05.10.08, 14:59:27
Juergen Kraft
Hallo zum "Angler-Latein" für Briefmarkensammler. Ohne die Wertung, dass der nächste Beitrag zu dem Thema der lustigste sein könnte, will ich einfach mit dem Thema "Hochgeschwindigkeitsfräsen" aus aktuellem Anlass beginnen.
Als Vorwort will ich noch die lustigsten Geschichten aus der letzten Zeit erwähnen, die mir noch im Kopf geblieben sind.
Da war zum Beispiel:
das Erkennen einer falschen Gummierung. Ein Moderator des philaforums schwadronierte, wenn man eine Briefmarke in die hohle Hand legt, dann wölbt sich die Marke bei falschem Gummi diagonal. :D
Gleich zwei Moderatoren des schon genannten, nach eigener Sicht, dem "in Deutschlands führendem Forum für Philatelie", haben sich dann über die Stockfleckenentfernung ausgelassen. Der beste Tipp war zur Entfernung Terpentin einzusetzen. :D
Immer wieder liest man auch davon, dass man abschließend und "naturwissenschaftlich/technisch" die Echtheit von Marke oder Stempel, nur durch Verbrennen derselben feststellen könnte. :D
Na super! Ich habe zwar weder das Ungeheuer von Loch Ness selbst gesehen und auch nicht den Yeti, aber ich kenne welche, die glauben das sie welche kennen die von einem gehört haben ... Jetzt habe ich doch den Faden verloren.
Es gibt auch noch viel mehr lustige Stories dieser Art und diese hier vorzustellen ist der Zweck dieses Themas.
05.10.08, 16:17:55
Juergen Kraft
"Hochgeschwindigkeitsfräsen erlauben die einfache Herstellung extrem gefährlicher Falschstempel" soll die These sein, die es hier und heute zu beleuchten gilt.
Das Thema gehört in die Abteilung "Unwissenheit macht Angst". Angst ist oft ein Motiv, paranoid anmutende Vorstellungen zu entwickeln. In Foren aller Art finden sich so motivierte Beiträge.
In fast jedem Briefmarkenforum finden sich Beiträge ernsthafter Schreiber, die vorbringen man könne Stempel nicht wirklich prüfen. Im BDPH Forum wurde nun die These aufgestellt, mittels moderner Technik könnte man heute bessere Falschstempel herstellen, als es früher möglich war. Die Behauptung soll unterschwellig die These transportieren, dass Stempelprüfungen nicht wirklich möglich wären. Das wird auch noch weiter ausgemalt. Doch der Reihe nach.
Zunächst wird ein steinalter Spruch aus dem Anglerlatein für Briefmarkensammler zum Besten gegeben (03.10.2008, 10:17). Der lautet:
Ein Bergedorf-Prüfer habe gesagt:
"Wir unterscheiden nicht zwischen "echt" und "falsch", sondern zwischen nachweisbaren und nicht nachweisbaren Fälschungen".
Das der Satz irgendwann so gesagt wurde, kann schon sein. Dann war er aber als Verhöhnung des Gesprächspartners gedacht, der vielleicht den Prüfer nervte. Das kann man nicht nur daran sehen, dass der angebliche Urheber nie genannt wird (OH! streng Geheim!), der Satz ist in sich schwachsinnig. Er würde nämlich bedeuten, dass es gar keine Originale gäbe. Das ist aber, auch ohne spezielle Beweisführung, als Schwachsinn zu erkennen.
Die Prüfung von Strichstempeln ist sicher eine besondere Herausforderung und wirkt auf den Laien leicht unmöglich. Andererseits sind die Prüfmethoden gleich und warum soll an Geraden das Prüfen prinzipiell schwieriger sein als an kurvigen Objekten? Zumal die Striche auch nicht wirklich ganz gerade sind.
Um 16:48 wird dann die Katze aus dem Sack gelassen. Zur Einleitung gibt es die immer wieder gerne vorgebrachten Zweifel daran, dass man überhaupt prüfen könne. Für den Geschmack des Verfassers gäbe es zu viele "Experten", die von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt wären und die Kategorien "ECHT" bzw. "FALSCH" für immer eindeutig bestimmbar hielten.
Gut, diese unsachliche Kritik sind Prüfer gewöhnt ... und jetzt rollt langsam die Hochgeschwindigkeitsfräse an ...
Die Sammler würden sich daran gewöhnen müssen, dass nicht zuletzt durch neue technische Reproduktionsmöglichkeiten die Erkennbarkeit von Fälschungen wie Falschstempeln an wirtschaftliche und technische Grenzen stoßen würde.
Oops, da fragt man sich schon, ob man irgend etwas nicht mitbekommen hat.
Am 4. 10. 19:07 wird dann nachgelegt.
Es wird geschrieben, nur technische "Laien" könnten bestreiten (gemeint damit bin ich), dass die Genauigkeit, mit der moderne Hochgeschwindigkeitsfräsmaschinen arbeiteten, ausreichen würde, um Stempelwerkzeuge herzustellen, die Abschläge liefern würden, mit vom Original messtechnisch nicht mehr unterscheidbarer Übereinstimmung. Dazu kommt noch der Hinweis, die Konturen von Stempelabschlägen auf Papier würden schon alleine durch Luftfeuchtigkeitsunterschiede mehr, als die maschinellen Bearbeitungstoleranzen ausmachen.
Der Schreiber weiß nicht wovon er schreibt und merkt es nicht, weil er es eben nicht weiß.
Das Ganze gipfelt dann in der Behauptung, vom 5. 10. 01:12, selbstverständlich ließe sich nicht die Kontur jedes Stempelabschlags dreidimensional optisch vermessen,
bei guten Abschlägen wäre das aber mit Sicherheit möglich.
Es folgen dann um 08:10 eine ganze Reihe weiterer Behauptungen wie,
man würde also eine Vorlage abtasten, was mechanisch oder optisch, beispielsweise mittels Lasers, geschehen könne. Letzteres ist auch bei lediglich zweidimensionalen Vorlagen möglich. Die so gewonnenen Daten würden anschließend bearbeitet werden. Solle beispielsweise ein fehlerhaftes Werkstück ersetzt werden, ergänzte man im Datensatz die Fehlstellen. Solle mit Hilfe einer Matrize der (fehlende) zugehörige Stempel erzeugt werden, ließe sich das mit Hilfe passender Programme entsprechend umrechnen. Einer solchen Matrize entspräche ein (guter) Stempelabschlag. Ähnlich wie beim Buchdruck ließe sich (bei Schräglicht oder eben durch Laser-"abtastung")eine vom Stempelwerkzeug herrührende leichte Vertiefung im Papier erkennen. Minimale Höhenunterschiede im Original-Stempelwerkzeug ließen sich so meßtechnisch übertragen. Die Meßgenauigkeit jedenfalls würde dazu ausreichen. Bei der Nachbearbeitung (im Programm) wäre es möglich, Verschmutzungsfehler etc. auszugleichen. In Bezug auf das zu erzeugende Stempelwerkzeug käme es darauf an, daß sich dessen Abschläge nicht von denen des Originals unterscheiden lassen. Deren Deckungsgleichheit ließe sich ebenfalls meßtechnisch überprüfen. Etwaige Abweichungen korrigierte ein gutes Programm "auf Knopfdruck".
Ein riesiger Wortschwall ohne Sinn. Der Verweis auf Vertiefungen im Papier, an denen man die dreidimensionale Form abnehmen könnte ist verwegen. Dazu müsste der Stempel absolut plan auf das Papier abgeschlagen worden sein, das Papier dick genug, eine Unterlage weich genug gewesen sein. Dann dürfte man davon nur die Wölbungen vermessen, nicht den farbigen Abdruck.
Der wesentliche Punkt wird völlig ignoriert. Der Stempel ist ein Werkzeug mit dessen Hilfe Farbe auf Papier gebracht wird. Vergleichbar ist der Vorgang durchaus mit einem Hammer als Werkzeug der einen Nagel in Holz treibt oder einem Reifenabdruck im Schnee. Jedem ist klar, dass man aus dem Nagel oder dem Reifenabdruck nicht den Hammer oder den Reifen herstellen kann.
Ich kann natürlich mit den erwähnten Maschinen Werkzeugkopien herstellen. Dafür gibt es die Maschinen. Dafür brauche ich aber ein Original als Vorlage, also nicht einen Abdruck vom Werkzeug sondern das Werkzeug selbst oder auch einen Abguss des Werkzeuges. Eine Anwendung die jeder kennt, ist eine Zahnkrone. Der Zahnarzt nimmt mit einer schnell aushärtenden Masse einen Gebissabdruck. Dieser wird ausgegossen und steht, als dreidimensionale Kopie beim Zahnarzt auf dem Tisch. Die Krone steckt auch schon passend darauf und passt auch meist direkt in den Mund. Würde ich also einen Stempel in die Masse drücken und den Abdruck ausgießen, hätte ich wirklich eine gute Vorlage für einen gefährlichen Falschstempel. Dazu brauche ich aber den Stempel selbst oder die draus gewonnenen Daten, die ich in der Tat Nachbearbeiten könnte.
Damit die Sache nicht so abstrakt behandelt werden muss, ein einfaches Beispiel aus der Praxis. Auf nachfolgendem Briefstück sind zwei Abschläge des selben Stempelgerätes, sicher direkt hintereinander abgeschlagen, zu sehen. Ich werde unter dem Bild erklären, was hier zu sehen ist:
Zunächst einmal sehen wir, das der Stempel völlig verdreckt ist. In allen Ecken und Kanten sitzen Klumpen von Dreck, die mitstempeln. Der Unterschied zwischen mitklischiertem Quetschrand und originalem Dreck ist nicht immer einfach zu erkennen. Prinzipiell sind Quetschränder heller bis farbfrei, mitstempelnder Dreck ist immer noch gut durchgefärbt, auch wenn sich außerhalb des Dreckbatzens noch ein dunklerer Farbsaum bildet.
Oben im Außenkreis, mit Pfeilen markiert, sieht man etwas, dass aussieht wie der Abschlag eines sehr dünnen Metallsplitters. Was es ist und wo es herrührt, will ich etwas später hinzufügen. Eventuell hat ja jemand eine Idee und möchte sie schon einmal vorstellen.
Weshalb ich das Bild eigentlich gezeigt habe, ich will die Frage stellen, welchen Abschlag soll die Fräse denn zur Vorlage nehmen? Was soll mit den hellen Stellen in inneren Bereichen des Stempels geschehen? Soll die Fräse dort ausfräsen, um nicht mitstempeln zu lassen? Wenn man sich ein paar einfache Fragen stellt und Antworten sucht, wird klar, wie absurd die Fräsentheorie ist.