21.09.08, 12:09:13
Juergen Kraft
Hallo zu einer der legendären Altdeutschlandraritäten
Zur Sachsen Dreier habe ich ja einen Ratgeber geschrieben den ich auch laufend erweitere. Dankbar wäre ich auch für Scans von Marken und Attesten, um mein Bildmaterial der einzelnen Typen zu erweitern. Im Gegenzug bin ich auch gerne bereit, kostenlos nach einem ausreichen großen Scan (2400 DPI) Platte und Feld zu bestimmen, oder zu sagen um welche Fälschung es sich handelt. Soweit das am Scan eben möglich ist, auch an eben verfügbaren Scans.
Ich fange mit dieser Marke nicht nur deshalb den Sachsen-Thread an weil es die Katalognummer 1 ist, sondern weil es einen besonderen Anlass gibt.
Der einzig bekannte Bogen dieser Marke kommt im Oktober 2008 bei David Feldman in der Schweiz als Los 60037 zum Verkauf. Seit etwa 50 Jahren wurde der Bogen nicht mehr gehandelt. Nachfolgend ein Bild dazu im jetzigen Zustand.
Die Beschreibung aus dem Katalog dazu:
Unique 1850 3pfg Complete Unused... GERMAN STATES - SAXONY - Unique 1850 3pfg Complete Unused Sheet of 20 Arranged in four rows of five, the sheet resembles, at first glance, a Bavaria multiple, for the stamp's design, by Leipzig lithographer J.B. Hirschfeld, who modelled it after the "Schwarze Einzer" of the previous year (it was, in fact, the second stamp issue of the German States). The auction catalogue for the Burrus German States stated, "he could not have dreamed that his handiwork would be raised to the pinnacle of philatelic admiration...the famous "Dreier Sachsen" is the pride and joy of German philately." Though nearly 500'000 were printed, the stamp was intended to be used on printed matter, thus only a tiny percentage - mostly used - have survived, and multiples of any kind are extremely scarce. This, the ONLY complete sheet known, owes its survival to its having been pasted to a fire-screen in a castle at Eibenstock on the banks of the Elbe. It was carefully removed in 1871 (though it had suffered some minor blemishes, it was competently restored) and by 1876 was in the holdings of Vienna stamp dealer Siegmund Friedl, a featured attraction of his "Friedl'schen Museum." In 1897, it was sold to Ferrary, whose holdings were seized and auctioned by the French government as "reparations" for German participation in World War One. From those auctions It passed in 1923 into the collection of Maurice Burrus, the Swiss tobacco tycoon. Although Burrus' Saxony was sold at auction in 1964, this sheet had already been sold by Private Treaty to Swiss industrialist Gerold E. Anderegg, and thus did not appear in the auction catalogues of the Burrus collection. After a further sale in 1971, it became the centerpiece of the German States collection of Gerhard W. Schulze, until it was purchased at auction by the present owner in 1999. The catalogue description for this sheet stated, "Das bedeutendste Spitzenstück der deutschen Philatelie und eine der ersten Weltraritäten uberhaupt" (Michel n° 1a) Given the importance of this showpiece to world philately, and its romantic history, it clearly ranked as one of the pre-eminent "crown jewels" of German States and indeed of World philately. Provenance: Ferrary (Sale VI, lot 546) Burrus (sold privately, ca. 1964)
Der Schätzpreis, also ein erwarteter Verkaufspreis, ist mit EUR 600.000,- bis 900.000,- angegeben. Wir dürfen gespannt sein.
07.10.08, 16:25:34
Juergen Kraft
Hallo zu diesem tollen Bogen. Er blieb am Auktionstag unverkauft und steht nun mit 600.000,- (plus Aufgelder) in der Rücklosliste. Der Preis ist nicht für jeden erschwinglich, die Banken sind pleite und wer weiß, wohin der Briefmarkenmarkt tendieren wird.
Ich will noch einen besseren Scan zeigen. Philatelistisch ist das Stück ja nun wirklich eines der Museumsstücke der deutschen Philatelie. Bei dem Bogen fehlen auf gut der Hälfte der Marken "Echtheitsmerkmale". Sicher werden sich noch einige an die Diskussion mit Helgophil erinnern. Er war der festen Überzeugung, wenn das "x" (rechts unten von der großen "3" auf der inneren Linie stehend) fehlt, muss die Marke falsch sein. Wie man hier sehen kann, fehlt das "x" bei etwa 10 Marken, also der Hälfte des Bogens. Hier ist es vermutlich zum großen Teil der Reparatur geschuldet. Der Bogen sah ja nicht immer so gut aus.
21.10.08, 22:42:51
Juergen Kraft
Hallo ganz allgemein zu einer Fälschung der Sachsen Nr. 1. Bilder der Marke wurden mir per Email geschickt. Da nicht jeder im Forum schreiben will, stelle ich das Bild hier zur Verfügung.
Die Fälschung ist aus einer ganzen Reihe von Punkten Interessant.
1. Sie steht nicht im Fritz Billig Handbuch, dürfte also nach 1935 entstanden sein.
2. Der Fälscher hat sich sehr viel Mühe gegeben.
3. Die Marke zeigt alle bekannten Echtheitsmerkmale.
Leider ist die Marke wegen des mangelhaften Hintergrundes sofort als Fälschung zu erkennen. Schade, bei der Mühe, die sich der Fälscher gemacht hat.
Die Marke wurde nach einer echten Platte V, Type 3 angefertigt. Eine Marke die einige deutliche Merkmale hat. Die Fälschung ist im Buchdruck ausgeführt, ein Kunststoffklischee wäre auch noch möglich. Das wichtigste K.O. Kriterium wird also erst einmal erfüllt. Desweiteren ist die Marke auf wirklich rauem Papier gedruckt. Hier hat der Fälscher, wie auch bei anderen Merkmalen der Marke, maßlos übertrieben.
Ich will an Hand der Pfeile erklären, was wir hier sehen.
Die schwarzen Pfeile und Nummern zeigen auf Erkennungsmerkmale der Platte V, Type 3.
1. Die hintere Senkrechte des "N" in SACHSEN unterbrochen
2. Punkt hinter "N" (gibt es bei vielen Typen)
3. Lücke oben in der Linie
4. Weißer Punkt im Zipfel des "F"
5. Farbbrücke unter dem "D" von DREI
6. Zwei Farbbrücken zwischen den Außenlinien über R und E
7. Farbbrücke unterhalb de E zwischen den Linien
8. Nase oben rechts am Rosetten-Kasten oben links
Die grünen und blauen Pfeile zeigen auf Merkmale die abweichen und beim Original nicht vorkommen
1. Linie um den Kasten mit der großen Wertziffer über dem "P" unterbrochen
2. Rücken des "E" eingebeult
3. Erstes "N" in Pfennige oben mit weißem Punkt
4. Die Spatie (Abstandsmetall zwischen den Marken) geht beim Original bis zur Rosette unten
5. Hintergrundeinfassung oben rechts beschädigt
6. Das auffälligste Merkmal, der Bogen unten im zweiten "S" von Sachsen ist zu eng.
7. Die hintere Senkrechte des "N" in Franco ist zu hoch
8. Der Rücken der großen Drei geht nahtlos in den Hintergrund über
Insgesamt ist der Hintergrund mangelhaft gezeichnet, alle Buchstaben sind zu dünn. Die Serifen sind meist stark gekrümmt, beim Original fast immer gerade.
28.10.08, 16:13:48
Juergen Kraft
Hallo,
gegen den schönen Bogen gibt es keinen Einwand. Die im Beitrag danach vorgestellte Marke hat mit dem Bogen nichts zu tun.