten Aufstand der Geschädigten und ihrer Interessenvertretungen gegen die betroffenen Albenhersteller geben müssen, stattdessen kommt es noch nicht einmal zu bloßen Protesten! Das verstehe, wer will.


... in Einsteckbüchern sind mir noch keine auffallenden Schäden begegnet, in der Regel sind sie ja aus Karton, Papier bzw. Pergamin.

Hier dürfte auch wohl selten Hart-PVC verwendet werden, eher andere unbedenkliche Kunststoffe. Und richtig: für das Entstehen von Bleisulfid muss ja das Mikroklima hinzukommen. Ich denke mal, für klassische Marken sind Einsteckbücher wohl zweckmäßig. Es gibt Berichte, dass bei modernen Marken möglicherweise die Fluoreszenz wandern kann.

29. 12. 2007

... Vielleicht wäre es auch gut, die Diskussion nicht ausufern zu lassen und auf die Bleisulfidschäden zu beschränken. ... Es gibt ja noch zahlreiche andere Möglichkeiten der Verfärbungen: Vergilben durch Sonneneinstrahlung usw., Feuchtigkeit (dann auch Stockflecken, Gummifehler), Hitze (dann auch poröses Papier), mutwillige Verfärbungen zum Zwecke von Farbenverfälschungen usw. Davon gibt es natürlich auch viele in Sammlungen, ohne dass hier ein Zusammenhang besteht mit den Bleisulfidschäden, die wahrscheinlich zum allergrößten Teil in den letzten 3 Jahrzehnten durch den schwefelhaltigen Stabilisator in den Hart-PVC-Folien verursacht wurden und immer noch werden.

Marken mit besonderen Druckverfahren (Gold- und Silberdruck, Fluoreszenz, Automatenmarken usw.) unterliegen wiederum anderen Kriterien. Die Schäden an diesen Marken haben m.E. eher etwas mit den evtl. vorhandenen Weichmachern zu tun oder diese Marken sind generell erheblich empfindlicher als andere, auch beim Wässern oder Übereinanderstecken in Alben.
06.01.08, 18:01:37

Juergen Kraft

Hier die Texte von Peter Feuser
06.01.08, 18:02:47

Peter Feuser

geändert von: Peter Feuser - 06.01.08, 18:04:40

30. 12. 2007

Danke, Herr Kraft.

Halten wir doch mal fest, was an eindeutigen Tatsachen in dieser Angelegenheit feststeht und geben auch noch einige widersprüchliche Gutachten hinzu, von denen sich jeder seine eigene Meinung bilden kann:

1.) Eine sehr große Anzahl Sammler und Händler hat folgende Erfahrung gemacht: Farblich einwandfreie Marken, die in Hart-PVC-Folien der verschiedenen Hersteller von philatelistischen Bedarfsartikeln und Artikeln des Bürofachhandels untergebracht wurden, verfärbten sich nach mehr oder weniger kurzer Zeit und erlitten deutliche Wertverluste. Bei normaler Lagerung in anderen Albensystemen, auch unter anderen Kunststoffen ohne Schwefelanteile und Weichmacher, waren keine ähnlichen Schäden festzustellen.

2.) In allen Fällen dunkelten die Druckfarben nach, teilweise bis zur völligen Schwarzfärbung. Hinzu kamen auch Schwarzfärbungen und Zerstörungen der Papierstruktur bei eingefärbten Papieren und das Hervortreten von normalerweise unsichtbaren Unterdrucken.

3.) Es steht aufgrund verschiedener Gutachten (u.a. PTS, München) fest, dass es sich bei diesen Veränderungen um sog. Bleisulfidschäden handelt.

4.) Bleisulfid ist ein schwarz gefärbtes Schwermetallsalz, das durch eine chemische Verbindung von Blei und Schwefel entsteht und bereits in winzigen Spuren die oben genannten Veränderungen an vorrangig mit Naturfarben gedruckten klassischen Marken herbeiführen kann (Gutachten PTS u.a.).

5.) Untersuchungen haben ergeben, dass die Druck- oder Papierfarben geschädigter Marken mehr oder weniger hohe Anteile an Blei aufweisen, was im seinerzeit üblichen Herstellungsverfahren für Briefmarken bzw. Farben begründet ist.

6.) In den handelsüblichen Hart-PVC-Folien befindet sich als Zusatz ein schwefelhaltiger Zinnstabilisator (ca. 0,5-0,7 %), der den Kunststoff glatt und längerfristig haltbar machen soll.

7.) Nach Meinung verschiedener Institute (u.a. Papiertechnische Stiftung PTS, Eidgenössische Materialprüfungsanstalt EMPA, Bundesanstalt für Materialforschung) kann dieser schwefelhaltige Stabilisator in langsamen Migrationsprozessen austreten und mit dem Blei in den Briefmarken eine chemische Verbindung eingehen, was zur Bleisulfidbildung führen und damit die Schädigung oder Zerstörung der Marken auslösen kann. Nach Auffassung dieser drei Institute sind derartige Migrationen eindeutig nachgewiesen und damit Tatsache.

8.) Nach Meinung des Otto-Graf-Instituts der Universität Stuttgart bzw. des Steinbeis-Tranferzentrums, Reutlingen, die im Auftrag der Firmen Lindner bzw. SAFE tätig wurden, kann ein Austreten des Schwefels aus den Folien nicht nachgewiesen werden.

9.) Nach einem Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung kann eine Ursächlichkeit der PVC-Folien für die Farbschäden nur durch einen Langzeitversuch eindeutig gerichtsverwertbar nachgewiesen werden.

10.) Nach diesem Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung ist für die Bleisulfidbildung und damit die Markenschäden das Zustandekommen eines sog. Mikroklimas erforderlich, d.h., die Marken müssen ganz oder weitgehend von der normalen Außenluft abgeschnitten sein. Nach dem Gutachten könnte in den PVC-Folien ein solches Mikroklima entstanden sein.

11.) Obwohl die Alben- und Zubehörhersteller seit Ende der Siebziger Jahre (!) von Sammlern und Händlern immer wieder mit Markenschäden aufgrund der Unterbringung in PVC-Folien konfrontiert wurden, haben sie keine Maßnahmen zur Schadensbegrenzung eingeleitet. Deutlicher werdende Kritik an diesem Verhalten wurde mit einstweiligen Verfügungen und Androhung von Schadenersatzforderungen beantwortet.

12.) Der Berufsverband des Briefmarkenhandels (APHV) stützt wider besseres Wissen die Position der hauptbetroffenen Alben- und Zubehörhersteller. In einem Kommentar der BRIEFMARKENREVUE 1/2008 erweckt der APHV-Präsident Arnim Hölzer unverändert den Eindruck, die Marken selbst seien schuld an ihren Verfärbungen.

13.) Der Vorstand der Interessenvertretung der Sammler, der BDPh, hat sich unseres Wissens bisher nicht öffentlich zu der ihm spätestens seit 2002 bekannten Problematik geäußert oder auf die Albenhersteller Druck ausgeübt, sondern überlässt Kommentare und Informationen dazu dem Redakteur der Hauszeitschrift PHILATELIE.

14.) Nach Angaben der verschiedenen Hersteller von Hart-PVC-Folien sind diese völlig weichmacher- und säurefrei. Dies ist falsch. Die zur Zeit handelsüblichen Hart-PVC-Folien enthalten sowohl chemische Weichmacher (Phthalate) als auch "natürliche" Weichmacher (Ölsäure-Ester u.ä.). Es ist mir nicht bekannt, dass die zur Zeit in den PVC-Folien verwendeten Weichmacher Markenschäden verursachen können.
06.01.08, 18:04:18

Peter Feuser

30. 12. 2007

... In vielen tausend von mir beobachteten Fällen haben die Marken ganz andere Schäden, sie sind teilweise so nachgedunkelt, dass man garnichts mehr vom Druckbild erkennen kann oder Marken wie Baden oder Württemberg Nr. 2 sind schwarz und nahe am zerbröseln.

So habe ich rund ein Dutzend der teuren postfrischen Dt. Reich Nr. 3 oder 8 gesehen (teils mit beiliegenden Farbfotoattesten "farbrfrisch", "einwandfrei"), die aussahen, als hätte jemand einen Tuschefüller darüber entleert. Ganze Großgoldsammlungen sind bei den gefährdeten Marken durchgängig ruiniert. Werden solche Sammlungen einmal dokumentiert, wie z.B. Bremen Transatlantik (vgl. "Edition d'Or"), kommen einem die Tränen und eine unglaubliche Wut auf die völlig verantwortungslos Handelnden bei den betroffenen Albumherstellern und tatenlos zusehenden Funktionären der Verbände APHV und BDPh, wobei der Verlegersprecher des APHV noch jegliche Information und Aufklärung der Öffentlichkeit über die Fachpresse zu verhindern versucht (vgl. Kommentar von W. Maassen in PHILATELIE 12/2007). Es gibt ja "keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Ursächlichkeit der PVC-Folien für die Markenschäden".

Vorphilatelistische Stempelunikate in großer Zahl sind ebenso farblich ruiniert wie wohl beispielsweise ein sehr bedeutender Teil aller in den letzten 30 Jahren verkauften Mecklenburg Nr. 4, Dutzende davon auf äußerst wertvollen Ganzstücken. Schwarz gewordene gestempelte Lübeck-Fehldrucke, Baden-Ersttagsbriefe oder Briefe mit Stummen Stempeln von Württemberg mit schwarzen Nr. 2, das alles tut wirklich weh, nicht nur wegen des Wertverlustes in fünfstelliger Größenordnung. In den letzten 30 Jahren ist eine bedeutende Anzahl an Marken und Belegen, die zum philatelistischen Kulturgut zählen, von einem über einen Zeitraum von 130 bis 150 Jahren andauernden einwandfreien Zustand kurzfristig vermutlich nur deshalb zur zweiten Wahl und zu Kolvolutware mutiert, weil die neuen Besitzer "Pech" hatten mit der Unterbringungsart. Zahllose Marken und Belege aus den Boker-Auktionen, u.a. unwiederbringliche ungebrauchte Einheiten (wie beispielsweise Preußen 2. und 3. Ausgabe) starben den Bleisulfidtod, ohne dass einer der betroffenen Sammler laut aufschrie.

Sind von Altdeutschland alleine über 130 Michel-Nummern betroffen und noch zahlreiche spätere deutsche Marken (auch Dt.Reich, Dt. Kolonien, Nebengebiete etc.) sieht die "Ausbeute" des Bleisulfids bei internationaler Klassik noch verheerender aus, weil absolute Weltraritäten beispielsweise von Frankreich, Spanien oder etwa Mauritius und Neufundland zu Bleisulfidschäden neigen.

Die hilflos wirkenden, in holprigem Deutsch abgefassten Erklärungen der Albenhersteller und ihres APHV-Spreches Hohenester sind angesichts der klaren Indizienlage an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten und verhöhnen die Kunden dieser Firmen und jeden halbwegs kultivierten Menschen.

Bereits 2003 plante ich eine Veröffentlichung in der jetzt erfolgten Form. Diese wurde durch die einstweilige Verfügung zweier Albenhersteller verhindert. Die darauf von mir angestrengte Feststellungsklage gegen diese beiden Albenhersteller dauerte bis zum Sommer dieses Jahres an (Ergebnis wie gesagt: "keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse").

Jeder mag sich selbst ausrechnen, wieviele Bleisulfidschäden man bei frühzeitiger nachhaltiger Information der Sammler hätte vermeiden können.
06.01.08, 18:07:56

Peter Feuser

geändert von: Peter Feuser - 06.01.08, 18:08:46

30. 12. 2007

...PS.: Meine Kritik betr. BDPh richtet sich in erster Linie an den Vorstand.

Herr Maasen und die PHILATELIE haben Zivilcourage bewiesen, auch gegenüber dem BDPh-Vorstand, indem sie meinen Artikel ungekürzt abgedruckt haben. Neben der Beachtung rechtlicher Aspekte muss ja auch auf Anzeigenkunden und Sponsoren Rücksicht genommen werden. Es wäre gut, wenn Herr Maassen unbeirrt bei seiner Linie bleibt. Der BDPh hat als Interessenverband der Sammler auch ganz andere Interventionsmöglichkeiten als ich. Er kann auch Abmahnungen veranlassen.

Im übrigen habe ich wenig Hoffnung, dass die kommerzielle deutsche Fachpresse sich des Themas mit dem gebotenen Nachdruck annimmt. Vom Ausland könnte man eigentlich da mehr erwarten, da z.B. in Amerika oder England die Folienschäden schon lange in der Presse und in Verbänden (Arthur-Salm-Foundation) thematisiert wurden. Die mutmaßliche Ursache für die Schäden war aber auch dort bis 2002 unbekannt.

... Noch etwas: Nachdem der Thread sich zu einer allgemeinen und weitschweifigen Diskussion zum Thema "Bleisulfid" entwickelt hat, wäre es nur fair, den Threadtitel zu ändern und den Firmennamen zu entfernen. Vielleicht kann ein Moderator diese Anregung aufnehmen und den Titel verallgemeinern.

Bis auf die Firma HAWID vertreiben meines Wissens nach praktisch alle bekannten Alben- und Zubehörhersteller auch Bedarfsartikel aus Hart-PVC, natürlich mit unterschiedlich großen Marktanteilen und auch unterschiedlich schwerwiegenden Folgen. Z.B. finden sich ja in mehrseitig geöffneten Briefhüllen weit weniger geschädigte Marken als in Blattschutzhüllen.

Hinzu kommen die ausländischen Lieferanten und die Hersteller für den Bürofachhandel. Auf meine seinerzeitige Nachfrage bei der Firma Leitz/Esselte wegen der von Sammlern häufig benutzten Hart-PVC-Folie (ich glaube Nr. 4534?) erhielt ich betr. der schwefelhaltigen Stabilisatoren wohl bewusst keine und betr. der Weichmacher eine wohl falsche Antwort ("weichmacherfrei").

... [Red.: die erörterten Bilder sind im BDPH-Forum]
Ihr habt Recht: Die Farben in den Attesten sind oft nicht originalgetreu.

Der Sechserstreifen 15 ist aber sicher (im Anfangsstadium) nachgedunkelt und bei dem Paar Nr. 1 sind die Veränderungen ja an den Marken selbst schon deutlich erkennbar. So hat die rechte Randlinie der rechten Marke oben noch ihre Originalfarbe und unten ist sie bereits braunschwarz.

Das hinterhältige an der Sache ist, dass es sich bei den Veränderungen um einen schleichenden Prozess handelt, d.h., die Farbe verändert sich ja nicht von heute auf morgen, und die Schäden werden deshalb von über die Gefahrenlage uninformierten Sammlern nicht wahrgenommen oder einfach verdrängt. In sicher hunderten von Fällen habe ich in der Vergangenheit betroffene Sammler, Aussteller und Händler auf die vorhandenen Schäden aufmerksam gemacht und Gegenmaßnahmen empfohlen. Sehr oft bekommt man zu hören: "Diese Marken habe ich bereits so erworben!", "Wo sehen Sie denn Farbveränderungen, die Farben sind völlig in Ordnung!", "Sie müssen sich irren, diese Folien sind weichmacherfrei!", "Der BDPh, und der muss es schließlich wissen, empfiehlt doch die Blattschutzhüllen! Ohne Hüllen darf ich doch garnicht ausstellen!", "Die Hersteller garantieren doch, dass nichts passieren kann!", "Ich kann doch jetzt unmöglich meine ganze Sammlung wieder neu aufziehen" usw.

Ein Händler, der mit einem Albenhersteller furchtbar im Clinch lag wegen seiner in den PVC-Vorlagesteckalben entstandenen Bleisulfidschäden in fünfstelliger Größenordnung, kam Ende Oktober 2002 (oder war es 2003?) zur Sindelfinger Messe, sah die Auslagen der ausstellenden Schwesterfirma dieses Albenherstellers durch, die in eben diesem Albensystem untergebracht waren, wie er es benutzte. Und mit diesem Albenhersteller befand ich mich im Rechtsstreit um die Foliensache.

Der Kollege stellte fest, dass die von dieser Firma angebotenen ungebrauchten bzw. postfrischen Brustschilde Nr. 3 und 8 die gleichen Schäden wie seine eigenen Marken hatten, d.h. sie hatten sehr deutliche schwarze Flecken und der fünfstellige Handelswert Wert dieser Marken hatte sich in etwa auf den Betrag reduziert, der für die Attestierung der Marken aufzuwenden war. Und das war das Bemerkenswerte: Die Farbfotoatteste für diese Marken waren ("einwandfrei", "farbfrisch") vom Frühjahr desselben Jahres und verglich man den früheren mit dem jetzigen Zustand, wurde man blass. Die Marken hatten sich in nur wenigen Monaten so verändert, dass sie annähernd wertlos wurden. Der Händlerkollege sagte nur "Hähä, da trifft es ja endlich mal den Richtigen!".

Als ich vor dem Landgericht Stuttgart während einer Sitzung in der Foliensache den betreffenden Albenhersteller auf diese Episode ansprach, zückte er sofort eine Erklärung des Geschäftsführers der Schwesterfirma aus seinen Unterlagen. Diese Erklärung besagte, dass die betreffenden Marken aus deren Sicht unverändert einwandfrei seien. Auch letzten Oktober konnte man in Sindelfingen die Bestände dieses Händlers noch in den gleichen Hart-PVC-Alben besichtigen. Und als ich letztes Jahr den anderen geschädigten Händler in seinem Laden besuchte, hatte er ebenfalls noch alle seine hochwertigen Marken- und Briefbestände wie gehabt in den gleichen PVC-Alben, und das mittlerweile sicher seit über 20 Jahren.

Bei einigen (bei weitem nicht allen) Marken, u.a. auch Preussen 1, Bayern 8 usw., kann man versuchen, mit einer etwa 5 %igen Wasserstoffsuperoxydlösung den alten Zustand wiederherzustellen. Das klappt bei nicht immer und vielfach wirken die Marken danach "chemisch behandelt" oder die gleichen Bleisulfidschäden treten geraume Zeit später erneut auf. Bei teuren Farben, postfrischen bzw. ungebrauchten Marken und Marken auf Brief sollte man derartige Reparaturversuche besser lassen.
06.01.08, 18:10:04

Peter Feuser

1.1.2008

...Einsteckbücher sind generell für die Unterbringung von Marken zu empfehlen und haben sich bewährt. Natürlich keine Einsteckalben nehmen (meist Ringbinder), die vollständig aus Hart-PVC bestehen. Diese sind mittlerweile weit verbreitet.

Nach meinen Erfahrungen sind vorhandene Kunststoffteile in herkömmlichen Einsteckbüchern unbedenklich (Hart-PVC ist für die Verarbeitung ungeeignet).

Das Problem des Luftabschlusses stellt sich eigentlich nur unter PVC-Folien und spielt ansonsten keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Im Gegenteil: Wenn Marken oder Belege lange Zeit nicht gelüftet werden, bleiben sie nach meinen Erfahrungen äußerst farbfrisch (man spricht ja auch im Handel von "archivfrisch" als Gütemerkmal, das will sagen, dass die Belege jahrzehnte- oder oder sogar jahrhundertelang unberührt schlummerten).

Anlässlich der letzten Corinphila-Auktion habe ich zahlreiche Einzellose und Posten klassischer Marken besichtigt, darunter Alben, in denen die Marken herkömmlich mit Falzen eingeklebt waren, und Einsteckbücher. Die Einsteckbücher befanden sich offenbar viele Jahrzehnte in einem Schweizer Safe und hatten noch Reste notarieller Versiegelungen, waren also die ganze Zeit hermetisch geschlossen ohne einen regelmäßigen Luftaustausch.

Die Marken in diesen Alben waren von einer geradezu unglaublichen Farbfrische, gerade auch die gemeinhin von Bleisulfidschäden betroffenen Ausgaben, und hatten die ganzen letzten 130 bis 150 Jahre in den verschiedensten Behältnissen ihre Originalfarbe bewahrt. Ich habe viele hundert dieser wunderbar erhaltenen Marken in verschiedenen Losen erworben.

Daneben wurde eine hochwertige Briefsammlung Altdeutsche Staaten in sechsstelligem Wert aufgelöst. Diese in den letzten 30 Jahren zusammengetragene Sammlung war ganz offensichtlich unter PVC-Blattschutzhüllen aufbewahrt worden. Viele Belege hatten eindeutige Bleisulfidschäden, die man teilweise auch auf den Farbfotos im Katalog deutlich ausmachen kann. Und bei noch mehr Belegen wirkten die Farben unfrisch oder waren am "zerfließen".

Und dann liest man im Kommentar des APHV-Präsidenten Arnim Hölzer in der BRIEFMARKENREVUE 1/2008, Hervorhebungen von mir:

"Die Gruppe der Verleger im APHV, die seit Jahrzehnten solche Produkte (aus Hart-PVC-Folien, A.d.V.) ohne Beanstandungen einsetzen, hat dazu seit Jahren umfangreiche Gutachten bei unabhängigen Instituten in Auftrag gegeben und Quellenstudium betrieben. Das vorgelegte relevante Material wurde ausgewertet und zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Es umfasst Studien und Untersuchungen, Belege und Zitate aus Katalogen, Fachveröffentlichungen und Nachschlagewerken bezüglich Markenverfärbungen aus Zeiträumen vor mehr als 50 bis über 100 Jahren, also lange bevor diese Folien eingesetzt wurden. Mit diesen Unterlagen wird klar dokumentiert und nachgewiesen, dass Markenverfärbungen, unabhängig von den Folien, schon immer vorgekommen sind und dass die Farbveränderungen der betreffenden Marken nichts mit den Folien zu tun haben, da es die modernen Folienprodukte zu jenen Zeiten noch nicht gab.
Das Fazit lautet: Eine ursächliche Schädigung von klassischen Briefmarken durch Folieneinwirkung kann nach derzeitigem Wissensstand selbst nach Vorliegen von Expertengutachten nicht nachgewiesen werden." [/i]

Dieses Statement erfolgt wider besseres Wissen und ist in Teilen eindeutig falsch. Die Täter-Opfer-Rolle wird ins Gegenteil verkehrt (selber schuld, wenn die Marken bleihaltig sind!). Wem will Herr Hölzer denn noch erzählen, dass die Albenhersteller ihre PVC-Produkte seit Jahrzehnten ohne (sic!) Beanstandungen einsetzen, wenn erste Reklamationen und Schadensersatzfordungen bereits ab 1977, also zwei Jahre nach Einführung der Hart-PVC-Folien, die Albenhersteller erreichten? Welche Studien und Gutachten beweisen denn die Unbedenklichkeit der Folien? Warum werden nur die fragwürdigen, von den Albenherstellern veranlassten Gutachten gewürdigt, nicht aber die gegenteiligen Gutachten höherwertiger Institute? Seit dem Jahre 2000 ist der APHV über die die Folien belastenden, eindeutigen Indizien regelmäßig in allen Einzelheiten von mir informiert worden und verteidigt trotzdem seitdem völlig einseitig die hahnebüchenen Schutzbehauptungen der Albenhersteller. Und warum verstecken sich die einzelnen hauptbetroffenen Albenhersteller hinter dem APHV-Präsidenten und dem APHV-Verlegersprecher? Warum äußerst sich die Firma X und die Firma Y nicht selber öffentlich? Dann wüsste der Verbraucher auch, welche Firma das Problem offensiv angeht und welche jegliche Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ablehnt.

Der APHV hätte sich längst von den hauptbetroffenen Albenherstellern distanzieren müssen. Das Verhalten des früheren und jetzigen APHV-Vorstandes ist absolut skandalös und hat bereits zum Austritt verschiedener wertvoller APHV-Mitglieder geführt (in der Ausgabe 12/2007 des APHV-Nachrichtenblattes erklären sogar die Firmen HAWID und PRINZ aus dem Herstellerlager ihren Austritt!).
06.01.08, 18:10:41

Peter Feuser

1.1.2008

...Ich will hier nicht den Alleinunterhalter spielen oder die Forenleser mit zu viel Details langweilen oder mit Fachchinesisch überfordern, aber stellen wir doch hier einmal die Argumente der Albenhersteller zusammen, die diese (und der APHV) zu ihrer Entlastung gegenüber Geschädigten, Kritikern, der Presse und auch gegenüber den Richtern vor dem Landgericht immer wieder vorbringen:

1.) Diese Folie (Hart-PVC) wird seit jahrzehnten millionen- und milliardenfach ohne Beanstandungen verwendet.

2.) Die Albenhersteller haben Untersuchungen von anerkannten und unabhängigen Instituten, die bestätigen, dass sich die Folien neutral gegenüber Briefmarken verhalten und keine Emissionen stattfinden.

3.) Markenverfärbungen hat es schon immer gegeben und sind in der Lieteratur belegbar.

So, fangen wir mit Punkt 1 an: Diese Behauptung ist natürlich eine ganz dreiste Lüge, erst recht, wenn Arnim Hölzer sie heute, also 7 Jahre nach Thematisierung des Problems durch mich vorbringt. Erste Reklamationen sind bereits 1977 (Sammlung Fischer, Regensburg) nachgewiesen, 1989 spricht die Firma HAWID in einer Pressemitteilung davon, "dass immer wieder in der Tagespresse Panikmeldungen auftauchen, die Briefmarkensammler vor Kunststoff-Folien zur Briefmarkenaufbewahrung warnen." In der Arbeitsgemeinschaft Preußen wurde ein Hersteller konkret mit Schäden konfrontiert (Antwort "Wir müssten ja hunderttausende Reklamationen haben..") und der gleiche Hersteller schwört einem reklamierenden Sammler im Jahre 2003 "Ich versichere Ihnen, wir hatten nie eine einzige Reklamation!" und sagt vor dem Langericht Stuttgart, dass Herr Feuser überhaupt der einzige ist, der Probleme mit den Folien hat.

Für Punkt 2 muss man natürgemäß etwas weiter ausholen.

* Das erste mir bekannte Gutachten, dass die Albenhersteller früher zu ihrer Entlastung weitergegeben haben, stammt aus dem Jahre 1988, siehe Zeitschrift "Das Papier" 7/1989 und DBZ-Sonderdruck. Dummerweise wurden für die Analysen moderne Bund- und Berlinmarken verwendet. Für die Beurteilung der Bleisulfidschäden hat das Gutachten deshalb keine Bedeutung.

* Ein Albenhersteller veranlasste im Jahre 1995 ein Gutachten der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA (Prüfbericht 124432 vom 19.6.1995). Dieses Gutachten wurde u.a. dem Sammler Erwin Friese übergeben, der in den Preußenstudien von Verfärbungen seiner Marken berichtet hatte (siehe oben). In diesem Gutachten heißt es u.a. wie folgt:

"Die Zusammensetzung der Folie ist: (...) Organischer Zinn-Schwefel-PVC-Stabilisator 0,5 +/- 0,2 % (...)", weiter werden (vermutlich als Weichmacher, A.d.V.) Ölsäureester von Stearylalkohol ( 1,3 +/- 0,2 %) und Spuren von Phthalatweichmachern genannt.
Dann heißt es: "Speziell weichmacherhaltige Folien (mit bis zu 10 % Weichmachern) sind im Philateliebereich als bedenklich einzustufen, da Papierinhaltsstoffe und Druckfarbenbestandteile in die Folie eindringen können. Ebenfalls können Bleisalze, welche z.B. als Stabilisatoren eingesetzt werden, mit einigen Druckfarben reagieren."

Die EMPA hat in ihrem Gutachten also die Ursache des ganzen Elends, die Stabilisatoren, bereits 1995 genannt. Warum sie dann im Ergebnis des Gutachtens schreibt: "Beschriebene Wechselwirkungen zwischen Briefmarken und Folien sind kaum zu erwarten.", das wissen nur die Götter. Nachdem ich den auftraggebenden Albenhersteller auf die Widersprüche aufmerksam gemacht hatte, verschwand das Gutachten selbstverständlich in der Schublade und reklamierenden Sammlern wurden andere Gutachten überreicht.

* Nachdem die Papiertechnische Stiftung PTS in einem von mir veranlassten Gutachten ebenfalls als Ursache der Bleisulfidschäden die schwefelhaltigen Stabilisatoren ausgemacht hatte, die "in langsamen Migrationsprozessen (Jahre bis Jahrzehnte)" mit dem Blei in den Marken reagieren, veranlassten zwei süddeutsche Albenhersteller Gegengutachten "unabhängiger und angesehener Institute". Diese Gutachten sollten u.a. beweisen, dass kein Schwefel aus den PVC-Folien austritt.
Nun ist es ja wesentlich einfacher, etwas zu beweisen, was es gibt, als etwas zu beweisen, was es nicht gibt! Und wenn es sich um einen "Vorgang" handelt, wird die Sache nochmals problematischer, denn wenn es bei der einen Versuchsanordnung nicht klappt, kann man es mit der nächsten versuchen, oder man ändert die Versuchsdauer oder andere Parameter. Und noch schwieriger wird die Angelegenheit, wenn anerkannte große Institute wie die EMPA, die PTS oder die Bundesanstalt für Materialforschung schon gesagt haben: "Derartige Migrationen sind längst bewiesen und damit Tatsache".

Wie es eine glückliche Fügung wollte, hatte einer der Albenhersteller ein namhaftes Institut im Ort, nämlich das Steinbeis-Transferzentrum in Reutlingen. Er übergab also diesem Institut 9 altdeutsche Marken (von denen freilich 8 überhaupt nicht zur Bleisulfidbildung neigten, u.a. Hamburg-Marken und Württemberg-Pfennigausgaben) und die Spezialisten des Instituts unterzogen die Marken, untergebracht in verschiedenen Folien, dreimonatigen Tests, wobei dummerweise die Marken alle zwei Wochen entnommen wurden, um sie visuell zu bewerten. Dabei wurde ein evtl. sich bildendes Mikroklima natürlich jeweils aufgehoben, das für die Entstehung des Bleisulfids erforderlich ist. Gottseidank fanden sich nach Ende des Versuchs keine Markenveränderungen, sie wären aber auch ohnehin nur bei einer Sachsen 1/2 Ngr. orange (Mi. 15) zu erwarten gewesen, nicht bei den anderen Marken.

Um die ganze Sache zu untermauern, machte man einen zweiten Versuch, ganz erstaunlicherweise anscheinend alleine mit der Sachsen Nr. 15 und setzte sie einer schwefelwasserstoffhaltigen Atmosphäre aus. Wunschgemäß bildete sich schnell Bleisulfid und die Marke wurde schwarz. Vielleicht hatte man sogar alle Marken dieser Atmosphäre ausgesetzt, aber festgestellt, dass die anderen sich nicht verfärbten. Dann wäre das ganze schöne Ergebnis des ersten Versuchs vielleicht in Frage gestellt worden und man berichtete besser nur über die Verfärbung der Sachsen Nr. 15. (Gutachten Steinbeis-Transferzentrum vom 10.3.2003)

In einem weiteren Gutachten des gleichen Instituts vom 3.4.2003 (in dem dummerweise erneut das Vorhandensein von Phthalat- und Ester-Weichmachern dokumentiert wurde) heißt es: "Mit allen Untersuchungsmethoden kann kein Austritt von schwefelhaltigen Verbindungen aus der Folientasche festgestellt werden." Die Versuchsdauer war ganze 12 Stunden. Evtl. kann ein Chemiker erklären, wie man in so kurzer Zeit jahrelang andauernde langsame Migrationsprozesse imitieren kann.

Gegen ein von einem anderen Hersteller veranlasstes Gutachten der Universität Stuttgart (eine Art "Hausgutachter" dieses Albenherstellers) könnte man ähnliche Bedenken anführen.

3.) Natürlich hat es schon immer Markenverfärbungen verschiedenster Art gegeben. Die Albenhersteller benutzen dieses Argument wie jemand, der bei Rot über eine Ampel fährt und sich bei den Polizisten damit entschuldigt, vor ihm seien ja auch ein Dutzend andere Autofahrer schon über die rote Ampel gefahren.
Auch früher bleichten Marken aus, die Farben liefen aus oder sie verfärbten sich eben dunkel durch Bleisulfidbildung. Diese Verfärbungen hatten aber immer einen Auslöser! Schuld waren nicht die Marken, sondern ihre Besitzer oder es gab höhere Gewalt durch Kriegsereignisse oder Unwetter, Überschwemmungen, Brände und dergleichen. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Marken ohne einen Einfluss von außen verfärben. Würden sich die Marken von selbst, beispielsweise durch schwefelhaltige normale Luft verfärben, gäbe es ja keine farblich einwandfreien Marken mehr. Heutige Umwelteinflüsse verfärben bei normaler Lagerung keine Marken, wer das behauptet, redet Unsinn.

Ein Großteil der heute üblichen Bleisulfidverfärbungen hat es bis 1975 garnicht gegeben! Wenn doch, müssten sie ja gehäuft in alten Sammlungen vorkommen, was nicht zutrifft. Aufgrund der eindeutigen Indizienlage steht für mich fest, dass fast alle Bleisulfidschäden der letzten 30 Jahre durch die unsachgemäße Unterbringung der Marken unter PVC-Folien entstanden sind, selbst wenn gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse hierüber bisher noch nicht vorliegen.
06.01.08, 18:12:59

Peter Feuser

Hallo, @ alle,

um das Überleben des Threads möglichst lange zu sichern, wäre es vielleicht besser, bei Erfahrungsberichten usw. auf die Nennung von Herstellernamen zu verzichten. Danke.

... zum Thema Ross und Reiter nennen: ... eine solche, von Dir angeregte Lösung zu finden, war seit dem Jahre 2000 mein Ziel, d.h., ich habe zuerst die Hersteller angesprochen und Lösungen vorgeschlagen, nach über einem Jahr ergebnislosem Hin und Her habe ich dann formelle "Resolutionen" an die professionellen Berufsverbände APHV, BDB und BPP gemacht und Lösungen vorgeschlagen, und mich erst dann Ende 2002 mit einer offiziellen Eingabe an den BDPh, in der Hoffnung, dass dieser als Verbraucherschutzorganisation eingreift, gewandt.

Das Ergebnis ist bekannt.

Der von Dir zitierte Vergleichsbeschluss stammt aus dem ersten Verfahren (einstweilige Verfügung von zwei Albenherstellern gegen mich).

Der Vergleichsbeschluss meiner negativen Feststellungsklage gegen diese beiden Albenhersteller vom Sommer letzten Jahres lautet hingegen:

1. Dem Kläger wird es gestattet, die Behauptung aufzustellen, die Verwendung von Transparent-Albumblättern, PVC-Albumblättern und PVC-Blattschutzhüllen gleichjeden Herstellers führe nach seiner Überzeugung bei den sogenannten klassischen Briefmarken, d.h. bleihaltigen Briefmarken des 19. Jahrhunderts, zu einer Schwarzfärbung bzw. Beschädigung dieser Briefmarken.

2. Der Kläger verpflichtet sich allerdings, jeweils hinzuzufügen, dass es hierfür keine gesicherten Erkenntnisse gibt. Er verpflichtet sich ferner, bei der Formulierung "gleichjeden Herstellers", die Beklagten nicht ausdrücklich zu benennen."
 
 
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