07.10.08, 02:54:52
Juergen Kraft
Hallo zum Thema Prüfungen,
immer wieder wird befürchtet man könne gar nicht wirklich Prüfen. Deshalb hier eine wahre Geschichte unter der Überschrift "Prüfungen unter dem Strich richtig" Oder: Warum man Briefmarken vor der Prüfung waschen sollte.
Kommen wir zu Herrn Jakubek und Dr. Mozek, als BPP Bergedorfprüfer. Mir ist keine Fehlprüfung von einem der beiden bekannt. Trotzdem war ich in einem konkreten Fall unzufrieden. Es ging um eine 3 Sch. blau auf rosa, gestempelt. Die Marke war wohl kurz nach dem Verwenden, also gut vor 1900, in einen Kleistertopf gefallen. Die gesamte Marke war mit Gummi Arabicum überzogen. Offenbar aus Ehrfurcht vor der seltenen Marke, wurde diese, immer noch so bekleckert, im Jahr 1992 zur Prüfung gegeben. Jakubek als BPP Prüfer bescheinigt die Echtheit von Marke und Stempel und erwähnt auch keine Mängel, außer das in die Marke eine "Chemikalie" eingedrungen sein sollte. Ich bin jeweils nach dem Attestfoto und nach der Originalmarke (vor dem Wässern), davon ausgegangen, dass die Marke mit viel Fett in Berührung gekommen war. Das wäre aber nicht nach zwei Sekunden spurlos verschwunden gewesen.
Ich bekam diese Marke in dem unansehnlichen Zustand. Falls mir jemand eine gute Marke zur Beurteilungen vorlegen möchte, meine erste Bedingung ist, ungewaschene Marke werden auf Risiko des Einsenders von mir fachgerecht gewaschen. Falls also Marken kommen, halte ich immer ein Schälchen lauwarmes Wasser bereit.
Mich hat natürlich auch interessiert, was denn nun für eine geheimnisvolle Chemikalie eingedrungen sein könnte. Ich hatte die Kamera bereit gelegt um die Sache zu dokumentieren und einfach einmal die Marke ins warme Wasser getaucht. Nach ein paar Sekunden wollte ich sehen, wie das Wasser abperlt und holte die Marke aus dem Wasser. Da perlte aber nichts. Die Marke sah völlig normal aus und von Verunreinigung war keine Spur. Ich habe dann die Marke, einfach weil ich es immer so mache, in kaltem Wasser nochmals ausgespült und dann getrocknet. Vor mir lag nun die schönste Bergedorf Nr. 4 gestempelt, die ich bisher in Händen hielt. Voll- breitrandig, außerordentlich farbfrisch und fehlerfrei. Zudem noch ungewöhnlich sauber und glasklar gestempelt.
Was ich einfach schade finde, Herr Jakubek hätte die Marke ja einfach waschen können. Sicher hätte das der Einsender auch extra honoriert. Ich nehme jedenfalls 50 Cents pro Marke.
Das war natürlich noch kein richtiger Grund unzufrieden zu sein. Die Marke ging jedenfalls später zu Dr. Mozek als BPP Prüfer, der nun zwei bis drei schwere Mängel attestierte, die zum Verlust von mehr als 500,- Euro führten.
Letztlich dem Attest von Jakubek folgend, die Marke wäre mit einer Chemikalie verunreinigt, schrieb er ins Attest, die Marke wäre nun chemisch gereinigt. Nun ist Wasser natürlich eine Chemikalie, aber eigentlich als Reinigungsmittel für Briefmarken anerkannt. Desweiteren wurde dem Einsender eine Tatsache erwähnt, die man auch nicht hätte extra erwähnen müssen. Während der Herstellung des Papier, ist wohl ein wasserunlösliches Stück Material mit ins Papier verarbeitet worden, dass wohl beim Bedrucken wieder abgefallen ist. Im Attest stand etwas von "abgefallenem Sandkorn". Man kann natürlich auch die Richtung jeder einzelnen Faser kommentieren, aber ich glaube es ist nicht wirklich nötig. Die Marke hatte keine helle Stelle sondern lediglich unter dem Mikroskop die Fasern in anderer Form gezeigt, die einst das Sandkorn umhüllten. Auch im Benzintest gab es an der Stelle eine Reaktion, da eben die Fasern dort anders verdichtet waren. Damit nicht genug an belanglosen Eigenschaften, die negativ klingen, bzw. gar nicht vorhanden waren (die angebliche chemische Reinigung). Die Stempelfarbe wurde als unter der Quarzlampe abweichend bezeichnet. Mich wundert es nicht, dass Stempelfarbe, die 100 Jahre versiegelt und vom Sauerstoff ferngehalten wurde, anders quarzt, als Stempelfarbe die nun seit weit über 100 Jahren der Zersetzung durch Sauerstoff ausgesetzt ist.
Ich bin mir ziemlich sicher, das auch Dr. Mozek noch keine so gut erhaltene Stempelfarbe auf einer Marke gesehen hat.
Auf dem Attest Jakubek ist der alte Zustand der Marke einigermaßen zu erkennen und der Eindruck den die Marke machte, gut beschrieben. Die Marke sah aus, wie lackiert. Um Lack zu entfernen, hätte man das gesamte Druckbild zerstören müssen. Macht ein lustiges Experiment. Ein billiger Neudruck, etwas Nitroverdünnung und ein sauberes Blatt Papier reichen aus. Ihr könnt auch erst mit einer Illustrierten testen. Da ist die Farbe frischer und es wirkt viel besser. Nehmt ein buntes Bild, legt das Blatt darauf und reibt das weiße Blatt Papier von oben mit Nitroverdünnung ein. Nach ein etwa 15 Sekunden (je nach frische des Drucks) könnt ihr das Blatt abnehmen. Ihr habt dann einen schönen "Umdruck" von der Illustrierten angefertigt. Man kann alternativ auch Abbeizer nehmen und schauen, was nach einer Behandlung von der Briefmarke übrig bleibt. Sicher nichts in der Frische der oben gezeigten Marke.
Zurück zum Stempel. Die Bemerkung über die angeblich untypische Stempelfarbe löst doch sofort den Verdacht aus, der Stempel könnte auch falsch sein. Dr. Mozek hat das zwar nicht gedacht, sonst hätte er ja nicht "Stempel echt" bestätigt, aber das die Vergleichsstücke eigentlich die vergammelten Exemplare sind hätte man ja auch erwähnen können. Das Positive, die unbekannte Frische, liest sich nun negativ. In Verbindung mit dem Sandkorn und der chemischen Reinigung (dem Auftraggeber gegenüber erwähnt), wird aus dem tatsächlichen Ausnahmestück eine Gurke II. Wahl. Die Angaben oben standen auf einem kleinen Zettel (ich habe auch einen Scan davon). Im Attest stand dann das folgende:
Die Marke sieht auch noch heute so aus, wie auf meinem Scan oben. Das blaustichige Bild klebt nur auf dem Attest.
Schwamm drüber. Wasser ist eine Chemikalie, das Korn war da und der Stempel quarzt anders. Also fast alles korrekt, was im Attest steht. Lediglich hat nicht Wasser den Stempel so frisch gehalten, sondern Kleister. Die ganze Sache darf auch nicht überbewertet werden. Ich habe auch noch nie so eine Marke gesehen. So ein Stück ist im Plan nicht vorgesen :)