PVC-Folien schädlich für altdeutsche Briefe? (Bleisulfidschäden)
06.01.08, 18:14:28
Peter Feuser
Beitrag auf Wunsch von Peter Feuser gelöscht
06.01.08, 18:16:12
Peter Feuser
Zum Thema Veröffentlichungen im englischsprachigen Raum:
... das wäre natürlich gut, wenn auch im europäischen Ausland oder in USA usw. über die Problematik berichtet wird. Klassiker hat ja schon im Schweizer Forum "Basler-Taube" einiges geschrieben und verlinkt. Danke an Chris.
Englische Marken sind natürlich auch in vielen Fällen betroffen.
Zum Thema Klemmtaschen mit doppelter Naht: ... Klemmtaschen mit einfacher Naht sind m.E. denen mit doppelter Naht vorzuziehen. Bei letzterer kann es nach meinen Beobachtungen oft zu (mechanischen) Schäden, Druckstellen etc. und auch Gummifehlern durch den rs. Klemmtaschenleim kommen. Es ist auch wesentlich einfacher, die Marken in eine Klemmtasche mit einfacher Naht zu hinein- und hinaus zu bugsieren. Bei sorgfältiger Aufbewahrung fallen die Marken auch hier nicht heraus.
06.01.08, 18:17:16
Peter Feuser
3.1.2008
... Gibt es denn wirklich garnichts Positives von den Albenherstellern zu berichten? Doch! Das gibt es erfreulicherweise!
Einer der großen Albenhersteller hat die Struktur der Folien für die Transparentblätter geändert: bei Neuemissionen und Neuauflagen sind sie jetzt ganz leicht geriffelt und die Folien wirken minimal milchig, ähnlich wie die sogenannten "dokumentenechten" Hüllen aus dem Büroartikelhandel. Möglicherweise wurde die Produktionsänderung bereits um 2001/2002 nach Beginn meiner damaligen Aktivitäten in der Foliensache oder sogar noch früher veranlasst.
Das Ziel dieser Maßnahmen ist klar: das für die Bleisulfidbildung notwendige Binnenklima kann nicht mehr entstehen und so sind mir bisher in den neuen Folien dieses Albenherstellers auch keine Schäden bekannt geworden. Dieser Albenhersteller bestreitet aber, dass ein Binnenklima innerhalb der Hart-PVC-Folien üblicher Art überhaupt entstehen kann (vgl. PHILATELIE 12/07).
Mein Artikel in Form eines Faltblattes ist den Alben- und Zubehörherstellern bereits Mitte Oktober letzten Jahres zugestellt worden. Kein einzelner Albenhersteller hat sich bis jetzt zu den Vorgängen geäußert. Aber sie werden sich äußern müssen, auch wenn alles, was sie von sich geben, zu ihrem Nachteil ausgelegt werden kann.
"Von allen deutschen und den meisten europäischen Briefmarken-Alben-Herstellern wird die diskutierte Folie seit Jahrzehnten unverändert eingesetzt. Diese Folie war die damals erste und einzige völlig (Hervorhebung von mir, A.d.V.) weichmacherfreie Folie, die für die Verpackung von Lebensmitteln, Arzneimitteln, Blutkonserven und dgl. zugelassen wurde und bis heute unverändert auch für diese Einsatzzwecke hergestellt wird (A.d.V.: diese Aussage ist falsch; wegen nachgewiesener schädlicher Migrationen gab und gibt es für die genannten Artikel strenge Grenzwerte). Nach Tests wurde die Folie auch für die Aufbewahrung von Briefmarken als äußerst geeignet befunden (A.d.V.: Diese Aussage ist falsch). Der jahrzehntelange Praxis-Test bis heute gerechnet in milliardenfacher Ausführung spricht eine deutliche Sprache. 30 Jahre lang waren die Sammler, Händler und Prüfer usw. von dem hohen Qualitätsstandard der aus dieser Folie hergestellten Artikel begeistert (A.d.V.: Diese Aussage ist falsch. Richtig ist, dass die Alben- und Zubehörhersteller über 25 Jahre lang zahllose Reklamationen von Sammlern, Händlern, Prüfern usw. ignoriert und Kritiker mit juristischen Schritten bedroht haben).
Aus einer Erklärung deutscher Zubehörverlage vom 13.5.2003, von den Herstellern wiederholt in PHILATELIE 12/2007
"Das von mir vertretene Unternehmen befasst sich mit Herstellung und Vertrieb u.a. von Briefmarkenalben, Einsteckhüllen für Briefmarken und Briefmarken-Blattschutzhüllen zum Aufbewahren von Briefmarken. Zur Herstellung dieser Produkte verwendet das von mir vertretene Unternehmen -wie auch die allermeisten Mitbewerber- besondere Folien aus PVC. Die Besonderheit dieser Folien liegt darin, dass die Folien im Gegensatz zu normalen Folien weitgehend frei von sogenannten chemischen Weichmachern sind (A.d.V.: Hervorhebung durch mich. Es wird verschwiegen, dass die Folien auch "natürliche" Weichmacher wie Ölsäure-Ester enthalten).
... "Zur Unterbringung von klassischen Briefmarken: Es wird dem Verband vereinzelt unterstellt, er verhalte sich in dieser wichtigen Angelegenheit parteiisch. Davon kann keinesfalls die Rede sein. Der Präsident des APHV und der gesamte Vorstand sehen die Aufgabe der Bundesverbandes darin, in größtmöglichem Maße an der Wahrheitsfindung mitzuwirken, dabei aber auch durch Vermeidung vorschneller Beurteilungen Schaden von der Philatelie abzuwenden. Selbstverständlich wird der APHV bei Vorliegen gesicherter Erkenntnisse über die Ursachen solcher Veränderungen informieren und seine Mitgliedsfirmen zu angemessenen Schritten veranlassen."
Aus einer Pressemitteilung des APHV vom 31.10.2002
"Wir bestätigen den Eingang Ihres Schreibens vom 28.10.2002. Natürlich bedauern wir grundsätzlich jeden Austritt einer Mitgliedsfirma. Unter den gegebenen Umständen halte ich Ihren Schritt jedoch für hinnehmbar. Wir bestätigen daher Ihren Austritt zum 31.12.2002."
Aus einem Brief des APHV-Präsidenten Carl-Heinz Schulz vom 5.11.2002 an Peter Feuser, der nach über zwanzigjähriger Mitgliedschaft seinen Austritt aus dem APHV erklärt hatte.
[Einige Passagen auf Wunsch von Peter Feuser gelöscht]
06.01.08, 18:18:32
Peter Feuser
4.1.2008
... Seit meinen Veröffentlichungen in dieser Sache habe ich zahllose Briefe, Mails und Telefonate erhalten. Natürlich danke ich allen, die anerkennende Worte für meine Bemühungen gefunden habe, auch allen, die mir mit Erfahrungsberichten oder auch nur einfachen Fragen neue Hinweise gegeben haben.
Gestern erreichte mich ein Anruf von Dr. Müssig, sozusagen einem Pionier in der Bekämpfung der Folienschäden. Dr. Müssig ist Chemiker und hat bereits 1996 über den in den Hart-PVC-Folien enthaltenen Schwefel als Ursache für die Bleisulfidschäden (den Begriff gab es damals natürlich noch nicht) spekuliert, vgl. Posting # 16.
In diesem Gespräch weist mich Dr. Müssig darauf hin, dass die Lieferanten in der chemischen Industrie die Hart-PVC-Folien sehr wohl als "weichmacherfrei" (also 0 % Weichmacher) vermarkten. Das Thema Weichmacher gehört eigentlich nicht hierhin, es ist aber im Zusammenhang mit den PVC-Folien für die Sammler von großer Bedeutung, weil die etwa bis Anfang der Siebziger Jahre handelsüblichen Weich-PVC-Hüllen ganz erhebliche Markenschäden verursachten, in aller Regel Totalverluste (ganze Teile der Marken gingen mit den Folien eine unlösbare "physische" Verbindung ein, befanden sich also sozusagen im Kunststoff und waren unrettbar verloren). Diese Schäden fielen natürlich im Gegensatz zu den schleichenden Bleisulfidschäden sofort auf, die Folien wurden bereits nach kurzer Zeit als Aufbewahrungsmittel für Briefmarken zurückgezogen und nach meinen Informationen auch Sammler von den Lieferanten dieser Folien entschädigt. Ich habe dieses Thema eigentlich nur in die Diskussion eingebracht, um die Glaubwürdigkeit der Alben- und Zubehörhersteller in Frage zu stellen.
Hier einmal eine heutige formelle Garantie eines Zubehörherstellers, der in großem Umfang Hart-PVC-Kunststoffe (mit schwefelhaltigem Stabilisator) für Briefhüllen u.ä. verarbeitet, im Wortlaut:
"Wir verwenden zur Herstellung unserer Alben nur erprobte Rohstoffe. So sind auch die für die Einstecktaschen unserer Ganzsachenalben, Einsteckbücher und Bogenalben verwendeten Folien garantiert weichmacherfrei, das bedeutet, daß weder Farbe noch Papier noch Gummierung beeinträchtigt werden. Wir geben Ihnen diese Garantie, da viele Transparentfolien einen für die Briefmarken schädlichen Weichmacher enthalten."
Erstaunlicherweise fehlen in dieser "Garantie" die Briefhüllen. Ähnliche Zusicherungen kommen von allen Alben- und Zubehörherstellern.
Demgegenüber stehen Aussagen der chemischen Industrie, wie z.B. in einem Artikel der Fa. Bayer ("Die weiche Revolution. Ohne Weichmacher gibt es keine Kunststoffe", vom 22.1.2002):
"Rund 90 % aller Weichmacher werden heute in PVC verarbeitet - dieser von Haus aus beinahe glasspröde Kunststoff wäre ohne Weichmacherzusatz von bis zu 55 % (für Weich-PVC, A.d.V.) für die meisten Anwendungen schlichtweg unbrauchbar; selbst Hart-PVC kann noch bis zu 12 % Weichmacher enthalten (beispielsweise 0 % für Abwasserrohre und bis zu 12 % für Folien, A.d.V.), die die Verarbeitbarkeit dieses Werkstoffs verbessern."
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass eine dieser beiden Aussagen falsch sein muss.
Nun berichtet ein anderer Albenhersteller in einer Erklärung, dass seine Hart-PVC-Folien "weitgehend" frei von chemischen Weichmachern seien. Diese Aussage lässt offen, ob neben diesen chemischen Weichmachern (Phthalaten), die seinerzeit für die katastrophalen Schäden in den Weich-PVC-Folien verantwortlich waren, noch andere "natürliche" Weichmacher wie Ölsäure-Ester (hört sich genauso wie das "Chlorid" in PVC garnicht gut an im Zusammenhang mit empfindlichen Marken!) in diesen Folien enthalten sind. Ölsäure-Ester werden auch als Gleitmittel für die Folienproduktion verwendet.
Ich bitte um Verzeihung, liebe Alben- und Zubehörhersteller: für Sammler und Händler, die Millionenwerte in Ihren Folien unterbringen, ist es sehr wohl von Bedeutung, ob wir es in diesem Fall mit einer ganzen oder halben Jungfrau zu tun haben!
Wie kann man also die Sache genau klären? Natürlich mit einer einfachen Analyse der Hart-PVC-Folien. Ein Albenhersteller wollte es genau wissen und veranlasste (nochmals?) im Jahre 1995, also zwanzig Jahre nach Einführung der Folien, bei der schweizerischen EMPA ein Gutachten. Hier lesen wir, dass neben dem schwefelhaltigen Zinnstabilisator (bis 0,7 %) auch Ölsäureester aus Stearylalkohol (bis 1,5 %) und Spuren von Phthalat-Weichmachern enthalten sind (EMPA-Gutachten 124432 vom 19.6.1995).
In einem von einem anderen Hersteller veranlassten Gutachten heißt es unter "Messergebnisse" (Steinbeis-Transferzentrum, Reutlingen, 3.4.2003:
"Das Gaschronomatogramm zeigt eine Vielzahl von Komponenten in geringer Konzentration wie Aldehyde, Ketone, Ester, Silikone, Kohlenwasserstoffe und Phthalate."
Also nochmals die Frage an die Alben- und Zubehörsteller: Sind Ihre Hart-PVC-Folien jetzt weichmacherfrei (0 % Weichmacher) oder sind sie es nicht? Die Frage ist wichtig für uns und wir erwarten eine Antwort! Wenn es denn so sein sollte, dann können Sie uns ja gerne hier und in Ihrer Werbung sagen, dass Ihre Folien nur ungefährliche Weichmacher enthalten, denn im Moment behauptet (noch) niemand, dass von den jetzt gebräuchlichen Weichmachern eine nennenswerte Gefahr ausgeht.
06.01.08, 18:19:34
Peter Feuser
4.1.2008
... "Ich schreibe Ihnen heute in meiner Eigenschaft als Verlegersprecher.
Ich habe in der Angelegenheit "Feuser" (sic! A.d.V.) den Schriftwechsel vorliegen. Herr Feuser teilt mir mit, daß er die Angelegenheit nicht ruhen lässt und durch Mitteilungen an die Presse weiterverfolgen möchte. Ich bitte Sie deshalb mit Nachdruck darum, die Vorwürfe von Herrn Feuser bereits im Vorfeld zu entkräften..."
Hans W. Hohenester als APHV-Verlegersprecher in einem Schreiben an Albenhersteller und an den APHV vom 22.8.2002
"Wir beziehen uns auf Ihr Schreiben vom 18.3.2003 in Sachen Folienproblematik. Zunächst weise ich darauf hin, dass dieses Schreiben nur für die Meinung des Schwaneberger Verlags steht. (...)
Darüber hinaus sollte den betroffenen Verlagen nahegelegt werden, Maßnahmen zu ergreifen, die den Bedürfnissen der Sammler gerecht werden und eventuelle Schäden vermeiden helfen. Der Schwaneberger Verlag ist auch der Meinung, dass man die Sammler nochmals über die Problematik unterrichten sollte." (Zu diesem Zeitpunkt war noch keine Information seitens der Verlage usw. an Sammler erfolgt, A.d.V.).
Hans W. Hohenester als Geschäftsführer des Schwaneberger Verlags in einem Schreiben an den APHV-Präsidenten Carl-Heinz Schulz vom 21.2.2003
"Die Verlage bitten Herrn Maaßen, an den -wenn auch schön aufgemachten- Spekulationen von Herrn Feuser nicht teilzuhaben und sie zu verbreiten. Damit würde eine Diskussion angeregt, zu der aus heutiger Sicht keine Lösung absehbar ist (Die "Diskussion" über die Folienproblematik wurde bereits im Jahre 2000 angeregt und läuft seitdem, A.d.V.).
Wir bitten Sie, darauf zu achten, dass diese Argumente (gemeint sind die Aussagen der Verlage, die in diesem Kontext ebenfalls abgedruckt wurden, A.d.V. W. Maaßen) in einem Artikel, den Herr Maaßen möglicherweise schreibt, beachtet werden, um den BDPh nicht in eine kritische Situation zu bringen."
Hans W. Hohenester als APHV-Verlegersprecher in einem Schreiben an den BDPh vom November 2007, vgl. PHILATELIE 12/2007, S. 40
... Noch ein kleiner Nachtrag zu den weichmacherhaltigen PVC-Folien:
Heute war ich in Frankreich bei einem Händler. Dieser Händler verfügt noch über Teile des alten Originalstocks seines Vorgängers. U.a. hatte er die "zweite Garnitur" seines Altdeutschland- und Deutsches Reich-Lagers innerhalb von stark weichmacherhaltigen, stinkenden und gasenden Weich-PVC-Blattschutzhüllen untergebracht (die Marken selbst waren mit Falz auf die Rückseite recycelter Vordruckblätter geklebt). Nach Auskunft einer alten Mitarbeiterin hatte sie diese überwiegend selber vor mehr als 40 Jahren auf die Blätter geklebt und seitdem befinden sie sich auch in den Folien. Die Blattschutzhüllen stammen aus dem franz. Büroartikelhandel (System Doret, S/m3).
U.a. befanden sich ca. 50 der stark von Bleisulfidschäden gefährdeten Deutsches Reich Nr. 3 auf einem Blatt (dieses habe ich einmal mitgenommen). Es fiel sofort auf, dass keine einzige dieser Marken charakteristische Bleisulfidschäden aufwies. Einige waren etwas unfrisch oder blass, aber das ist bei derartigen Dublettenposten ja ganz normal. Auch andersartige auf die Folien hindeutenden Schäden waren in den zwei dicken Alben mit tausenden von klassischen Marken ganz erstaunlicherweise nicht festzustellen. Offenbar gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Weich-PVC und Weich-PVC. Schwefelanteile sind in diesen Doret-Folien aber mit Sicherheit nicht vorhanden.
Wären diese rund 50 Stück Deutsches Reich Nr. 3 innerhalb der handelsüblichen Hart-PVC-Blattschutzhüllen aufbewahrt worden, hätte der allergrößte Teil der Marken nach meinen Erfahrungen spätestens nach wenigen Jahren gravierende Bleisulfidschäden.
Seinen Briefestock hatte der Händler in dreiseitig verschlossenen, oben geöffneten Hart-PVC-Briefhüllen eines bekannten Zubehörherstellers untergebracht. Ich habe drei Schachteln Briefe (von etlichen Dutzend) durchgesehen und in diesen wohl über hundert bleisulfidgeschädigte Belege gefunden. Eine Sachsen-Ganzsache U15A mit ganz typischem Schaden habe ich einmal mitgenommen und werde versuchen, diese nächste Woche hier einzustellen.
5.1.2008
... Ich glaube nicht, dass Austritte aus dem BDPh sinnvoll sind. Der BDPh-Vorstand akzeptiert bzw. fördert im Moment sogar die Berichterstattung zur Problematik in der PHILATELIE und duldet bzw. fördert die ausführliche Diskussion im BDPh-Forum.
Der BDPh-Vorstand toleriert auch die deutliche, aber sehr berechtigte Kritik an seinem bisherigen Verhalten. Nachdem mittlerweile fast 3 Monate seit dem Erscheinen meines Faltblattes vergangen sind, ist natürlich eine offizielle Stellungnahme des BDPh-Vorstandes, aber auch des APHV und der einzelnen betroffenen Alben- und Zubehörhersteller, mehr als überfällig.
Die Verbände und Albenhersteller müssen realisieren, dass wir es hier mit ziemlicher Sicherheit mit dem größten Fiasko und mit dem größten Skandal in der gesamten Philateliegeschichte zu tun haben (der Fall AFINSA war ein -mutmaßlicher- Kapitalanlagebetrug, durch den die Sammler und Händler eher profitiert haben, leider auf Kosten einer riesigen Zahl bemitleidenswerter spanischer und portugiesischer Kleinanleger).
Die ganz erhebliche Brisanz der Problematik geht beispielsweise bereits aus meinem Anschreiben der ausführlich begründeten Eingabe an die professionellen Fachverbände APHV, BDB und BPP vom November 2001 hervor. Damals war ich noch so naiv zu glauben, man könne eine Lösung des Problems mit Rücksicht auf die hauptbetroffenen Albenhersteller, sozusagen hinter den Kulissen, marktschonend angehen. An den BDPh als Verbraucherschutzorganisation der Sammler habe ich mich erst Ende 2002 gewandt, nachdem meine Bemühungen innerhalb der anderen Fachverbände kläglich gescheitert waren. Hier eine Abschrift meines Briefes an den APHV-Präsidenten Carl-Heinz Schulz vom 5.11.2001 (eine ähnliche Eingabe erhielt BDPh-Präsident Hartig etwa ein Jahr später):
Sehr geehrter Herr Schulz,
beiliegende Ausführungen bitte ich als offizielles Ersuchen meinerseits an den APHV zu betrachten. Ich bitte den Vorstand des APHV darum, sich zeitnah zusammen mit den Vorständen des BDB und des BPP, die ein gleichartiges Schreiben erhalten, der Problematik anzunehmen.
Leider sind meine Versuche, die Angelegenheit direkt mit den Albumherstellern zu besprechen, gescheitert. Zuletzt hat es Herr Lindner, den ich bereits vor über einem Jahr stellvertretend für die Albenhersteller angesprochen habe, am 29. Oktober 2001 kategorisch abgelehnt, sich mit dem Thema überhaupt zu beschäftigen. Laut Herrn Lindner wolle man keinesfalls selbst aktiv werden, sondern allenfalls reagieren.
Es herrscht akuter Handlungsbedarf. Nach meinen Hochrechnungen erreichen die Schäden pro Jahr(!) Millionenhöhe. Es muss damit gerechnet werden, dass sich diese Schäden multiplizieren, wenn die genannten Folien weitere Verbreitung finden und die zur Zeit unter diesen Kunststoffen lagernden klassischen Marken nicht möglichst bald in andere Behältnisse verbracht werden.
Meine Ausführungen sind im juristischen Sinne keine Tatsachenbehauptungen, sondern eine Meinungsäußerung. Sie sind auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Feuser
06.01.08, 18:20:13
Peter Feuser
5.1.2008
ja, das ist wirklich die große Frage: Warum hat sich der BDPh-Vorstand in dieser für die Sammler so wichtigen Sache nicht engagiert (die Artikel von Wolfgang Maassen in der PHILATELIE lassen wir jetzt einfach mal außer Acht)?
In den letzten Tagen erreichten mich einige Anfragen, warum meine Zitate aus Briefen, Gutachten usw. alle aus dem Zeitraum 2001 bis 2003 stammen und danach von der Foliensache praktisch nichts mehr zu hören war. Die Erklärung ist ganz einfach: Ich durfte nichts mehr sagen und die Hersteller, der APHV und der BDPh hatten kein Interesse oder keine Lust, etwas zu sagen!
Die 2003 angestrengte einstweilige Verfügung von zwei Albenherstellern (Streitwert 100.000 €) gegen mich ließ ich durch meinen Anwalt zurückweisen und so kam es zu einem Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart. Der Richter stellte schnell klar, dass die klagenden Albenhersteller eine Niederlage erleiden würden, riet aber zu einem Vergleich, der klarstellen sollte, was ich in Zukunft in dieser Sache sagen dürfe und was nicht. Damit erklärte ich mich einverstanden: Die Albenhersteller übernahmen alle Kosten des Verfahrens, auch meine. Die relativ niedrige Vergleichsgebühr wurde geteilt, d.h., ich zahlte die Hälfte dieser Gebühr. Das Gericht ermäßigte aufgrund der Umstände den Streitwert auf 50.000 €.
Dieser Vergleich gestattete es mir, mich in Form eines Verdachtes zu äußern, was ich in der Folge in Erklärungen für die Verbände und die gesamte Presse ausgiebig tat. Auch meine eigenen Kunden informierte ich in deutlichen Worten, z.B. auf einer Seite der Ergebnisliste meiner 53. Auktion vom Mai 2003. Es hiess dort dann anfangs "Es besteht der begründete Verdacht, dass..." und mein Rechtsanwalt war der Meinung, derartige Formulierungen würden den Auflagen des Vergleichs Genüge tun.
Die beiden Albenhersteller veranlassten aber, nachdem sie dies alles gelesen hatten, über ihren Rechtsanwalt einen für mich kostenpflichtigen Beschluss des Landgerichts Stuttgart, der eine Strafandrohung enthielt und sich wie folgt las:
Für den Fall einer Zuwiderhandlung gegen die in dem Vergleich vor dem Landgericht Stuttgart am 8.4.2003 abgegebene Unterlassungsverpflichtung,
nämlich es zu unterlassen, zu behaupten, die Verwendung von Transparent-Albumblättern, PVC-Albumblättern und PVC-Blattschutzhüllen der Gläubigerinnen führe bei sog. klassischen Marken, d.h. bleihaltigen Marken des 19. Jahrhunderts (Herstellungsdatum vor 1875) zu einer Schwarzfärbung bzw. zu einer Beschädigung dieser Briefmarken, es sei denn in Form eines Verdachts, wobei entweder alle Hersteller oder keine Hersteller genannt werden dürfen,
wird dem Schuldner Ordnungsgeld bis zu € 250.000 und für den Fall, dass dieses nicht eingetrieben werden kann, Ordnungshaft bis zu sechs Monaten angedroht. Der Schuldner trägt die Kosten des Verfahrens.
Die Androhung zur Einleitung der Vollstreckung des oben genannten Unterlassungstitels hängt nicht davon ab, ob bereits eine Zuwiderhandlung vorliegt."
Nun bin ich alles andere als ein Krösus! Und wenn die Geschädigten, also der BDPh, kein Interesse an der Sache hatten und mir noch nicht einmal antworteten und mich noch nicht einmal anhören wollten trotz bis dahin 25-jähriger BDPh-Mitgliedschaft, warum sollte ich mich dann weiterhin mit starrsinnigen Albenherstellern und desinteressierten Geschädigten überhaupt herumärgern, und das alles noch vor Gericht? Meine eigenen Kunden hatte ich ja inzwischen informiert und auch die Anfeindungen der Albenhersteller und gewisser Mitglieder des APHV gegen mich nahmen überhand.
Ehrlich gesagt, ich hatte in den letzten 10 Jahren bleisulfidgeschädigte Marken im Handelswert von wohl einigen Millionen € registriert, weil ich bewusst bei Ausstellungen, Messen und Auktionsbesichtigungen usw. darauf achtete. Nicht die ignoranten Besitzer und Aussteller, die mir nicht glaubten, und schon garnicht die vom Thema gelangweilten und genervten Funktionäre der Verbände taten mir leid, sondern die Marken und Briefe! Ich beauftragte deshalb meinen Anwalt, gegen die beiden Albenhersteller eine sog. negative Feststellungsklage anzustrengen.
Anlässlich der Versteigerertagung im gleichen Jahr entschloss sich der BDB, diese Klage für den Fall des Erliegens mit einem gewissen Betrag zu unterstützen. Und auch der Prüferverband erklärte sich dazu bereit.
Der Präsident des BPP, Dr. Penning, erklärte, man müsse jetzt noch den BDPh in's Boot holen, dann stünde es 3:1, nämlich BDB, BPP und BDPh contra APHV und er regte an, ich solle mich an den BDPh mit der Bitte um Unterstützung wenden. Ich erklärte, dies würde ich sicherlich nicht tun, nachdem zwei Versuche, mit dem BDPh-Vorstand in Kontakt zu kommen, gescheitert waren und ich nicht ein drittes Mal abgewiesen werden wollte.
Herr Dr. Penning meinte daraufhin, er sei sich sicher, für mich in dieser Sache etwas tun zu können. Er werde dann eben statt meiner mit den BDPh-Leuten reden. Angedacht war eine Prozesskostenunterstützung in gleicher Höhe, wie sie der BPP gewährte, nämlich 1000 €, und das auch nur für den Fall einer Niederlage vor Gericht!
Nach geraumer Zeit erhielt ich einen Brief von BDPh-Präsident Hartig. Der Vorstand habe getagt und einstimmig beschlossen, von einem Zuschuss zu meinem Prozesskostenrisiko abzusehen, weil die Aussicht, ein solches Verfahren zu gewinnen, gering sei. Man bitte höflich um Verständnis. Mit freundlichem Gruss, auf Wiedersehen!
Einen ganz kleinen Frust und eine minimale Verbitterung wird man mir nachsehen. Meine Klage vor dem Landgericht Stuttgart zog sich übrigens dann über 4 Jahre hin. Der Schriftverkehr der Anwälte, Beschlüsse des Gerichts, Kopien der Sachverständigengutachten, Kostennoten für die erheblichen Vorschüsse für Anwälte, Gericht und Gutachter, Eidesstattliche Versicherungen von Geschädigten und Zeugenaussagen usw. füllen zwei dicke Ordner.
06.01.08, 18:20:47
Peter Feuser
6.1.2008
Einigen Forenlesern wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass es bei den genannten Beträgen doch garnicht um eine "echte" finanzielle Unterstützung ging. Genauso hätte man 100 oder 5000 € einbringen können für den fast ausgeschlossenen Fall des Erliegens dieser negativen Feststellungsklage.
Juristisch gesehen, war ich bei dieser Folgeklage auf die einstweilige Verfügungsklage der Albenhersteller nicht der Kläger, sondern der Beklagte (deshalb "negativ"). Das bedeutete, die Albenhersteller waren beweispflichtig, nicht ich. Und für mich ist es doch sehr wohl ein Unterschied, ob ich vor Gericht beweisen muss, dass die PVC-Folien Schäden verursachen oder ob die Albenhersteller die Ungefährlichkeit der Folien beweisen müssen. Letzteres war natürlich bereits damals aufgrund der Gutachten und Zeugenaussagen betroffener Sammler unmöglich.
Es ging doch einzig und allein darum, dass mich die Verbände formal unterstützten. Was nützt es mir, wenn alle Kollegen und alle Prüfer sagen, Du hast völlig Recht, mach' nur weiter so!, wenn es aber darum geht, selbst öffentlich Partei für mich und die Sache zu ergreifen, macht jeder einen Rückzug!
Der kommerzielle BDB und der halbkommerzielle BPP erklärten diese Unterstützung. Schriftlich! Der BDPh, der als Interessenvertreter der Hauptgeschädigtengruppe und als Verbraucherschutzorganisation satzungsmäßig zum Eingreifen verpflichtet gewesen wäre, tat das nicht. Im Gegenteil: auf meine Eingabe erhielt ich keine Antwort, eine spätere persönliche Kontaktaufnahme wurde vom BDPh-Präsidenten abgeblockt und eine von einem Dritten angeregte formale Unterstützung meiner Bemühungen wurde demonstrativ verweigert. Das Desinteresse des BDPh-Vorstandes an der Sache und seine Blockadepolitik ist natürlich skandalös.
Eines muss man dem BDPh allerdings zugute halten: Die Vorgehensweise der PHILATELIE mit ihrem Redakteur Wolfgang Maassen. Während der Vorstand über meine seit bereits seit zwei Jahren andauernden Bemühungen in der Foliensache zwar noch nicht offiziell, aber von den anderen Verbänden sicher über den kurzen Draht längst informiert war, sich aber nicht an mich gewandt hat, tat das Wolfgang Maassen: Nach dem Ende Oktober 2002 erfolglos verlaufenen Treffen der Albenhersteller und Verbände mit mir in Sindelfingen wandte sich Wolfgang Maassen in einem Brief an mich, den ich (sein Einverständnis voraussetzend) hier zitiere:
"Nach einer Reihe von Gerüchten wurde ich in Sindelfingen über Inhalte eines Treffens informiert, das im Interesse der Sache sicherlich von großer Wichtigkeit ist.
Als Redakteur der PHILATELIE pflege ich mir gerne selbst ein Bild von Sachproblemen zu machen, soweit das für einen Laien (mit einem doch schon mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegenden Chemiestudium) möglich ist.
Ich wäre Ihnen also verbunden, wenn Sie mir die Ihnen vorliegenden Dokumente/Gutachten o.ä. ebenfalls zustellen."
Wolfgang Maassen erhielt selbstverständlich umgehend die ihn interessierenden Informationen und Unterlagen.
Warum hat sich der PHILATELIE-Redakteur durchaus verantwortungsbewusst verhalten, der BDPh-Vorstand aber nicht? Denn ein solches Schreiben hätte man natürlich zuallererst vom Vorstand erwarten dürfen!
Und als der BDPh-Vorstand kurze Zeit später von mir in aller Ausführlichkeit über die Problematik informiert wurde, verfrachtete man das Pamphlet offenbar erstmal gleich in die hinterste Schublade.
08.01.08, 13:48:25
Juergen Kraft
Auszüge aus Gutachten gelöscht. Die vollständigen Gutachten werde ich bei Bedarf hier vorstellen
08.01.08, 13:55:33
Juergen Kraft
Zum Thema "ist mein Album für meine Marken geeignet?"
In der Vergangenheit herrschte bei vielen Sammlern Unklarheit über die Vor- und Nachteile und das Gefährdungspotential der verschiedenen Kunststoffprodukte. Es kam zu positiven Beurteilungen von Produkten in den Schäden beobachtet wurden (ohne das ein wissenschaftlicher Beweis gefunden sein soll, der das Belegen würde). Andererseits wurde die Sicherheit von als unbedenklich geltenden Aufbewahrungsmitteln angezweifelt.
PVC-Produkte sollten als Aufbewahrungsmittel für besonders gefährdete Briefmarken (im Gegensatz zu anderen Kunststoffen wie Polystyrol, Polypropylen etc.) bis zur endgültigen Klärung durch andere Produkte ersetzt werden. Produkte aus Weich-PVC können bis zu 55 % Weichmacher enthalten, die nachweislich schwere Markenschäden verursacht haben. Hart-PVC (z.B. in Folienform) kann bis zu 12 % Weichmacher enthalten. Die als gesundheitsgefährdend geltenden chemischen Weichmacher (Phthalate) wurden bei Hart-PVC-Folien weitgehend abgelöst. Handelsübliches Hart-PVC für Briefmarken-und Münzenverpackungen enthält einen schwefelhaltigen Zinnstabilisator, der im Verdacht steht, bei bleihaltigen Marken (vorrangig aus der klassischen Periode bis 1875) in Verbindung mit der Entstehung eines Mikroklimas eine Bleisulfidbildung und damit verbunden schwere Markenschäden auszulösen. Auch wenn der wissenschaftliche Beweis fehlt, kann ich diese Gefährdung aus eigenen Erfahrungen bestätigen.
Nachfolgend eine Liste der bedeutenderen inländischen Alben- und Zubehörsteller (nach Alphabet). Die Liste enthält persönliche Kommentare, die aufgrund der Produktinformationen der Hersteller, eigener Beobachtungen und aufgrund von Erfahrungsberichten von Sammlern, Händlern, Auktionatoren und Prüfern erstellt wurden. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Andere Personen können andere Informationen und Eindrücke gewonnen haben. Hersteller, die sich eventuell falsch dargestellt fühlen, werden eingeladen, sich hierzu im Forum zu äußern.
HAWID: Die Produkte der Firma werden aus unbedenklichen Kunststoffen (Polystyrol u.a.), Papier usw. hergestellt und sind von der "Folienproblematik" nicht betroffen. Sie gelten hinsichtlich Sicherheit und Handhabung als vorbildlich. Die Firma ist aus dem APHV ausgetreten (APHV-Nachrichten 12/2007). Die von britischen Archivaren vorgebrachte Kritik, die Taschen könnten an der Naht brechen, halt ich für völlig lächerlich. Ein Auto bricht auch, wenn man es gegen den Betonpfeiler fährt. Hawidtaschen knickt man nicht an der Naht, sondern hebt die Folie an der gegenüberliegenden Seite vorsichtig an. Diese Kritik an dem besten Produkt für Briefmarken, halte ich persönlich für einen groben Unfug und einen Bärendienst an der Sache.
Kobra: Die Firma vertreibt u.a. in großem Umfange Hüllen für Briefe, Ansichtskarten usw., Briefalben u.ä., aus Hart-PVC, aber auch aus unbedenklichen Materialien. Die Schadensgefahr ist m.E. bei mehrseitig geöffneten Briefhüllen deutlich niedriger als beispielsweise in Transparentalben oder in Blattschutzhüllen. Die Firma übernimmt bis heute eine sehr weitreichende Garantie für die Unbedenklichkeit ihrer Produkte.
Leuchtturm/KABE: Die Falzlos-Vordruckalben der Firma werden hinsichtlich Sicherheit, Handhabung und Design als vorbildlich angesehen und haben hohe Marktanteile im In- und Ausland. Vermutlich kleinere Marktanteile im Bereich Blancoblätter, Blancoalben usw. aus Hart-PVC. Die Vordrucke mit Hawidtaschen kann ich uneingeschränkt empfehlen. Bei den Hart-PVC Folien bleibt immer meine Erfahrung, dass bei gleichzeitig untergebrachten, gleichen Marken in Pergamin keine Schäden auftreten, bei Hart-PVC nach ca. 2 Jahren Lagerung unter Druck, die Schäden an den gefährdeten Marken 100% sicher aufgetreten sind. Auch wenn der wissenschaftliche Beweis fehlt, bleibt es meine Erfahrung.
Lindner: Die Firma verarbeitet in großem Umfang Aufbewahrungsmittel aus Hart-PVC und hat hohe Marktanteile im In- und Ausland im Bereich Transparentalben (Vordruck- und Blanco), Blattschutz- und Briefhüllen und Alben, die ganz aus Hart-PVC bestehen (z.B. System Omnia). Bei den Hart-PVC Folien bleibt immer meine Erfahrung, dass bei gleichzeitig untergebrachten, gleichen Marken in Pergamin keine Schäden auftreten, bei Hart-PVC nach ca. 2 Jahren Lagerung unter Druck, die Schäden an den gefährdeten Marken 100% sicher aufgetreten sind. Auch wenn der wissenschaftliche Beweis fehlt, bleibt es meine Erfahrung. Die meisten meiner geschädigten Marken, Ansichtskarten und roten Stempel, sind mir in Omnia-Blättern verfärbt. Nicht das diese
besonders schädlich wären, sie sind wohl einfach nur besonders weit verbreitet. Vorsicht ist also bei allen Hart-PVC Folien mit den gefährdeten Marken geboten, egal wer der Hersteller ist.
Prinz: Die Firma hat vermutlich nur kleine Marktanteile im Bereich von Briefhüllen usw. aus Hart-PVC. Äußerst positive Öffentlichkeitsarbeit: Nachfragenden Sammlern wurden bereits in den Neunziger Jahren für klassische Marken alternative Unterbringungsmöglichkeiten (Polystyrol) aufgrund des möglichen, aber wissenschaftlich nicht bewiesenen, Gefährdungspotentials von Hart-PVC-Folien nahegelegt. Die Firma ist aus dem APHV ausgetreten (APHV Nachrichten 12/2007).
SAFE: Die Firma verarbeitet in großem Umfang Aufbewahrungsmittel aus Hart-PVC und hat hohe Marktanteile im In- und Ausland im Bereich Transparentalben (Vordruck- und Blanco), Blattschutz- und Briefhüllen, oder Alben, die ganz aus Hart-PVC bestehen (z.B. System Garant). Weitreichende Zusicherungen hinsichtlich Ungefährlichkeit der Produkte. Die Firma hat bereits seit Jahren Maßnahmen zur möglichen Schadensbegrenzung durch Hart-PVC-Folien eingeleitet (Änderung der Folienstruktur u.a.). Das betrifft Produkte für Briefmarken- und Münzenunterbringung.
Schaubek: Falzlos-Vordruckalben sind von der Problematik nicht betroffen (Anmerkung: Klemmtaschen mit doppelter Naht, die ein umständliches Einführen der Marke von der Rückseite erforderlich machen, provozieren m.E. die Gefahr mechanischer Schäden und sind deshalb unzweckmäßig). Die Firma vertreibt in kleinem Umfang Produkte aus Hart-PVC ("garantiert weichmacherfrei"), aber auch aus m.E. unbedenklichem Polypropylen (PP). Sie vertreibt auch die Produkte der Firma HAWID.
PS: Die Firmen
Borek und
Sieger lassen ebenfalls Transparentalben und andere Unterbringungsmittel aus Hart-PVC herstellen, vertreiben diese aber vorwiegend an eigene Abonennten (überwiegend Blätter für moderne Motivausgaben, die von der Folienproblematik praktisch nicht betroffen sind). In wieweit "wandernde Fluoreszenz" da ein Thema ist, kann ich nicht beurteilen, ich habe praktisch keine modernen Marken.
10.01.08, 13:10:38
Juergen Kraft
Hier eine Liste mit besonders gefährdeten Marken:
Die nachfolgende Liste enthält deutsche Marken bis etwa 1920, bei denen Druckfarben verwendet wurden, durch die Bleisulfidschäden auftreten können.
Darüber hinaus leidet auch bei vielen der hier nicht aufgeführten altdeutschen Marken die Farbfrische.
Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Besonders im Handel seltener anzutreffende Marken können mit einer solchen Liste, die ein Einzelner erstellt hat, kaum vollständig erfasst werden.
Klasse Ia: * -Marken, bei denen beobachtet wurde, dass deren Druckfarbe häufig bereits nach etwa einem Jahr unter Hart-PVC durch Dunkelfärbung farblich beeinträchtigt werden kann.
Klasse Ib: *+ - wie vor, jedoch mit zusätzlicher Schwarzfärbung rückseitig.
Klasse II: ** - Marken, deren Papierfarbe sich vorder- und rs. schwarz färben kann (in der Regel nach mehr als 5 Jahren).
Klasse III: *** - Marken, deren normalerweise unsichtbarer Unterdruck hervortritt.
Baden: 2**, 4**, 11*, 16*,18*
Bayern: 2*, 3*, 5a/b*, 7*, 8*+, 9*, 11*, 15*, 16*, 20*, 23*, 45*, 55*
Braunschweig: 1*, 3*, 16*, 18*, 20*
Bremen: 4c ** (gestrichenes Papier, Bleiweiß)
Hannover: 3**, 4**, 16*
Lübeck: 2*, 3*, 7*, 9*+
Mecklenburg-Schwerin: 4*, 5*
Oldenburg: 9*, 13*, 16*+
Preußen: 1*, 2**, 4**, 6*/***, 7*/***, 8*/***, 9*/***, 10*/***, 11*/***, 12 */***, 13*, 15*, 16*, 18*, 19*, 22*, 23*, 24* (auch Neudrucke)
Sachsen: 1*, 4**, 6**, 9*, 10*, 12*, 15*, 16*, 18*, 19*
Schleswig-Holstein: 2*, 3*, 8*,10*, 14*+, 15*, 17*, 18*+ 20*+, 22*, 23*, 25*
Thurn und Taxis: 6**, 9**, 10**, 13*, 15*, 16*, 17*, 18*, 19*, 21*, 22*, 23*, 25*, 27*, 28*, 29*, 30*, 31*, 34*, 37* 38*, 39*, 40*, 42*, 44* (auch ein großer Teil der Neudrucke von 1910)
Württemberg: 2**, 4**, 7*, 9*, 12*, 14*, 17*, 19*, 22*, 26*, 29*, 31*, 34*, 38*, 41*, 50*, 53* (auch Neudrucke)
Norddeutscher Postbezirk: 3*, 4*, 8*, 15*, 16*, 20* (13-21 auflagenabhängig auch ***)
Deutsches Reich: 2*, 3*, 4*, 7*, 8*, 9*, 19* (auflageabhängig), 25* (auflageabhängig), 49*, 63*, 66*, 81*, 94*, Flugpost I*, II*, IV*, V*, VI*
Betroffen sind auch zahlreiche Probedrucke, Essays, Neudrucke, Ganzsachen, vorphilatelistische Stempel in roter Farbe, rot gedruckte Postformulare, Klebezettel u.ä. sowie eine sehr große Anzahl meist klassischer und semimoderner Marken der ganzen Welt.