Nachfolgend einige Originale von verschiedenen Platten und Feldern. Insgesamt wurde von sechs verschiedenen Platten gedruckt. Im Bogen waren jeweils 20 Marken. Das gibt alleine 120 Feldmerkmale. Dazu kommen noch drei Farben. Zusätzlich gibt es Merkmale von Früh- und Spätdrucken einer Platte.
Um Fälschungen besser erkennen zu können, sollte man wissen, wie die Marke hergestellt wurde. Da sie nur als Provisorium gedacht war, wurde keine besondere Liebe auf die Herstellung verwendet. Der Ursprung aller Marken ist ein Holzschnitt. Das mutet etwas nach Steinzeit an und ist ein ziemlich archaisches Verfahren. Von dem Holzschnitt wurde nicht direkt gedruckt, sondern damit wurde Gips eingedrückt. Der Gips wurde nach dem Erhärten mit Schriftmetall ausgegossen. Um einen Bogen mit 20 Marken zusammenstellen zu können, mussten zwanzig solcher Abgüsse gemacht werden. Durch verschiedene Abdrücke im Gips und durch unterschiedlich schnelles Erkalten des Metalls, sieht die Oberfläche jeder Marke die später vom Metall gedruckt wurde, anders aus. Daher rühren auch Größenunterschiede von mehr als einem Millimeter.
Originale
Die nachfolgend genannten Echtheitsmerkmale gelten für die meisten Stücke, aber eben nicht für alle. Es gibt echte Marken denen fehlt ein Echtheitsmerkmal und falsche Marken, die alle Echtheitsmerkmale in der Zeichnung aufweisen. In der Terminologie der Sachsenspezialisten werden die Platten mit römischen Zahlen nummeriert und die Felder als "Typen" bezeichnet. Möglicherweise gibt es im Bogen auch ähnliche Marken, die man dann als Type benennen kann.
Zu den Bildern oben, von links nach rechts.
1. Marke von Platte 3 Feld 1, wohl ein früher Druck,
in allen Rosetten ist etwas mehr zu sehen als üblich. Insbesondere die Rosette (Kreis mit vier Strichen, wie bei einem Kompass)
rechts unten, die ja normalerweise rechts keine Spitzen zeigt, also nur kurze Stummel statt Strichen nach rechts, hat hier
vier lange Striche. Platte 5, Feld 12 zeigt ebenfalls die langen Zipfel.
2. Die zweite Marke ist ebenfalls Platte 2, nur ein Feld weiter, nämlich Feld 2
3. Daneben noch Feld 5 von dieser Platte
4. Die Unterbrechnung der Innenlinie oberhalb von "RE" von DREI ist zumindest nicht zu sehen. Bei dieser individuellen
Marke hing wohl ein mitdruckender Fussel in der Lücke.
Betrachten wir weitere "Problemfälle", also verdächtig aussehende Marken die aber echt sind! Weitere Originale
1. Bei der linken Marke oben ist das "X" nur zur Hälfte sichtbar, also nur ein Schrägstrich.
Trotzdem ist die Marke echt. (Platte 1, Feld 19)
2. Die zweite Marke sieht der Speratifälschung ähnlich. Der Grund wird sicher darin liegen, dass Sperati eine ähnliche Marke
zum Vorbild der Fälschung nahm. Sperati war ein Genie. Er hätte nie eine falsche Marke als Vorlage genommen.
3. Die dünne Außenlinie kann individuell vorkommen. Hier ist sie sogar teilweise unterbrochen. Gerade im Bereich
der Außenlinie kann es natürlich auch zu Reparaturstellen und Nachmalungen kommen.
4. Hier eine weitere Marke mit langen Spitzen rechts an der Rosette im Kasten unten rechts.
Sicherheit gibt nur die Prüfung am Original durch den Fachmann.
Dieser Ratgeber soll helfen einfache Fälschungen am Scan erkennen zu können.
Er kann auch hilfreich sein, eine Marke als möglicherweise echt zu erkennen.
Hilfreich ist die Tatsache, dass die meisten Fälschungen nicht im Buchdruck hergestellt sind.
Kein Buchdruck? Immer falsch!
Fehlen mehr als zwei Echtheitsmerkmale, kann man auch schon ziemlich sicher von
einer Fälschung ausgehen.
Betrachten wir verschiedene, bekannte Fälschungen.
FALSCH!
Hirschfeld Fälschung
In der Druckerei Hirschfeld wurden auch die echten Marken gedruckt. Die Fälschung ist nicht sehr gut gelungen. Der Druck sieht verwaschen aus. Umrandung und Rosetten sind den Originalen jedoch sehr ähnlich.
FALSCH!
Fournier Fälschung
Das Papier ist zu dick und zu gelblich, der Bereich um die Ziffer ist zu grob gezeichnet. Fournier hat für diese Fälschung möglicherweise kein Original zur Verfügung gehabt, sondern eine Schrödersche Lichtdruckfälschung. Dafür sprächen die Rosetten und die Schrift im Allgemeinen.
FALSCH!
Schrödersche Lichtdruckfälschung
Die Senkrechte vorne, am mittleren Querstrich im "F" von Franco, hängt lang und fein nach unten. Im Original ist diese Linie kurz und gedrungen
Ein zusätzliches Merkmal ist in der Rosette oben links. Der Bogen rechts oben, ist zu lang unt berührt unten die Außenkante der Rosette.
Das ist auch bei der Fournier so der Fall.
Die Lichtdruckfälschung ist am Original einfach zu erkennen. Das Papier des Originals ist rauh und minimal gelblich, der Druck scheint zur
Rückseite hin durch. Das Papier der Fälschung ist dick, glatt, nicht durchscheinend und hat einen minimal bläulichen Schimmer.
Die Markenfarbe tendiert eher zu kirchrot als zu ziegelrot.
Wie bei jeder Fälschung weicht alles ab. Der Fälscher hatte weder Original Druckstöcke, noch originales Papier noch originale Druckfarbe.
Bei dieser Fälschung ist, wie so oft bei Fälschungen, auch das Druckverfahren selbst unterschiedlich.
Das im Buchdruck hergestellte Original zeigt die typischen Eigenheiten des Buchdrucks. Das sind Farbquetschränder und das ist
der sprichwörtliche "Eindruck" des Schriftmetalls in das Papier.
Diesen Eindruck kann man am Besten gewinnen, indem man die Marke sehr schräg gegen eine Lichtquelle hält.
FALSCH!
Goldner Fälschung
Die Umrandungslinien sind zu dünn, die Bögen in den Rosetten fehlen völlig. Die Marke sieht jedoch oberflächlich sehr gut aus. Der gut gelungene Falschstempel trägt zum guten Gesamteindruck bei.
FALSCH!
Speratifälschung
Alle gezeigten Fälschungen haben auch einen Wert. Die Beste ist die
Speratifälschung. Zu den wichtigen Kennzeichen dieser Fälschung gehört das
"I" in "DREI". Die Serife ist oben links abgebrochen. Das ist selbst auf
dem 200 Pixelbild zu sehen.
Von der beliebten Marke hat Sperati zahlreiche verschiedene Fälschungen angefertig.
Hier im Bild ist mit "Reproduction A" benannte Marke zu sehen. Sperati hat diese Fälschung nach einem Original
von Feld 20 (aus der Bogenecke unten rechts) einer Platte V angefertigt. Ein Merkmal dieses Feldes ist ein Punkt über
dem hinteren "E" von PFENNIGE. Ein Merkmal der Sperati Sachsen 1850 "Reproduction A" ist das "S" von Sachsen. Die obere Serife
berührt die darunter liegende Mitte des "S". Die hier nicht abgebildete "Reproduction B" ahmt ebenfalls eine Bogenecke nach.
Es handelt sich da um Feld 20 von Platte IV. Sperati sammelte wohl echte Bogenecken "unten rechts".
FALSCH!
Detail einer weiteren, klassische Fälschung
Hier das Merkmal "zu lange Spitzen am Stern rechts in der Rosette unten rechts". Hier ist auch die äußere Umrandungslinie zu dünn und das "X" im Hintergrund über dem "CO" fehlt.
FALSCH!
Moderne Fälschung
Bogenfälschung, die versucht die Feldmerkmale zu übernehmen. Dieses Stück ist rückseitig mit "Replik" gekennzeichent. Zu dünne Linien. Alle Buchstaben und Striche sehen völlig verbeult aus. Die bogenförmigen Striche in den Rosetten sind zu eckigen Klammern mutiert. Erbärmlicher Schund, ohne Wert! An der Marke kann man die Theorie bestätigt finden, dass Fälscher aus Informationen lernen. Die Marke zeigt praktisch alle ganz oben, beim Original, genannten Echtheitsmerkmale. Andererseits zeigt die Marke auch deutlich, dass die gesamte Ausführung erheblich primitiver geworden ist. Trotz aller Echtheitsmerkmale sieht die Marke, schon auf den ersten Blick, falsch aus.
Hier eine Fälschung im Einsatz auf Brief.

Noch ein Exemplar aus der Fliesbandproduktion.

FALSCH!
Moderne Fälschung
Neben den klassischen Fälschungen gibt es unzählige moderne Fälschungen. Eine häufige Fälschung aus der Zeit um 1980 ist die obige Marke. Diese Stücke haben keinen Wert.
Ich selbst habe schon bei Ebay Sachsendreier erstanden, die in Wahrheit Ausschnitte aus Auktionskatalogen (die sehen immer echt aus) waren oder auf dem Computerdrucker "hergestellt" wurden.
Bei Marken in dieser Preislage sind echte Marken immer geprüft. Bei einer Sachsen Nr. 1, gibt es auch immer ein Attest.
Die zweithäufigste Sachsenfälschung will ich auch noch kurz vorstellen. Es ist die 10 Ngr. blau. Originale sind im Stichtiefdruck hergestellt, die alten Fälschungen im Lichtdruck, neuere Fälschungen meist im Offsettdruck.
FALSCH
mit falschem Stempel!
ECHT!
Der Stichtiefdruck hinterlässt immer eine Tönung in Markenfarbe auf dem Papier. Die Druckfarbe steht erhaben auf dem Papier. Das gesamte Bild ist detailreicher und wirkt gegenüber der Fälschung regelrecht dreidimensional.
Hier noch zwei ältere Ganzfälschungen
FALSCH
mit falschem Stempel!