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Hallo liebe Teilnehmer,

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10.06.09, 09:48:17

Altsax

(Mitglied)

geändert von: Altsax - 10.06.09, 09:51:18

Für die ringförmigen Erscheinungen auf (überwiegend) Sachsen Mi 4 und 6 kann die Erklärung als gesichert angesehen werden, daß es sich um mitdruckende Spalte zwischen in die Druckplatten gebohrten Kegeln und den darin eingebrachten Befestigungsstiften handelt.

Dazu passen auch die teilweise nicht geschlossenen Kreise sowie mit Druckfarbe kpl. gefüllte Kreise.

Nicht erklärbar sind allerdings die sehr selten bei der Mi 6 vorkommenden Ringel in dickerer Ausführung, weil innerhalb dieser Ringel die ursprüngliche Schraffur weitergeht.

Unter dem Stereomikroskop ergeben sich für mich keine Hinweise darauf, daß es sich um nachträglich angebrachte Druckfarbe, also Verfälschungen handeln könnte.

Vielleicht hat jemand eine Erklärung dafür oder kann plausibel begründen, daß es sich dabei doch um Filoutelistenwerk handelt.

Altsax
Dateianhang (verkleinert):

 Ringel 4 pus Punkt auss 2.jpg (113.34 KByte | 21 mal heruntergeladen | 2.32 MByte Traffic)

Dateianhang:

 Ringel 4 pus Punkt auss 1.jpg (94.47 KByte | 14 mal heruntergeladen | 1.29 MByte Traffic)

Dateianhang:

 Ringeldarstellung Göbeler.jpg (14.82 KByte | 6 mal heruntergeladen | 88.9 KByte Traffic)

Dateianhang:

 Ringel 3, einer dick auss.jpg (96.34 KByte | 10 mal heruntergeladen | 963.4 KByte Traffic)

10.06.09, 09:49:17

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo Altsax,

die Sachsen Stichtiefdruckmarken sind ein schönes Beispiel, um Grundsätzliches über Briefmarken zu erfahren.

Wer ist dieser Göbeler? Wie lauten dessen Mutmaßungen wörtlich? Was weiß der geheimnisvolle Sachsenkenner? Hat er noch mehr aufschlussreiche Zeichnungen angefertigt?

Du schreibst von gesicherter Erkenntnis, dass zwischen den Druckplatten (eigentlich mitten durch die Marken) Löcher gebohrt worden wären, damit Befestigungsstifte eingebracht werden konnten. Auf was wurden die Platten befestigt? Mussten Druckplatten immer irgendwo draufgenagelt werden? Wie sahen die Druckmaschinen aus, an denen man etwas festnageln musste?

Ich bin gespannt. Auch wenn dieser Beitrag etwas tröge anfängt, er wird sicher für viele neue Erkenntnisse bringen.

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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10.06.09, 10:10:28

Altsax

(Mitglied)

Hallo Herr Kraft,

Zum Thema Druckverfahren der Sachsenmarken arbeite ich derzeit an einer Abhandlung, der ich an dieser Stelle nicht vorgreifen möchte.

Beim "Göbeler" handelt es sich um das 1955 herausgegebene Sachsenhandbuch, in dem erstmalig (?) die Ringeltheorie publiziert worden ist.

Sie beruhte nach Angaben an der Abfassung des Handbuches Beteiligter auf Unterlagen, die derartige Maßnahmen (Nageln) sowie die daraus resultierenden Spuren beim Druck anderer Erzeugnisse dokumentierten.

Die sächsischen Postakten lieferten keine entsprechenden Hinweise.

Die Druckplatten wurden üblicherweise mit Klemmschuhen auf der Druckpresse befestigt. Wenn also zusätzliches Nageln als erforderlich angesehen worden ist, waren offenbar Materialspannungen auszugleichen. Die Positionen der Ringel zeigen, daß man bemüht war, sie entweder im Markenbild möglichst unauffällig anzubringen oder in die Markenzwischenräume zu legen.

Beste Grüße

Altsax
10.06.09, 10:52:42

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

ich will nicht generell ausschließen, dass irgendwo einmal irgendein Nagel durch eine Platte geschlagen wurde, aber die Nageltheorie scheint mir unwahrscheinlich.

Die Kringel zwischen den Außenlinien sind so klein, dass eine Stecknadel vermutlich dicker ist und ich schenke mir deshalb auch das Nachmessen. Auch die großen Kringel, die nun schon eher von einem Nagelkopf stammen könnten halte ich nicht für Abdrücke von Stiften, Köpfen oder für Löcher von solchen. Die beim einschlagen des Nagels entstehende Vertiefung würde als schwarzer Kreis zu sehen sein, als quasi Korona, wäre noch ein Kreis der vertieften, druckenden Ritze verändert.


Selbstverständlich gibt es den Einsatz von Nägeln beim Drucken. Dabei geht es jedoch um Buchdruck, um Klischees und darum, dass im Normalfall die Nägel nie sichtbar werden, weil sie sehr viel tiefer liegen, als das druckende Metall.

Ganz anders die Kopfausgaben von Sachsen. Diese sind im Stichtiefdruck hergestellt. Es gab auch keine einzelnen "Klischees" sondern nur komplette Platten, die den ganzen Bogen in einem Stück druckten. Die Platten waren (zumindest ein Teil derselben) aus einem kupferfarbenen Metall, einer geschätzt 1 mm dicken Platte. Eventuell ziemlich reines Kupfer.

Ich hatte nach der Maschine gefragt, weil ich nicht weiß, ob die Platte auf einen Zylinder gespannt wurde oder plan in einer Maschine lag. Im ersten Fall gibt es garantiert nichts zu Nageln.

Kommen wir zur "verzogenes Metall muss genagelt werden" Theorie zurück. Eine 1 mm dicke Kupferplatte wirft keine Falten in einer Maschine. Selbst wenn die Platte nur an einer Seite eingespannt gewesen wäre (kann gut sein), würde durch den Anpressdruck ein sauberer Druck entstehen. Nehmen wir an, das Papier und die Platte wären an jeweils der Oberkante eingespannt. Je nach Maschine, z. B. eine schwere Rolle rollt über Papier, drückt dieses gegen die in den Ritzen eingefärbte Kupferplatte und das Papier nimmt die Farbe auf, könnten Papier und Platte "frei flattern". Natürlich nur theoretisch.

Was jedoch praktisch passieren könnte, nach der abendlichen Reinigung der Platten, könnten winzige Wassertröpfchen oder Chemikalien auf die Platte gelangt sein und wenn morgens die Platte nur sanft abgewischt wurde, könnte ein aufgerauter Kreis stehen geblieben sein, der dann mitdruckte.

Kupfer ist empfindlich. Wenn es wirklich oxydiert entstehen sogar kleine Vertiefungen, die dann als schwarzer Fleck mitdrucken würden.

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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10.06.09, 18:44:55

Altsax

(Mitglied)

geändert von: Altsax - 10.06.09, 21:25:46

Hallo Herr Kraft,

was die Maschine angeht, ist bekannt, daß die Druckplatte plan lag und der Druck durch einen Rollzylinder beim Durchschieben eines Schlittens erzeugt wurde, der Druck- und Anpreßplatte aufnahm.

Die Theorie mit den Nagelspuren ist selbstverständlich - wie alle Theorien - durch eine plausiblere zu widerlegen.

Allerdings scheint diese Ringelerscheinung bei Stahlstichen aus Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt zu sein und ist angeblich auch in Bezug auf die Ursachen dokumentiert.

Für eine nicht zufällige Erscheinung spricht übrigens eindeutig die Anordnung zwischen Gravurlinien, innerhalb der Ziffer "3" und an anderen, unauffälligen Stellen.

Beste Grüße

Altsax
10.06.09, 21:25:03

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo Altsax,

vielen Dank für die Hinweise zur Druckmaschine. Ich hatte mir das gedacht. Zufälligerweise habe ich so eine Maschine in meiner Garage und werde sie auch aufstellen um daran zu testen, wenn ich den Patz dafür geschaffen habe.

Zu den Kringeln zurück. Beim Stichtiefdruck wird die Farbe aus einer Vertiefung auf das Papier "gesaugt". Ein tiefer liegender Nagelkopf müsste, um einen Kringel zu erzeugen, einen tiefen Rand haben und in der Mitte so hoch stehen, wie der Rest der Plattenoberfläche. Ich habe eine kleine Skizze gemacht. Die Vertiefungen nehmen die Farbe auf und geben diese beim Druck an das Papier ab.

Was sehen wir an der Zeichnung? Ein eingeschlagener Nagel hinterlässt nicht diese Spuren. Ein fetter, farbübersättigter Punkt wäre normal, wenn man den Nagel einfach einschlägt.

Vergegenwärtigen wir uns einfach: was tiefer in der Platte liegt, nimmt Farbe auf und druckt später mit. Nehmen wir noch ein Loch an, durch das die Farbe "durchfällt". Das würde eine unbedruckte Stelle ergeben. Ein Kringel kann nur von einer exakt kringelförmigen Vertiefung kommen. Vorstellbar wäre also eine ausgekragte Bohrung, nicht ganz durch die Platte und dann ein Nagel, der auf Höhe der Platte endet, genau in der Mitte der Bohrung.

So fein arbeiten Uhrmacher. Ob Drucker solchen Aufwand treiben? Was wäre, wenn die Platten noch vorhanden sind und es gäbe keine Löcher in den Platten? Was wäre mit Luftblasen, die beim Walzen platzen und Farbresten? Könnten es Spuren eines Werkzeuges sein? So etwas wie ein Splintaustreiber, innen etwas ausgehöhlt, würde so eine Spur hinterlassen.
Dateianhang:

 kringel-vom-nagel1.jpg (47.82 KByte | 3 mal heruntergeladen | 143.47 KByte Traffic)


J. Kraft
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10.06.09, 22:08:51

Juergen Kraft

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Betrachten wir einen Nagel in einer Kupferplatte. Unabhängig von der Frage, ob wir den Nagel überhaupt in die Platte bekommen, würde ein breiterer Krater entstehen, der keine feinen Kringel erzeugt.

Der schwarze Punkt bei der rosa Marke könnte tatsächlich von einem Nagel stammen, jedoch auch von jeder beliebig entstandenen Vertiefung in der Platte.

Die Kringel im ersten Bild, zwischen den Außenlinien, bei der 1 Ngr. halte ich für zu klein und zu fein, als das sie durch brutales Nageln entstanden sein könnten.

Die ja durchaus verschiedenen Kringel könnten auch jeder eine individuelle Ursache haben.

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J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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10.06.09, 22:33:57

Juergen Kraft

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Betrachten wir den dicken "Kringel" auf der gelben Marke. In der Mitte des Kringel sehen wir die normale Markenzeichnung. Das beweist eindeutig, in dem Kreis ist die Originalplatte unberührt! Ein Nagel hätte die Ritze nach unten getrieben, sie wären nicht sichtbar.

Gehen wir davon aus, dass es sich um originale Druckfarbe handelt. Der Ring sieht an den Kanten zerflossen aus, wie geätzt und nicht wie eingeschlagen.

Da kommt wieder die Möglichkeit in Betracht, dass eine Chemikalie, die Kupfer ätzt oder oxydieren lässt, auf der Platte verblieb. Der Nagel scheidet definitiv aus. Dieser Kreis ist auch so unregelmäßig, dass man ein Werkzeug wie den Splintaustreiber vergessen kann. Dieser Kringel ist auf chemischem Weg entstanden und nicht mechanisch.

Für mich auch die wahrscheinlichste Lösung für die kleinen Kringel. Bei diesen müsste man noch nachmessen, ob es einen regelmäßigen Abstand bei mehrfach auf einer Marke vorhandenen Kringeln gibt. Das würde wieder auf ein Werkzeug schließen lassen. Die chemische Ursache dürfte ziemlich zufällig sein.

Eine Nageltheorie fällt mir doch noch ein: wenn auf der Walze mit dem Papier, Schrauben der Halterung für das Papier zu weit heraus standen, so das beim Zurückrollen der Walze, die Platte "verkratzt", "geprägt" oder ähnlich beschädigt wurden, könnten dadurch die großen Kringel entstanden sein. Das bedruckte Papier ist dann schon entnommen und durch eine fehlerhafte Maschine müsste die Walze zu tief liegen. Insgesamt eher unwahrscheinlich. Die winzigen Kringel zwischen den Linien erklärten sich dadurch natürlich nicht.
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J. Kraft
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10.06.09, 22:44:13

Juergen Kraft

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Betrachten wir einen der kleinen Kringel genau. Beide Randlinien gehen ohne jede Beschädigung durch. Das heißt, ein Nagel wurde nicht eingeschlagen und auch kein Loch gebohrt. Selbst ein Werkzeug ist auszuschließen. Es bleibt nur die chemische Verunreinigung. Jede mechanische Variante hätte die geraden Linien beschädigt.

"Chemisch" kann einfach Wasser und Fett bedeuten, ein Reinigungsmittel, ein Lösungsmittel. Irgendwie bleibt ein winziger Wasserring stehen und trocknet ein. Die raue Stelle auf der glatten Platte bliebe eingefärbt und würde mitdrucken.

Ich glaube man kann jetzt schon sagen: vergesst das Nageln, egal was Andere dazu gesagt haben. Wie ich schon anfangs angedeutet hatte, ist wird langatmig, aber interessant.
Dateianhang:

 detail-kringel.jpg (35.3 KByte | 4 mal heruntergeladen | 141.18 KByte Traffic)


J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

Liste der Sonderzeichen zum Einkopieren

10.06.09, 23:01:01
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