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Hallo liebe Teilnehmer,

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26.05.21, 09:43:32

uie40

(Mitglied)

Nachfolgend ein Artikel, den ich im vergangenen Jahr in einer lokalen Zeitung veröffentlichen durfte als Einführung in das Thema "Heimatsammlung Herten in Westfalen":
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Heute vor 150 Jahren -
Herten bekommt eine Post

Am 1. Juni 1870 öffnete die erste Hertener Post in der Nähe der St. Antonius-Kirche ihre Tore für das Publikum. Eigentlich ist diese Aussage nicht ganz korrekt, denn es gab bereits mindestens zwischen 1770 und 1803, erst unter kurkölnischer, später unter preußischer Regie, die Poststation Haus Sienbeck in der Nähe des Hertener Schlosses. Allerdings verstand man zu dieser Zeit unter Post lediglich den Personentransport mit der Postkutsche, Haus Sienbeck war eine Pferdewechselstation. Einen Poststempel gab es sicher nicht, und ob Briefe angenommen wurden, ist mehr als fraglich.

Im 19. Jahrhundert wurde das landwirtschaftlich geprägte Dorf Herten mit ein paar Hundert Einwohnern von der Recklinghäuser Post mit sogenannten Landbriefträgern versorgt. Da zu dieser Zeit nur wenige Menschen schreiben und lesen konnten, war das Postaufkommen extrem gering. 1835 wurde die Botenpost Recklinghausen – Herten – Buer eingerichtet. Ab 1847 unternahmen Recklinghäuser Landbriefträger regelmäßig jeden Montag und Donnerstag einen Bestellgang nach Herten, Langenbochum und Scherlebeck. Die Poststücke der Hertener Dorfbewohner wurden zentral gegen eine Gebühr vom Lehrer Bömken entgegen genommen und dem Landbriefträger bei seinem Bestellgang übergeben.

Erst als der Ruhrbergbau weiter nach Norden zog, erhielt Herten eine eigene Post. Das Amtsblatt der damaligen Norddeutschen Postverwaltung des Jahres 1870 verkündete, dass in Herten am 1. Juni eine Postexpedition II. Klasse in Wirksamkeit getreten sei. Deren Verwaltung wurde dem Beigeordneten Schildgen daselbst, unter Ernennung desselben zum Postexpediteur übertragen. Postexpediteur Schildgen hatte lediglich zwei Mitarbeiter, den Postgehilfen Bömken und den Briefträger Korff. Die Postexpedition war nur für das Dorf Herten zuständig, Backum, Disteln, Ebbelich, Langenbochum und Scherlebeck wurden weiterhin von Recklinghäuser Landbriefträgern versorgt.

Aufgrund geringen Postaufkommens wurde die Postexpedition 1873 in eine Agentur zurückgestuft, der der oben genannte Postgehilfe Bömken und später der Holzhändler Lauf als Postagenten vorstanden. Auch damals gab es also schon die Postagentur, den Postschalter im Nebenerwerb z.B. neben dem Zeitschriftenregal, wie wir ihn heute nur zu gut kennen. 1874 wurden im ganzen Jahr 19.008 Briefsendungen und 1.188 Pakete eingeliefert, während rund 12.000 Briefe und 820 Pakete eingingen. Jedoch entwickelte sich der Bedarf an Postdiensten, so dass bereits 1876 in der Rentei ein Postamt III. Klasse mit Telegrafie eingerichtet wurde. Dessen erster Vorsteher war bis 1890 der Postverwalter Sasse. Herten erhielt damit auch einen Landzustellbezirk, dem Backum, Disteln, Ebbelich, Langenbochum und Scherlebeck angehörten. Der erste bekannte Landbriefträger hieß Thier. Es gab zu dieser Zeit in ganz Herten nur einen Briefkasten.

In der im Jahre 1878 erschienenen statistischen Übersicht Das Reichs-Postgebiet wird Herten wie folgt geführt:
Herten, Dorf, an der Kunststraße Recklinghausen – Buer, 5 km von Recklinghausen, in hügeliger Landschaft mit schwerem Sandboden, 1.171 katholische Einwohner, welche von Ackerbau und Bergwerksarbeit leben.
Schloß des Grafen Droste-Nesselrode mit bedeutendem Hirschpark. In der Nähe sind zwei Kohlenzechen in der Anlage begriffen. Postamt III mit Telegrafie. Personenpost Buer – Herten – Recklinghausen.

Diese Personenpost Buer – Herten – Recklinghausen verkehrte zu dieser Zeit viermal in der Woche, zweimal von Recklinghausen nach Buer und zweimal in umgekehrter Richtung. Von Recklinghausen kommend hielt die Personenpost zuerst in Disteln bei Sasse und fuhr dann die Post in Herten an. Dort wurde der durch ein Vorhängeschloss gesicherte Postsack übergeben und die weiteren Postgeschäfte erledigt. Danach fuhr die Kutsche mit den Reisenden durch den gräflichen Schlosspark über Resse (Haltestelle Posthörnchen (Teltrup)) in Richtung Buer. Nachdem die Provinzialstraße nach Westerholt fertiggestellt worden war, machte die Postkutsche auch am Hotel zur Post (Galland) Station. Ihre letzte Fahrt auf dieser Strecke machte die Postkutsche am 9. Mai 1901; sie wurde von der neu gegründeten Straßenbahn Recklinghausen – Herten – Wanne, die wir heute als Vestische Straßenbahnen GmbH kennen, ersetzt. Als letzte Erinnerung an die Postkutschenzeit verblieb in Herten bis 1917 noch eine fahrende Landpost, die die Zustellung in Langenbochum ausführte und Pakete nach Scherlebeck beförderte.
26.05.21, 09:44:32

uie40

(Mitglied)

Eilbrief vom 8. August 1941 von Elbing nach Herten ohne vorausbezahlte Eilbotengebühr. Nachporto wurde nicht erhoben, der Brief wurde mit der gewöhnlichen Post zugestellt.

Kriegsbedingt kam es zu Einschränkungen bei den Postdienstleistungen. Am 16. Mai 1941 wurde mit der Amtsblattverfügung Nr. 255/1941 verkündet: „Der Anspruch auf Eilzustellung von Postsendungen nach §24 der Postordnung wird vorübergehend aufgehoben. Vorauszahlungen von Eilzustellgebühren sind im Falle der gewöhnlichen Zustellung oder Abholung der Eilsendung an den Empfänger mit dem Anheimstellen der Verrechnung mit dem Absender auszuzahlen. Die Eilzustellgebühren sind bis auf weiteres von dem Empfänger der Eilsendung einzuziehen, wenn die Sendungen besonders zugestellt worden sind.“
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04.06.21, 10:27:08

uie40

(Mitglied)

geändert von: uie40 - 11.07.21, 18:16:45

Hier nun ein Feldpostbrief vom Dezember 1943 aus Herten nach Hanau. Der Absender war wohl auf Heimaturlaub oder auf der Durchreise. Weiß jemand, warum hier die Gebührenfreiheit der Feldpost nicht anerkannt wurde? Liegt es am fehlenden Briefstempel?

Die Feldpostnummer des Absenders gehört zum Stab des Grenadier-Regiments 953, das in Dänemark aufgestellt wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das kontrolliert wurde.

Danke für Eure Rückmeldungen!

Liebe Grüße
Jens
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11.07.21, 18:01:57

Count

(Mitglied)

geändert von: Count - 12.07.21, 12:16:45

Vermutlich hat der Absender den Brief (in Herten) einfach in den Briefkasten geworfen. Das war nicht zulässig. Feldpostbriefe mussten bei einem Feldpostamt aufgeliefert oder von der Einheit des Soldaten (mit Dienstsiegel versehen) zu einem Postamt gebracht werden.
12.07.21, 12:15:15

charly999

(Mitglied)

Zitat von uie40:
Hier nun ein Feldpostbrief vom Dezember 1943 aus Herten nach Hanau. Der Absender war wohl auf Heimaturlaub oder auf der Durchreise. Weiß jemand, warum hier die Gebührenfreiheit der Feldpost nicht anerkannt wurde? Liegt es am fehlenden Briefstempel?

Die Feldpostnummer des Absenders gehört zum Stab des Grenadier-Regiments 953, das in Dänemark aufgestellt wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das kontrolliert wurde.



Hallo Jens,

nicht die fehlende Auflieferung bei einem FpA/PA ist KO-Kriterium, sondern der fehlende Nachweis der FpBerechtigung. Das geschah idR durch den Briefstempel der Einheit oder einen Vermerk ´In Ermangelung eines Dienstsiegels, Datum Unterschrift HptFw oä.´

Die Nachgebühr ist daher korrekt. In der Praxis kommen aber sehr viele derartige Briefe ohne Nachgebühr vor, was bei dem sehr hohen Aufkommen an Fp nicht verwunderlich ist.
12.07.21, 12:24:53

uie40

(Mitglied)

Danke Euch beiden für die Informationen.

Liebe Grüße
Jens
12.07.21, 18:05:13
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