28.03.08, 20:28:33
Juergen Kraft
Hallo,
aus aktuellem Anlass will ich versuchen zu erklären, woran man einen Falschstempel ohne Vergleichsmaterial erkennen kann, wenn auf dem Beleg mehr als ein Stempelabschlag zu sehen ist.
Bei einem echten Stempel sieht man auf dem Papier als Abdruck drei wesentliche Spuren. Zum Ersten natürlich die des Metalls des Stempelgerätes, dass die Stempelfarbe ins Papier gedrückt hat und zum zweiten an dessen Kanten Stempelfarbe, als sogenannter Quetschrand, dicker, bzw. dunkler, zu sehen sind. Zu letzt sehen wir auch einen Abdruck der Oberflächenstruktur des Stempelkissens.
Betrachten wir einen echten Stempel, der zweimal auf einem Block 1 von Berlin abgeschlagen wurde.
Unten im Außenkreis sieht man sehr schön beim rechten Abschlag strichförmige Fehlstellen. Das kommt von nicht färbenden, tiefer liegenden Fasern im Stempelkissen. Der linke Abschlag zeigt diese Eigenschaften nicht. Der Stempel wurde vor dem Abschlag an einer besser färbenden Stelle des Stempelkissens eingefärbt. Vergleichen wir noch den Außenkreis oben links bei beiden Abschlägen. Beim linken Abschlag ist er breit, beim rechten Abschlag schmal. Soweit typische Eigenschaften echter Stempel, die nämlich sind: Quetschränder, Fehlstellen, Kleckse und ähnliches, sind bei jedem Abschlag individuell.
Betrachten wir jetzt einen typischen, falschen Stempel mit zwei Abschlägen:
Versuchen wir hier die Unterschiede zu finden. Nehmen wir das Wort "HILFT". Das "L" und das "F" hängen zusammen. Das kann auch beim echten Stempel passieren, wenn ein Dreckfussel mitstempelt. Aber nur einmal. Hier sehen beide Worte gleich aus. Nehmen wir den zugelaufenen linken Stern vor (1) BERLIN. Beide Sterne sind der selbe Klecks. Betrachten wir die Kreise oder die Stege. Egal was, bei beiden Abschlägen sind alle Linien gleich dick oder gleich dünn.
Das gibt es bei echten Anschlägen nicht!
Natürlich stimmt kein einziges Detail des falschen Stempels mit dem Original überein. Das lieblose Klischee wurde mit unretuschierten Quetschrändern belichtet und so ist jedes Detail erst einmal zu breit.
Auf der Suche nach deutlichen Unterschieden zwischen den beiden Abschlägen, die durch das Stempelkissen und die individuellen Verquetschungen hätten vorhanden sein müssen, werden wir nicht fündig.
Der untere Stempel muss in jedem Fall falsch sein!
28.03.08, 20:51:10
Joerg
Vielen Dank für die hilfreichen Tipps!
Noch eine Nachfrage dazu: Ich sehe unterhalb von "BERLIN W 30" auf dem linken Abschlag einen gleichmäßigen Kreis, auf dem rechten Abschlag aber eine Verdickung in Richtung Kreisinneres - wie erklärt sich das?
Jörg
28.03.08, 22:47:40
Juergen Kraft
Der linke Abschlag geht über ein Zahnloch und ist dort nicht zu sehen (weißer Hintergrund) :)
Zusätzlich zeigt auch ein Falschstempel die Struktur des Stempelkissens (soweit bei modernen Stempelkissen vorhanden) oder kann verkantet abgeschlagen werden und es entsteht ein doppeltes Abbild des Außenkreises.
31.03.08, 21:21:05
Juergen Kraft
Hier ein schönes
Beispiel für das "Spiegelbild" des Stempelkissens: