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Otjikururume

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Postfrische Marken sind juristisch Postwertzeichen. Sie stellen eine vorausbezahlte Quittung für eine in Zukunft zu erbringende Leistung dar. Es gibt keinerlei Rechtsgrundlage für einen Vertragsbruch. Das war schon bei der Entwertung aller D-Mark-Postwertzeichen juristisch fragwürdig. Da D-Mark-Geldscheine noch immer anstandslos umgetauscht werden, sollten auch die so erworbenen Postwertzeichen, für die eine Gegenleistung durch die DP AG noch zu erbringen ist, umgetauscht werden können. Das täte auch dem Sammelgebiet Deutschland sehr gut.

Ansonsten gilt: Abo kündigen schadet gar nichts. Man kann auch mal ein Sammelgebiet abschließen. Wertsteigerungen sind keine mehr zu erwarten. Das Überangebot wird noch 100 Jahre bestehen.
11.04.21, 15:20:51

olli0816

(Mitglied)

geändert von: olli0816 - 11.04.21, 15:48:16

Hallo,
man muss die Sache ganz realistisch sehen. Briefmarken haben für die Post schon seit Jahren keine große Relevanz mehr und die restliche Relevanz ist stetig abnehmend.

Die Welt verändert sich und man muss hinnehmen, dass so manches, was früher ganz selbstverständlich war, irgendwann einmal sterben muss. Alles ist vergänglich, nicht nur wir, sondern jedes Unternehmen, jede Technologie und jede Sache die uns umgibt. Als ich mit Briefmarken angefangen habe (irgendwann um 1978), hat damals kein Mensch daran gedacht, dass diese verschwinden. Es gab ggü. heute keinerlei wirklich nennenswerte Computertechnologie und "Mail" haben nur einige 10.000 gekannt und die meisten auch nur theoretisch.

Die Post geht mit der Zeit und Briefe werden in absehbarer Zeit keine Rolle mehr spielen. Pakete dagegen schon, weil gerade die neuen Technologien diese befördern. Ich sehe es beruflich bei mir, wo noch "alte Technologien" gerade so als Cash-Cow weidlich zum Geld verdienen ausgenutzt werden, aber nichts mehr investiert wird. Kostet nur Geld und stirbt sowieso. Und so ein Produkt ist zum einen der Brief und zum anderen die Briefmarke. Technisch gesehen heute zu 98% überflüssig mit Tendenz zu 100%. Junge Menschen trauern dem i.d.R. nicht nach, weil sie keine großartigen Briefe verschicken und es auch gar nicht einsehen für etwas, was man über eine Plattform für 0 EURO mit viel mehr Möglichkeiten (Videos, Fotos, Anhänge etc.) und schneller Antwortzeit versenden kann, was ansonsten für 0,80 EURO einen Tag dauert.

Die Post ist sicher kein ideales Unternehmen und gewinnorientiert. Aber die Werbung zeigt lediglich, dass sich die Welt weiter dreht. Und alte Gewinne (Verkauf von vielen Briefmarken an Sammler) sich durch immer weniger Sammler nicht weiter führen lässt. Warum gibt es sonst z.B. in anderen Ländern wie z.B. Rumänien, Frankreich oder Türkei inzwischen Blockausgaben mit wenigen 1.000 oder gar 100 Stück Auflage? Zum einen künstliche Verknappung, zum anderen eine immer geringere Nachfrage. Und postalisch braucht die deutsche Bevölkerung sicherlich keine 50 neuen Briefmarken im Jahr. Aber durch die Anzahl mit den 50 Ausgaben ist daraus noch ein gewisser Gewinn erzielbar. Mit 10 oder gar 5 Ausgaben nicht mehr, weil im normalen Postverkehr Briefmarken inzwischen eher stören als der Post Freude bringen.

Ich bin u.a. für ein Unternehmen unterwegs, dass viele Dinge der Zukunft entwickelt. Da bekomme ich mit, was weltweit angesagt ist. Deutschland ist zwar wirtschaftlich noch stark, aber technologisch passieren die interessanten Dinge zumeist in Asien und Nordamerika. Wir bekommen so viele neue Sachen in den nächsten Jahren, dass es immer schwieriger ist, dem zu folgen. Obwohl ich technikaffin bin, ist einiges dabei, was mich mit meinen 54 Jahren durchaus überfordert. Dort steht aber auf keiner Roadmap irgend etwas von Briefverteilmaschinen, automatischen Stempelmaschinen oder die ultimative Briefmarkendruckerpresse. Das Leben geht weiter und bleiben wird mit den Briefmarken eine Zeit, die nicht mehr wiederkehrt. Das ist wir mit den Pferdekutschen oder den Gladiatoren mit Dreizack und Netz. Hatte seine Zeit, aber jetzt gibt es was neueres. Wie die Engländer so schön sagen: Next!

Also lohnt sich die Aufregung über die Post nicht. Sie ist sicher geldgierig, aber der Hauptgrund ist, dass sie mit der Zeit gehen. Würde sie das nicht, könnten wir in absehbarer Zeit ihre Dienstleistungen überhaupt nicht mehr nutzen. Ob das besser ist, wage ich zu bezweifeln.

Einen schönen Sonntag
Oliver
11.04.21, 15:44:25

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo Gunther,

die neuen Frankierungsmöglichkeiten verdrängen die Briefmarke selbstverständlich nun auch immer mehr aus der Korrespondenz von Privatleuten oder kleinen Firmen. Aber die Zeiten, in denen der Großteil der durch die Post beförderten Tageskorrespondenz mit Briefmarken frankiert war, sind schon seit Jahrzehnten vorbei. Große Firmen, Versicherungen und Behörden frankieren schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr mit Briefmarken.

Weitere Kommunikationsmöglichkeiten, wie Telefon (in den 1970er-Jahren waren in der BRD viele Privathaushalte noch ohne Telefonanschluß), Fax, email, SMS usw. usf., verdrängen die Briefmarke aber ebenso seit Jahrzehnten.

Die Form der Kommunikation hat sich im Laufe der Zeit grundsätzlich gewandelt. Die Anzahl, der durch die Post zu beförderten Glückwünsche, zu verschiedensten Anlässen wie Hochzeit, Geburt, Taufe, Kommunion, Konfirmation, Geburtstag, diverse Jubiläen usw. usf., oder zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten, als auch Postkarten aus dem Urlaub, dürfte heute nur noch einen kleinen Bruchteil von früher ausmachen.

Grundsätzlich gibt es heute auch ein weitaus breiteres Freizeitangebot, wie sich der "Normalverdiener" (früher Otto Normalverbraucher genannt) diese vertreiben bzw. in dieser sich beschäftigen kann.

Die einst gegebene Breite an Sammlern, wird die Philatelie nicht mehr erreichen. Damit müssen wir uns abfinden. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass sich die Philatelie im Laufe der Zeit auch durch (Ver)Fälschungen und sonstigen philatelistischen Machenschaften ein Stück weit tod geritten hat. Im Prinzip befindet sich die Philatelie heute in gewisser Weise in einer Art Sondierung. Überleben werden besondere und werthaltige Sammlerstücke, mit musealen Chrakter. Damit meine ich nicht einen gewöhnlichen postfrischen Posthornsatz.

Beste Grüße
Markus
11.04.21, 15:52:46

xg1651

(Mitglied)

Mal allgemein dazu erwähnt, ich bin nicht aus dem Mustopf geklettert, natürlich verändert sich die Welt.

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei gilt natürlich auch irgendwie für Briefmarken, jedoch das die Post als Vorreiter daran arbeitet ist abartig, zumal sie uns jedes Jahr die Ohren vollheulen, daß das Porto erhöht werden muß, weil das Briefaufkommen sinkt.

Selbst gemachtes Leid- liebe Post AG, Tendenz nicht besser werdend, höhere Kosten bei schlechterem Service ist nicht gerade eine Empfehlung.

In den 70 iger Jahren haben sich noch ganze Staaten von der "Briefmarkenproduktion" ernährt, Vorreiter waren wohl die arabischen Emirate und Äquatorial Guinea, welche mehr Briefmarkenemisionen als Einwohner hatten.

Auch in den meißten Staaten Osteuropas war die Briefmarke ein relevantes Exportgut, nicht umsonst sind hier 5000 und mehr Michelnummern vergeben.

Aber,- und das ist mein Vorwurf, man muß den Untergang nicht künstlich beschleunigen, zumal man Hauptnutznießer ist.

Kaugummibilder oder Fußballbilder aus der Sprengel- Schokolade wären bunter und billiger gekommen....
11.04.21, 16:31:42

CMN2014

(Mitglied)

Also, meine subjektive Perspektive:

Den QR-Code auf den Marken: Finde ich klasse, die einfache Sendungsverfolgung damit läuft einwandfrei.

Der in der App generierbare Code, mit Kuli aufgebracht: Finde ich klasse, funktioniert. Kein Hindackeln mehr zur nächsten Postfiliale mit Briefmarkenautomat und Suche nach Kleingeld zum Zahlen der zu druckenden Marken, wenn man spontan aus irgendeinem Grund ein Schreiben verschicken will.
Einwandfrei, zukunftsträchtig.

Wie schon geschrieben wurde - Philatelie ist für mich persönlich bezogen auf Marken, Verwendungen und Beförderungseigenheiten bis bestenfalls Anfang der 50er-Jahre, danach vielleicht noch bezogen auf besondere Anlässe (z.B. "Postkrieg" u.ä).

So gerne ich die Marke zur Zeit (auch) noch nutze, auch um "philatelistisch" zu frankieren, wenn gewünscht - ich trauere der modernen Briefmarke an sich, als Mittel zur Frankatur, nicht nach, sondern weiß den persönlichen Komfortzugewinn durch die "Digitalisierung" zu schätzen.

Just my 2 Cents ;-)
11.04.21, 17:28:27

Klesammler

(Mitglied)

Hallo,

was nutzt der schönste QR- oder Strich-Code, wenn Briefe nicht ankommen. Bei @jorore sind es in den letzten Monaten vier, meine ich, die immer im gleichen Verteilzentrum hängenbleiben. Ich hätte bei Verlust von mehreren eingeschriebenen Briefen an der gleichen Stelle längst Anzeige wegen Unterschlagung eingereicht. Ob Staatsanwaltschaft und Polizei allerdings tätig werden???

beste Grüße
Dieter
11.04.21, 17:46:33

Altsax

(Mitglied)

Ist es nicht inkonsequent, einerseits die sogenannte "Kartonphilatelie" zu verachten, also Erzeugnisse, die lediglich für die Sammler hergestellt wurden und werden, ohne daß eine Beförderungsleistung damit verbunden ist, andererseits aber von der Post zu erwarten, daß sie weiterhin Briefmarken druckt, für die im real existierenden Postbetrieb keine zwingende Notwendigkeit besteht?

Wenn das Unternehmen sich nicht den gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen anpaßt, wird es nicht nur binnen Kürze defizitär, sondern auf Sicht auch überflüssig.

Wenn die Philatelie eine Zukunft haben soll, müssen sich alle daran interessierten Sammler, Händler, Zubehörproduzenten und nicht zuletzt deren Verbände auf die neue Situation umstellen.

Philatelie läßt sich sinnvoll und interessant auch ohne Briefmarkenneuheiten betreiben. Das gilt vermutlich nicht bis in alle Ewigkeit, aber noch für Jahrzehnte.

Immer nur die große Klagetrommel zu schlagen und auf die unfähigen ("Nieten in Nadelstreifen") und geldgierigen Postmanager zu schimpfen, mag billigen Beifall erzeugen, ist aber nichts, was der Sache dienlich ist.
11.04.21, 17:50:41

xg1651

(Mitglied)

Zitat von Altsax:


Philatelie läßt sich sinnvoll und interessant auch ohne Briefmarkenneuheiten betreiben. Das gilt vermutlich nicht bis in alle Ewigkeit, aber noch für Jahrzehnte.

Immer nur die große Klagetrommel zu schlagen und auf die unfähigen ("Nieten in Nadelstreifen") und geldgierigen Postmanager zu schimpfen, mag billigen Beifall erzeugen, ist aber nichts, was der Sache dienlich ist.


Stellt sich die Frage:
Wie bist Du zum Sammeln der kleinen bunten Bildchen gekommen?
Man hat sich an der Tagespost bedient,- damals als ich begann, war es noch üblich Briefe mit Marken zu frankieren.

Über fehlenden Nachwuchs klagen und nicht den Fehler im System zu finden ist sicher auch nicht förderlich.

Gut, die Zeiten waren in den 70 igern noch anders,- irgendwie hat jeder alles Mögliche gesammelt, Briefmarken erstmal fast jeder,- unabhängig davon das es bei sagen wir 80 % eine Phase war.

Sicher ist wenige finden zu dem Hobby, wenn sie nicht vom Leben damit konfrontiert werden oder sehe ich das falsch?
11.04.21, 18:47:17

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo Gunther,

mir selbst sind eigentlich keine, zumindestens nicht wissentlich, sogen. "Quereinsteiger" in die Philatelie bekannt geworden. Irgendwie sind die mir bekannten Philatelisten einen vergleichbaren Weg gegangen, wie er hier auch schon von mehreren geschildert wurde, man wurde in früher Kindheit oder Jugend mit Philatelie infiziert und bei einigen hat sich der Virus hartnäckig gehalten und bei einigen Philatelisten muß man sogar von einer gewissen Drogenabhängigkeit sprechen, der Droge Briefmarke.

Ein anderer ehemaliger Mitarbeiter von meiner Einer (Du bist ja auch einer freuen ), saß im letzten Jahr, aufgrund der Sache mit dem Chorona-Virus, für einige Monate in Südafrika fest. Dort war er aber in Sachen Briefmarken nicht inaktiv, besuchte einige auch mir bekannte Sammler und erzählte mir von seinen dortigen Erfahrungen. Im Prinzip das gleiche Bild, wie in Deutschland - einige hellhäutige, im Alter bereits fortgeschrittene Männer, die zwar noch dem Hobby fröhnen, aber gedenken die Sammlung, zumindestens in Schritten, abzugeben. Nachwuchs generell gen Null und die dunkelhäutigen Ureinwohner seien fern der Materie und fröhnen anderen Leidenschaften. So der glaubhafte Bericht.

Eins weiß ich sicher, mit irrwitzigen Streitigkeiten über sogen. Grenzfarben (die es nicht wirklich gibt), werden wir keine Quereinsteiger für das Hobby begeistern können.

Durchaus habe ich mir, passend zum Thema, in den letzten Stunden Gedanken gemacht, wie man einen Mensch, welcher in der Kindheit oder der Jugend nicht infiziert wurde, in einem höheren Alter, also mindestens über 30 Jahre alt, für die Philatelie begeistern kann?

Vielleicht kann man die Sache regional als eine Art "philatelistisches Heimat-Projekt" anfassen? Soll bedeuten, Aufbau einer regional bezogenen Sammlung, initiiert von sogen. Heimatmuseen, an denen sich in einer Art "Workshop" interessierte Menschen beteiligen können und die Sache bzw. der Aufbau einer Sammlung über Spenden finanziert wird?

Beste Grüße
Markus
11.04.21, 20:47:58

xg1651

(Mitglied)

Hallo Markus,

Als ich noch in Hessen weilte, kam eines Tages ein Bekannter zu mir und sagte er ist jetzt in den Philatelistenverein in Langen eingetreten,- und er ist der Jüngste,- zu diesem Zeitpunkt (ich glaube es war etwa 2010) war er auch schon stolze 55 Jahre alt.
Es gibt etwas Nachwuchs, sicher aber Briefmarken sind wie jedes Gut, welches einen WERT generieren soll, an einen Markt gebunden. Ohne Markt, genauer NAchfrage, tendiert der Wert gegen 0, egal welche Zahl im Michel steht,- wir sehen es täglich bei Material nach 1955, welches praktisch keinen Handelswert mehr hat (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Eigentlich beste Chancen, für wirklich kleines Geld Spaß an der Sache zu finden.
Dazu muß man aber auch noch erkennen können wozu das Objekt der Begierde zu gebrauchen ist,- ist das nicht mehr der Fall, ist es so interessant wie der berühmte Sack Reis, der in China umkippt.
Irgendwelche Majong-Karten haben im Moment einen aktiveren Markt als Briefmarken,- das sollte zu denken geben.
Gruß
Gunther
11.04.21, 21:02:28
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