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admin_j

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Hallo,

das Handbuch "Altstempel deutscher Postanstalten", zu bestellen bei Hans-J. Richter, Rostockerstr. 19, 38124 Braunschweig (80 Jahre, hat kein Internet), kostet keine 40,- und wird auf Rechnung verschickt, listet die meisten Altstempel, nach 1945 verwendet, aber nicht den Kreisbrückenstempel mit Gitterbogen oben und unten, von RÖTZ.

Rötz ist ein kleiner Ort und wegen einer anderen Besonderheit hatte ich früher schon einmal etwas dazu geschrieben, was jetzt hier folgt. Der Stempel war noch nach 1954 im Einsatz. Parallel gab es einen Zweikreisbrückenstempel, der am Briefschalter verwendet wurde.

Teilbarfreimachungen auf Paketkarten aus Rötz


Dokumentierter Zeitraum von Markenmangel im Postamt Rötz Oberpf. ab dem 4. 7. 1954 am Paketkartenschalter
Über weite Strecken sind die Paketkartennummern lückenlos!

Zum 1.7.1954 hatte es eine Gebührenerhöhung der Deutschen Bundespost gegeben. Das alleine wird jedoch sicher nicht der Grund für den Markenmangel gewesen sein. Eventuell kann ich das noch später aufklären. Tatsächlich sprechen die nachfolgend abgebildeten Belege für sich. Klicken Sie auf die jeweiligen Bilder zum Vergrößern. Das erste Bild ist die gültige Gebührentabelle für Paketgebühren ab dem 1. 7. 1954. Zu beachten ist auch, alle Belege wurden von einem Schalterbeamter bedarfsgemäß ausgefertigt und unbeanstandet befördert. Das nur für alle Skeptiker, die an Hand von Vorschriften beweisen wollen, das es die Belege hier nicht geben kann. Beleg "373" beweist das alle 70er Posthornmarken vom Bogen stammen. 372 und 373 zeigen lustlos abgerissene Marken, die 373 mit Resten vom Unterrand. Offensichtlich gab es einen Brief- und einen Paketannahmeschalter.

Am Paketschalter war ein wiederverwendeter Altstempel Typ Kreisbrückenstempel mit Gitterbogen oben und unten RÖTZ "b" im Einsatz. Am Briefschalter ein modernerer Typ mit Buchstaben "a". Beim Beleg "388" ist die Vorderseite mit einer 70 Pf (mit was sonst?) beklebt und dem alten Stempel 19.7. 16-17 Uhr gestempelt. Auf der Rückseite klebt eine weitere 70 Pf von einem anderen Bogen stammend (anders zentriert) und mit dem Briefschalterstempel entwertet! Die Ration 70 Pf Marken für den Tag am Paketschalter war wohl schon aufgebraucht. Man beachte: Es war das erste Paket an diesem Montag Morgen! Reste vom Samstag, siehe Nr. "387" waren davor am mit 70 Pf Marken frankiert worden und am 19.7.54 gestempelt, obwohl die Notopfermarke schon am 17.7.54 gestempelt war!

Chaos in Rötz! Fast jede Paketkarte zeigt den richtigen Frankobetrag und es kleben zu wenig Marken auf den Paketkarten. Einige der Raritäten werden in den nächsten Jahren bei stampsX angeboten werden. Es geht bereits los mit dem bisher frühesten Datum der Rötz Provisorien, Paketkarte Nr. "286". Vorstellbar wäre natürlich auch ein Betrug zum Schaden der Post durch die Schalterbeamten. Das würde diese Belege nicht im Wert mindern, eher im Gegenteil. Wegen des abgegrenzten Zeitraumes und der unbeanstandeten Beförderung scheint es mir allerdings weniger wahrscheinlich. Ein wichtiges Indiz für die Korrektheit der Frankatur und damit der Teilbarfreimachung sollte noch beachtet werden: Die Pakete gingen ja an die unterschiedlichsten Postämter. Die Zusteller haben sicher auch bemerkt, das der quittierte Betrag von der Frankatur abwich. NIE wurde Nachgebühr erhoben! Logisch! Die korrekte Postgebühr war ja quittiert! Ob der Postbeamte nun Geld veruntreut hat, scheint mir nebensächlich. Er hat vielleicht auch einfach Briefmarken geklaut, alles egal. Für die Post war die Freimachung korrekt. Entscheidend ist das Verhältnis Kunde - Post. Die interne Verrechnung ist Sache der Postbuchhaltung. "DIE POST" in Form des Postbeamten, hat die korrekte Gebühr berechnet (kann man nachvollziehen) und quittiert! Fertig ist der korrekt frankierte Beleg! Ergänzung aus dem Jahr 2008: Die Postbeamten, nicht nur in Rötz, führten Kladden, gebundene Bücher, in denen bar vereinnahmte Beträge zu notieren waren. Diese wurden täglich abgerechnet und kontrolliert. Leider bin ich nicht selbst im Besitz einer solchen Kladde, der Handel dafür ist nicht vorgesehen. Verwendung und Handhabung sind jedoch zweifelsfrei erwiesen. Es gibt auch keinen Grund daran zu zweifeln, dass in dem Fall der Rötzprovisorien irgendetwas nicht nach Vorschrift lief.

Gebührentabelle "286" Samstag, 3.7.54 "287" Sonntag! 4.7.54 "288" Sonntag! 4.7.54 "305" Dienstag, 6.7.54
"353" Dienstag, 13.7.54 "324" Donnerstag, 8.7.54 "354" Dienstag, 13.7.54 "357" Mittwoch, 14.7.54 "358" Mittwoch, 14.7.54
"359" 14.7.54
Bei H. Köhler Ausruf
€ 250,-
"360" vom 14.7.54
Ausruf € 300,-
"361" 14.7.54 "365" 14.7.54 "368" Donnerstag, 15.7.54
"369" vom 15.7.54 "370" Donnerstag, 15.7.54 "371" Donnerstag, 15.7.54 "372" 15.7.54 "373" 15.7.54
"379" Samstag, 17.7.54 "380" Samstag, 17.7.54 "381" Samstag, 17.7.54 "387" Samstag, 17.7.54 "388" Montag, 19.7.54
"389" 19.7.54 "391" 19.7.54 16-17 Uhr "392" 19.7.54 16-17 Uhr "393" 19.7.54 16-17 Uhr "394" erstes Paket am 20.7.54
"395" 20.7.54 "396" 20.7.54 "397" "398" "404" Mittwoch, 21.7.54
"405" 21.7.54 "406" 21.7.54 "440" Samstag, 24.7.54 "441" "442"
"444" Montag, 26.7.54 "445" Montag, 26.7.54 "446" und "447" "448" "449" und "450"
"451" 26.7.54 "452" "453" "474" Donnerstag, 19.7.54 "493" Samstag, 31.7.54
"495" "496" 31.7.54 "668" Samstag, 21.8.54 es gibt wieder Briefmarken in Rötz "677" Montag, 23.8.54, wieder nur 70 Pf, diesmal aber die korrekte Gebühr! "678" schon wieder war 1,40 korrekt!

In dem unverständlich langen Zeitraum vom 4. 7. 1954 bis 31. 7. 1954 gab es auf dem Postamt Rötz nur eine einzige Sorte Briefmarken, nämlich die 70 Pf. Posthorn. Das schließt die Verwendung anderer Marken im Besitz des Publikums natürlich nicht aus. In meiner Belegsammlung ist die nächste Paketkarte mit korrekter Frankatur vom 21. 8. und hat eine Heuß Zusatzfrankatur. Zumindest bei der Frankatur von Paketkarten wurden nur 70 Pf. Posthorn verwendet. Der Rest muss bar freigemacht worden sein. Interessanterweise gibt es eine Menge Belege, die ich finden konnte. Darunter die Beschreibung von zwei verschiedenen Auktionshäusern, die aus dem Phänomen unterschiedliche, wenn auch falsche Schlüsse zogen.

Betrachten wir das zweite Bild, die erste Paketkarte aus der Zeit. Die Paketkarten sind nach den Einlieferungsnummern sortiert und damit automatisch nach dem Datum:

70 Pf. Posthorn auf Paketkartenrückseite. Vorderseitig nur noch die obligatorische Notopfermarke. Das Paket ging von Rötz nach Baden-Baden. Das war die 3. Zone und es musste bei einem Gewicht von 6 - 7 Kg mit 1,70 DM freigemacht werden. Der Schalterbeamte war, vermutlich wegen des Markenmangels, ziemlich im Stress. Erst schrieb er 1,00 auf die Paketkarte, dann verbesserte er das, in korrekte DM 1,70. Ich garantiere die bedarfsmäßige Verwendung und dass keine Marke von dem Beleg abgefallen ist oder sonst entfernt wurde. Das Paket wurde offensichtlich am 3. 7. 1954 zwischen 15 und 16 Uhr am Schalter aufgegeben. Es wurde die Notopfermarke aufgeklebt und gestempelt. Die Gebühr wurde offensichtlich kassiert. Genau genommen wird der Absender wohl 1,72 bezahlt haben. Offenbar hat der Schalterbeamte daran geglaubt, dass am nächsten Morgen Briefmarken eintreffen würden. Als das wohl nicht geschah, hat er eine! 70 Pf. Posthorn aufgeklebt und mit demselben Poststempel (wie die Notopfermarke am Vortag) vom 4. 7. 1954  10-11 Uhr gestempelt. Bei 1,70 Gebühr und vorhandenen 70 Pf. Marken hätte er ja zwei Stück aufkleben können, dann hätten nur noch 30 Pf. an Briefmarken gefehlt. Vielleicht konnte er auch seine eigene Schrift nicht mehr lesen oder war von dem geänderten Absendervermerk (von unfrei auf frei) vollständig verwirrt. Dass es sich nicht um ein einmaliges Versehen handelt, können Sie jedoch hier sehen.


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