Nachzähnungen erkennen
27.02.08, 01:06:21
Juergen Kraft
Hallo zu Thema Nachzähnungen,
ich will hier eine Methode vorstellen, die mit Hilfe eines PC und eines Scanners gute Ergebnisse bringt.
Ausgehend von der Überlegung, das bei Linienzähnung und Kammzähnung die jeweilige Längsseite der Perforation, immer vom selben Werkzeug gelocht wird, geben schon kleinste Merkmale in der Lochform wichtige Hinweise. Bei der Kammzähnung sind die Stifte auf der kurzen Seite jeweils von anderen Nadeln gelocht (meist die Senkrechte der Marken), aber die sitzen doch ziemlich präzise an der gleichen Stellen, da das Werkzeug selbst, genau gefertigt wurde.
Die Frage, ob die hier
im BDPH-Forum gezeigte Marke echt gezähnt ist, lässt sich mit einem Bildprogramm beantworten.
Die Marke ist niedriger als normal. Wenn man den unteren Markenrand durch kopieren, einfügen und verschieben, nach oben bringt, beide Bilder zu je 50% wirken lässt, dann sieht man am Beispiel sehr schön, das die Zähnung passen kann. Soweit das an dem kleinen Scan möglich ist, kann man sagen, die Marke ist echt gezähnt.
17.04.08, 01:29:30
Juergen Kraft
Hallo,
heute wurde ich gefragt ob die Marke aus Artikel
310039535475 denn nicht nachgezähnt wäre. Dabei wurde sinngemäß vermutet, die Marke wäre links nachgezähnt, vermutlich nach der Prüfung, die wohl einen Zahn erhöht erfolgt sein sollte, weil die linke Zähnung unrund war. Wobei beide Ecklöcher nicht nachgezähnt werden konnten, weil die Nachzähnung dann noch mehr aufgefallen wäre.
Was ein Zweiter dann mit dem Kommentar: wenn ich keinen Knick in der Optik habe, ist die Marke tatsächlich nachgezähnt, versah.
Was ist nun mit der Marke? Erstens, die Marke ist echt und einwandfrei. Zweitens, die gegenüber der unteren Zähnung minimalst erhöhte Signatur steht zu der Unterkante des Randstücks maximal tief. Ich bin mir sicher, dass die Signatur unbeabsichtigt 1/4 mm höher ausgefallen ist. Je nach dem, wie die Marke beim Signieren lag, konnte eben das erhöht abgeschnittene Randstück über die Lage der Unterkante getäuscht haben.
Wie erkennt das nun Jeder ohne Probleme? Ich habe eine gelbe Linie am rechten Rand der Marke gezogen. Die verläuft parallel zur senkrechten Zähnung. Unten steht die Linie mitten in einem Zahn, oben nicht. Nehmen wir zum besseren Verständnis an, die Marke wäre von oben nach unten mit dem Zähnungskamm bearbeitet worden. Deutlich ist zu sehen, der untere Kammschlag, also alle Löcher unten, sind minimal gegen die Löcher oben, nach links versetzt. Sie sind exakt soweit nach links versetzt, wie die Löcher darüber auf der linken Seite nachgezähnt zu sein täuschen.
Was jetzt alles kompliziert klingen mag, ist ganz einfach. Man betrachte das unterste Loch der senkrechten Lochreihe rechts. es ist minimal nach links versetzt. Daran erkennt man den versetzten Kammschlag und dieses Phänomen führt zu dem Knick in der Optik. :)
Da sich hier zwei gestandene Fachleute täuschen ließen, hier noch ein Bild. Dieses Bild ist ziemlich genau am Rand der Zähnung ausgeschnitten. Hier sieht man, dass nach links verschobene Loch unten rechts, noch deutlicher. Alle Löcher rechts sind nur zu weniger als der Hälfte sichtbar. Das unterste Loch ist aber zu mehr als der Hälfte sichtbar.
Falls der Käufer von Wohlmeinenden, aber nicht Nichtwissenden gewarnt wurde, ich zahle noch 10,- Euro mehr und das Porto.
13.05.08, 16:55:07
Juergen Kraft
Hallo wieder einmal zum Thema Nachzähnungen
was ist von Ebay Artikel
160239582482 zu halten?
Ein Bild der Marke:
13.05.08, 23:45:37
Briefmarkensammler
Geprüft Steuer ! Da kann doch nix nachgezähnt sein :D
14.05.08, 08:36:55
Lumpus2000
Hmmm, ich habe zwar kein gutes Bildbearbeitungsprogramm aber da hat jemand mit der Nagelschere nachgeholfen ;)
Ich lasse mich aber immer und jederzeit eines Besseren belehren (bin noch in der Lernphase :p )
Viele Sammlergrüße
Swen
Dateianhang (verkleinert):
DRzlo2.jpg (17.79 KByte | 3 mal heruntergeladen | 53.38 KByte Traffic)
14.05.08, 14:06:55
Lars Boettger
Hallo Swen,
diese Marke wurde mir als eBay-Watchdog von einem sehr erfahrenen Krone/Adler-Sammler gemeldet. Nach dem ersten Blick auf die eirigen Zähungslöcher war meine Reaktion auch "nachgezähnt". Diese Art von ausgeleierter Zähnung kannte ich bisher nur von Luxemburg.
Mit dem Scan der Rückseite habe ich mir einen virtuellen Viererblock zusammengebastelt. Das passte wirklich gut...
Beste Sammlergrüsse!
Lars
14.05.08, 14:46:52
Juergen Kraft
Hallo,
ich wollte euch die Erkenntnisse, die man hier gewinnen kann, nicht vorenthalten. Wir hatten ja gerade die lang anhaltende Diskussion in einem anderen Forum, wo sich helgophil über die angeblich unfähige Fälschungsbekämpfung beklagt. Dort ging es um eine Sachsen Nr. 1. Die zeigte er uns dann mit Abbildungen aus dem Fritz Billig Buch zur Fälschungserkennung aus dem vorigen Jahrtausend. Die Merkmale stimmten zwar nicht überein, es war definitiv nicht die dort beschriebene Fälschung, was helgophil aber wenig stört. Ich melde aber nichts als falsch weiter, wo ich nicht sicher die Fälschung bestimmen kann.
Es wurde weiter darauf herum geritten, dass die Marke das Echtheitsmerkmal "x" über "CO" von FRANCO nicht zeige. Das stimmt. Aber ich habe andere, geprüfte Ausnahmen, bei denen Marken mit fehlenden Echtsheitsmerkmalen eben doch echt sind. Neben 5 Auflagen zu je 25 unterschiedlich gezeichneten Marken, kommen Früh- und Spätmerkmale bei einzelnen Feldern. Was auch oft missverstanden wird, die dort diskutierte Marke kann ja durchaus falsch sein. Damit es für eine Meldung reicht müssen aber nicht 2 von 25 Merkmalen übereinstimmen, sondern 25 von 25 Merkmalen.
Die Moral von der Geschicht? Ich habe den
Sachsenratgeber erweitert und das wird nicht der letzte Stand bleiben. Das hohe Maß an Beliebtheit drückt sich auch dadurch aus, dass man Teile aus dem Ratgeber, frisch geklaut, auf allen möglichen Seiten finden kann. Liebe Inhaltsdiebe, macht wenigstens einen Link zur Quelle auf eure Seiten. Das stimmt mich milde.
Zurück zu der Marke oben. Wer sich mit den Ausgaben Pfennige/Pfennig beschäftigt, weiß dass die Marken einfach so aussehen. Das Zähnungsbild ist völlig normal. Das Standardwerk über die Marken, Jäschke-Lantelme, Pfennige, Pfennig, Krone/Adler, zeigt jede Menge Marken, die noch brutaler nachgezähnt aussehen. Meint jemand ernsthaft, Jäschke-Lantelme würde in seinem Buch nachgezähnte Marken zeigen? Ich habe zufällig einen Teil der Prüfsammlung von Gotwin Zenker, mit Stempeln auf genau diesen Marken. Die Sammlung enthält logischerweise, völlig zufällige Zähnungen, nur abhängig davon, dass ein gut lesbarer Vollstempel auf den Marken ist. Jede dritte Marke zeigt die brutale Zähnung. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass jemand der wirklich dieses Gebiet sammelt, nicht weiß wie die Marken aussehen. Was ich mir noch zur Not vorstellen kann, der Melder hält seine so gezähnten Marken ebenfalls für nachgezähnt.
Nachfolgend der Rückseitenscan der Marke. Frisch geprüft und tiefst signiert R. F. STEUER BPP.
http://www.stampsx.com/forum/attachment.php?id=342&
nachgezähnt-nein-echt-und-einwandfrei-450.jpg
14.05.08, 14:59:52
Juergen Kraft
Hier zwei beliebige Marken aus der Gotwin Zenker Prüfsammlung "Preußenstempel auf Pfennige". Am Anfangsbuchstaben sieht man, ich habe nicht lange gesucht, sondern einfach vorne zugegriffen.
Hier gibt es keine gleichmäßige Lochgröße, keine identischen Zahnbreiten gegenüberliegender Zähne und keine gleichmäßige Ecke. Hat Gotwin die Marken nachgezähnt, damit sie sich besser in der Prüfsammlung machen?
Glückwunsch auch an Briefmarkensammler. Er nahm es leicht und
lag genau richtig. :) Jeder aktuelle BPP Prüfer erkennt jede Nachzähnung. Bei seriösen Anbietern bedeutet auch "Pracht" und "BPP geprüft" immer, dass die Marke als einwandfrei geprüft ist. Bei signierten Marken bedeutet es - ohne Ausnahme - das die
Marke tiefst signiert ist. Leider gibt es kaum seriöse Anbieter.
http://www.stampsx.com/forum/attachment.php?id=343&
alt-reetz-1884-10-12-1-2N-450.jpg
http://www.stampsx.com/forum/attachment.php?id=344&
angerburg-1880-05-23-7-8-450.jpg
14.05.08, 16:57:14
Lars Boettger
Hallo Jürgen,
schlecht gewähltes Beispiel! :D Deine beiden Marken ähneln nämlich nicht der gemeldeten Marke. Zahnlöcher und Zahnspitzen sind in etwa gleich gross - bei der zur Diskussion stehenden Marke sind die Zähnungslöcher deutlich verbreitert, teilweise oval - das ist wiederum ein typisches Bild für nachgezähnte Marken.
Beste Sammlergrüsse!
Lars
14.05.08, 17:49:10
Lumpus2000
O.K. O.K. ... erst lesen, dann denken, dann schreiben.
Wenn ich es richtig gelesen habe, sind die Marken anfänglich in senkrechter Reihenzähnung hergestellt worden ... so macht dann natürlich ein Vergleich linke/rechte Reihe mehr Sinn ;)
Das Bild sieht natürlich nicht so super aus, als wenn ein Profi mit seiner Software spielt ... aber die "hüpfenden" Löcher, springen gleichmäßig nach links und rechts.
Hab ich
das denn richtig verstanden :p
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