Sammelgebiet Helgoland

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13.09.08, 22:34:55

Juergen Kraft

Hallo, an dieser Stelle möchte ich das Sammel-Gebiet Helgoland vorzustellen. Helgoland gehört traditionell zu den altdeutschen Sammelgebieten. Während der Markenzeit gehörte Helgoland allerdings zu England. Das war so seit 1814 im "Frieden von Kiel" die Insel England zugesprochen wurde. Davor lag eine wechselvolle Geschichte, die wir hier nicht näher beleuchten wollen. Die Lage Helgolands in der verlängerten Elbmündung brachte traditionelle Verbindungen zu Hamburg hervor und auch nach dem Übergang der Insel an England, blieb die Hamburger Postagentur bestehen. Helgoland wurde erst 9. August 1890, da waren die Krone/Adler Marken modern, wieder deutsch. Helgoland war gegen deutsche Besitzungen in Ostafrika getauscht worden. Die Briefmarken selbst wurden in der königlich preußischen Staatsdruckerei gedruckt und wurden von einem schönen Bild der Königin Viktoria geziert. Zufällig heißt auch meine jüngste Tochter so mit zweitem Vornamen :-) Das Sammelgebiet selbst ist umstritten, die Tatsache, dass fast alles, was wie eine Helgolandmarke aussieht, falsch ist, verunsichert viele Sammler. Händler bieten hemmungslos falsche, ungeprüfte Marken als echt an und außerhalb Deutschlands scheint es völlig unbekannt zu sein, das je Fälschungen hergestellt wurden. Dabei ist alles einfach überschaubar. Etwas Zeit muss man natürlich schon mitbringen. Stempel die auf den Marken vorkommen können, sind deutlich zu unterscheiden. Es sind nicht viele und die Verwendungszeiten sind meist bis auf die Stunde genau bekannt. Die Originalmarken lassen sich von amtlichen Neudrucken, "halbamtlichen" und privaten Neudrucken sowie von Fälschungen leicht unterscheiden. Vergleichsmaterial ist Pflicht, der Farbenführer hilft nicht weiter. Ebenso ist eine UV-Lampe für den Helgolandsammler zwingend erforderlich. Eine gute Stereolupe oder ein Mikroskop und ein guter Scanner können nicht schaden.

Weil ich dafür schon ein paar Bilder fertig habe, will ich mit der 1 1/2 Schilling Marke anfangen. Noch ein Wort zu den Katalognummern. Im heutigen Michel-Katalog gibt es die Nummer 5 nicht. Früher war die heutige Nr. 6 an der Stelle und an Stelle der 6 die heutige 7. Die frühere 7 und 8 heißen heute 8 und 8F. Die heutige Nr. 8 gibt es ja rot/grün farbvertauscht und jede Farbe war einmal eine Nummer. Da nicht zwei Farben geplant waren, ist eine Nummer auch konsequent. Man hätte nur nicht eine Nummer mitten heraus wegfallen lassen müssen.

Helgoland - Katalognummer 10

Original Berliner ND 1875 Berliner ND 1884 Leipziger ND 1888
Aufl. 50.000
Helgoland Nr. 10 Original
Kopftype I
Aufl. 75.000
Berliner Neudruck Mai 1875 - Helgoland Nr. 10
Nur Kopftype II
Auflage 30.000
Berliner Neudruck 1884 - Helgoland Nr. 10
Nur Kopftype II
Auflage ca. 150.000

Nur Kopftype I, wie das Original
hellgrün/
karmin
(*) 40,-
* 75,-
** 140,-
400,-
graugelbgrün/
lilakarmin
(*) 2,50
* 6,50
** 12,-
grün-gelblichgrün/
lilakarmin
(*) 2,50
* 6,50
** 12,-
grau- bis schwarzolivgrün /
trüb-tiefkarmin
(*) 1,-
* 2,-
** 4,-

Hamburger ND A Hamburger ND B Hamburger ND C Hamburger ND D
HamburgerND Type A - dünne Schrift -
Nur Kopftype II

Nur Kopftype I

Nur Kopftype II

Nur Kopftype II
grün- dunkelgrün/
dunkelkarmin
(*) 4,-
* 8,-
** 16,-
dunkelgrün/
karmin
(*) 20,-
* 35,-
** 60,-
hellgrün bis grün/
rotkarmin bis tiefkarmin
(*) 1,-
* 2,-
** 4,-
hellgrün/
tiefkarminrot

(*)

1,-
* 2,-
** 4,-
13.09.08, 23:01:52

Juergen Kraft

Einige Grundkenntnisse und Begriffe will ich hier vorstellen.

In allen Katalogen sind die verschiedenen "Kopftypen" abgebildet. Da meist als Schattenriss, will ich hier die Prägung zeigen, wie sie im Idealfall noch aussehen kann. Zu beachten ist dabei, das jede Prägung jedes Feldes etwas unterschiedlich ist, also auch Feldmerkmale zeigt und das die Prägung besonders bei gewaschenen Marken natürlich nicht immer vollständig intakt ist. Auf schlechten Scans sind oft nur die farbigen Umrisse zu erkennen.

In den meisten Katalog wird nur auf den Zipfel unter dem Haarknoten verwiesen. Wenn der überstempelt ist, hat man aber noch lange nicht Pech gehabt. Auch die anderen Außenformen, besonders die Rundung oben am Kopf, zeigen typische Merkmale an Hand derer man die Typen unterscheiden kann. Von den Marken, die aussehen wie Helgoland Briefmarken, zeigen die meisten den Kopftyp II. Deshalb will ich auch diesen Typ zuerst vorstellen:



13.09.08, 23:32:38

Juergen Kraft

Auf diesem Paar mit Kopftype II sehen wir die wichtigen Details. Am Magenta-Pfeil sieht man die genoppte Kopfoberseite, am gelben Pfeil den Haken, wie an der Hand von Käpten Hook, am türkisen Pfeil die Rundung unten links an der Büste und am blauen Pfeil den nach innen gerundeten Sockel der Büste. Die Marke rechts ist Feld 13 und zeigt die nur dort vorkommende Abart Zierstück im Zwickel oben links nach oben links offen.

Das Paar ist aus einem Bogen Berliner Neudruck der heutigen Michel-Nummer 11, vom 2. 3. 1882. Damit die Prägung besser sichtbar wird habe ich das Bild stark abgedunkelt. Die rote Farbe sieht im Original völlig anders aus und heißt eosinrot. Das Grün ist in etwa getroffen und heißt russischgrün. Eosinrot sieht neonfarben aus. Ich stelle die Farben später noch im direkten Vergleich aller Nr. 11 vor.

14.09.08, 15:27:18

Juergen Kraft

Hier nun zur Helgoland Nr. 16. Die Marke wurde in zwei Auflagen gedruckt. Zwischen den Auflagen liegen sagenhafte 15 Jahre.

Die Portostufe von 6 Pence, bzw. 50 Pfennigen wurde meist für Paketkarten verwendet. Die Helgoländer Fischer verschickten Hummer, in den Paketen, aufs Festland.

Von der Marke gibt es keine privaten Neudrucke. Ein amtliche Neudruck in einer Auflage von nur 200 Stück, ist wertvoller als die Originalmarken.

Die Marke war gültig zwischen dem 8. Februar 1875 und dem 9. August 1890. Die "b" Type wurde erst ab 4. Juni 1890 verkauft. Insgesamt wurden von der gesamten Auflage der "b" Marke (20.000 Stück), während der Gültigkeit nur 3.873 Exemplare verkauft. Eigentlich war es doch eine hohe Zahl, denn am 10. August 1890 ging die Post an Deutschland über und die schönen Marken mit dem Bild der englischen Königin wurden ungültig.

Die Unterscheidung der seit jeher so bezeichneten Typen "a" und "b" ist mit Hilfe der UV-Lampe kinderleicht. Deshalb braucht man auch keine anderen Unterscheidungsmerkmale. Das Rot der "a" Marke quarzt schwärzlich lilapurpur. Das ist eine sehr dunkle Farbe, fast schwarz. Das Rot der "b" Marke leuchtet hellrot.

Die Farbpigmente unterscheiden sich auch deutlich beim Gründruck. Bei der "b" Marke ist der Druck so stark gesprenkelt, dass man die Marke ohne Probleme an einem ausreichend großen schwarz/weiß Scan identifizieren kann.

Für die "b" Auflage wurde eine überarbeitete Medaillonplatte verwendet. Die sogenannte Medaillonplatte II dieser Kopftype II wurde erst im Jahr 1882 unbenutzt an den Händler und Hersteller der vielen Neudrucke, Herrn Goldner aus Hamburg, verkauft. Somit ist kein Original der Helgolandmarken mit der oben genannten Platte gedruckt. Die ersten damit gedruckten Marken waren die Berliner Neudrucke aus dem März 1882.

Die überarbeitete Platte zeigt eine schärfere Prägung. Das ist aber kein hilfreiches Merkmal zur Unterscheidung von 16a und 16b, da es auch flacher geprägte "b" Marken gibt und natürlich die Marken beim Waschen an Prägung verlieren. Zudem gibt es auch recht scharf geprägte Marken der "a" Auflage. Auch die oft senkrecht eingedrungene Farbe vor dem Haarteil hinten, ist kein sicheres Merkmal. Die Farbe muss nicht eingedrungen sein. Nachfolgend zwei Bilder, je von "a" und "b" und ein Bild bei dem eine Marke vertauschte Farben hat und dann die beiden Medaillons übereinander gelegt wurden.

 
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