06.09.08, 16:14:31
carolinus
Die ersten Briefmarken des Herzogtums Braunschweig erschienen am 1. Januar 1852. Im Laufe von 17 Jahren wurden 20 Marken in 3 verschiedenen Zeichnungen herausgegeben, bevor am 31. Dezember 1867 sämtliche Marken des Herzogtums infolge des Übergangs in den Norddeutschen Postbezirk ihre Gültigkeit verloren. Sie konnten noch im ersten Quartal des Jahres 1868 von den dortigen Postanstalten umgetauscht oder verrechnet werden.
Die Echtheitsmerkmale der Braunschweigmarken unterscheiden sich nicht in den einzelnen Emissionen, sondern in den Wertstufen.
Damit meine ich, dass alle 1 Silb. Gr. Marken - das sind die MiNrn. 1, 6, 11 und 14 - die gleiche Zeichnung aufweisen. Dasselbe gilt für alle 2 Silb. Gr. - und alle 3 Silb. Gr. Marken.
Die einzelnen Wertstufen unterscheiden sich allerdings in der Zeichnung deutlich voneinander.
Die Marken wurden im Buchdruck hergestellt. Steindruckfälschungen existieren, sind aber recht einfach als solche zu erkennen. Sie weichen in den Echtheitsmerkmalen erheblich ab.
Mehrere wichtige Echtheitsmerkmale kann man unterscheiden:
1. Die Zahl und Anordnung der Steine am Boden
2. Die Zeichnung der Buchstaben in der Landesbezeichnung – besonders aufschlussreich sind oft U und H
3. Die Anzahl und Anordnung der senkrechten Striche im Markenbild
4. Die Mähne des Pferdes
Noch ein weiteres Merkmal: Alle Pferde sind Hengste, i.A. ist das deutlich erkennbar. Bei den verschiedenen Wertstufen unterscheidet sich die Ausprägung dieses Echtheitsmerkmals allerdings auch! ;)
Hier möchte ich mit den 1 Silbergroschenmarken (MiNrn. 1, 6, 11 und 14) beginnen
Braunschweig 1, 6, 11 und 14
Der Druck der Nr. 1 ist – besonders in den späten Bogen – unscharf.
Die ersten Auflagen zeigen dagegen noch recht scharfe Zeichnungen und dürften einen geringen Aufpreis rechtfertgen.
Der Abstand der Marken ist unregelmäßig und die Marken stehen im Bogen oft schief zueinander. Gleichmäßig geschnittene Marken sind relativ selten. Außerdem sind Druckmängel bei diesen ersten drei verausgabten Marken häufig. Das Papier – und das gilt für Braunschweig fast durchgängig – ist von schlechter Qualität.
Die folgenden Merkmale gelten nur für die 1 Silbergroschenmarken.
Die Marken haben ein Format von 21,5 mm x 20,3 mm. Die Maße varieren allerdings besonders in der Breite etwas (besonders bei der Nr. 1). Die Schrift ist etwas mehr als 1 mm hoch.
Im Markenbild befinden sich
40 Schraffierungsstriche, der letzte auf der linken Seite liegt an der Einfassungslinie.
Auf dem Weg liegen
vier Steine. Der dritte von links ist wesentlich größer und liegt auf dem zweiten auf. Der vierte und letzte lehnt sich an den dritten an.
Unter dem großen Stein befindet sich - in der Länge von 2 Schraffierungsstrichen - ein Druckausfall der Bodenlinie (siehe Pfeil in der unterhalb gezeigten Nr. 6).
Die
Mähne ist sägezahnartig und hat
drei durchgehende Striche. Der Bauch des Pferds hat
7 Bauchstriche.
Hier als Beispiel eine Nr. 6
Wenn man sich die Zeichnung dieser Details genau einprägt, ist praktisch jede Fälschung auf den ersten Blick erkennbar.
Auch bei dieser 14 kann man die oben ganannten Merkmale genau nachvollziehen.
Zum Schluss noch eine Fälschung. In allen genannten Details weicht die Zeichnung der Marke deutlich ab.
06.09.08, 17:37:30
Juergen Kraft
Hallo Carolinus,
vielen dank für den wertvollen Beitrag. Da haben wir eine weitere Grundlage für ein schönes Handbuch. Nur für neue Leser möchte ich bemerken, dass Bilder und Texte kein Allgemeingut sind und nicht kopiert oder sonst verwendet werden dürfen. Gerne dürfen aber Links auf die Seiten hier gesetzt werden ohne Fragen zu müssen.
Nachfolgend zwei weitere Fälschungen. Ich habe noch mehr Typen, aber meist wirklich schlechte Fälschungen die ich später noch vorstellen werde.
An Hand der folgenden Bilder kann man schon sehen, wie einfach die Fälschungen zu erkennen sind, wenn man eine schöne Gebrauchsanleitung hat. Links Steindruck-Fälschung Typ I, rechts Steindruckfälschung Typ II.

Rechts die legendäre "Kanonenkugelfälschung", die sehr häufig ist und in fast allen Wertstufen vorkommt.
06.09.08, 19:26:23
carolinus
Hallo Jürgen,
vielen Dank für die Scans.
Von den vier bekannten Steindruckfälschungen vor 1935 sehen wir hier zwei:
Steindruckfälschung Typ I

Hier sind einige Kennzeichen:
1. Viel zu breite Buchstaben in „BRAUNSCHWEIG“ – man vergleiche einmal das „U“ und
das „H“ mit den Buchstaben in den Originalen
2. In derselben Inschrift befindet sich ein Punkt rechts am „I“ von „BRAUNSCHWEIG“
3. Durchgehende innere Einfassungslinie auf der rechten Seite - In den Originalen ist die innere Einfassungslinie rechts vom rechten Oval mit der Wertziffer „1“ immer unterbrochen
4. Stute statt Hengst
5. Durchgehende Bodenlinie
6. Zahl der Bauchlinien
Steindruckfälschung Typ II – „Kanonenkugelfälschung“
Diese Fälschung gibt es nicht nur von den Ein-Silbergroschenmarken sondern von allen Wertstufen.
Auch hier wieder ein paar Kennzeichen:
1. Die "Kanonenkugel"
2. Drei unförmige Steine – ausschließlich rechts von der Mitte
3. Viel zu breites „H“ in „BRAUNSCHWEIG“
4. Wie bei Steindruckfälschung Typ I - Durchgehende innere Einfassungslinie auf der rechten Seite - In den Originalen ist die innere Einfassungslinie rechts vom rechten Oval mit der Wertziffer „1“ immer unterbrochen
5. Zahl und Anordnung der senkrechten Schraffierungsstriche stimmt nicht
6. Hals im unteren Bereich viel zu breit
7. Durchgehende Bodenlinie mit großem, rundem Fleck
Weitere Kanonenkugelfälschungen gibt es hier:
Kanonenkugeln